allein in der Tat ist die Freiheit (war: Das Opferspiel von Robert Betz) (Allgemein)

Schlumpfine, Samstag, 04.07.2009, 12:13 (vor 6037 Tagen) @ Odille

Liebe Odille, liebe MMs, was halte ich von Robert Betz und seinen Texten? Wenig
Und was halte ich ganz speziell von diesem Text über das Opfer-Spiel? Sehr wenig!!!

Darin ist mir zuviel esoterisch-verquastes "Mein Wille geschehe!" Und zu wenig Demut, Dankbarkeit und Lebensfreude
Obwohl ich ein großer Fan von Byron Katie bin
Dass der Text von RB dich berührt hat, spüre ich sehr deutlich, lieeb Odille. Danke, dass du ihn hier eingestellt hast. Betz hat in der Tat (wie die meisten erfolgreichen Demagogen) die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge auf scheinbar einfache Weise darzustellen. Viele Menschen, die ich kenne, sind von ihm fasziniert. So wie von Bärbel Mohr und Rhonda Byrne und anderen esoterischen "Lehrern". Ich nehme deren "Lehren" als Scharlatanerie und teilweise sogar als gefährlichen Unsinn wahr.

Meine Erfahrung ist, das es einfach nicht so einfach ist, wie diese Menschen behaupten.

Und zugleich viel einfacher. Wie z. B. Byron Katie, Marshall B. Rosenberg u. a. erfahren haben.

Die Freiheit, die ich meine ist die von Dietrich Bonhoeffer beschriebene:

"Stationen auf dem Wege zur Freiheit

Zucht.
Ziehst Du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem
Zucht der Sinne und deiner Seele, daß die Begierden
und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen.
Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen,
und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist.
Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht.

Tat.
Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen,
nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen,
nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.
Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens,
nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen,
und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen.

Leiden.
Wunderbare Verwandlung. Die starken, tätigen Hände
sind dir gebunden. Ohnmächtig, einsam siehst du das Ende
deiner Tat. Doch atmest du auf und legst das Rechte
still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden.
Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit,
dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.

Tod.
Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
daß wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst."

Kurz und knapp drückt Bonhoeffer sein sehr persönliches Glaubensbekenntnis so aus:

„Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, daß Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern daß er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Darin finde ich mein Welt- und Menschenbild sowie meine Lebenserfahrung viel klarer, als bei Robert Betz wieder, liebe Odille.

Ich freue mich auf den Kaffee bei dir und darauf, Aug' in Auge im persönlichen Gespräch zu vertiefen, was am Telefon bzw. in Schriftform hölzern und unbeholfen, haarspalterisch, kleinkariert und rechthaberisch wirken kann.

Sei herzlich umarmt von

Schlumpfine


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