Selbsthilfegruppe (Allgemein)

Uschi @, Montag, 28.12.2009, 21:38 (vor 5870 Tagen)

Hallo zusammen,

ich habe hier schon länger nicht mehr geschrieben. Nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich überlege, ob eine Selbsthilfegruppe mir helfen würde oder nicht. Wie sind denn Eure Erfahrungen? Wer mag mir berichten?

Nachdenkliche Grüße Uschi

Re: Selbsthilfegruppe

Wolfram, Montag, 28.12.2009, 23:43 (vor 5870 Tagen) @ Uschi

Hallo zusammen,
ich habe hier schon länger nicht mehr geschrieben. Nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich überlege, ob eine Selbsthilfegruppe mir helfen würde oder nicht. Wie sind denn Eure Erfahrungen? Wer mag mir berichten?
Nachdenkliche Grüße Uschi

ich habe nur positive Erfahrungen. Du darfst aber nicht zuviel erwarten. Und vor allem, selber auch aktiv sein, d.h. auch von Dir erzählen. Es kommen bei uns ab und zu Neue, die nicht viel von sich erzählen (so weit, so gut), nur zuhören, ist zu Anfang auch noch akzeptabel, aber dann wortlos verschwinden. So hilft die SHG nicht. Ich bin seit 7 1/2 Jahren dabei und werde weiterhin dabei bleiben.
An sich ist das ja ähnlich wie im Forum, aber ich sehe in der SHG eine größere Kontakt und Informationstiefe. Aber letztendlich ergänzt sich das auch. Ich muß ja schließlich meine Informationen auch irgendwoher bekommen.

Also nur Mut, die SHG beißt nicht, das sind alles nur normale Messies wie Du und ich.

mfg
Wolfram

<ul><li>http://www.messie-selbsthilfegruppen.de/hannover-mitte </ul>

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Odille, Dienstag, 29.12.2009, 20:24 (vor 5869 Tagen) @ Wolfram

Hei Wolfram,

Ich bin seit 7 1/2 Jahren dabei und werde weiterhin dabei bleiben.

Ich stelle mal eine provokante Frage in den Raum - die natürlich auch die langjährigen Forenschreiber (also mich auch) hier betrifft:

sollte eine gute Selbsthilfegruppe nicht irgendwann den Besuch derselben überflüssig machen?

Was für mich persönlich die Frage aufwirft: warum schreibe ich noch hier - was hat sich verändert seit meinem "Forenbeginn" hier?
Schreibe ich noch hier weil ich Hilfe brauche, bekomme (ja und nein) oder mehr aus Sentimentalität (ja) oder wg. der netten Real-Life-Kontakte (eindeutig ja). Aber was nützt mir das Forum heute noch greifbar, fühlbar?

<small>letzerer Absatz waren keine Fragen, mehr laut gedacht</small>

LG, Odille

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

GodOfChaos, Dienstag, 29.12.2009, 22:14 (vor 5869 Tagen) @ Odille

Hallo,

Ich stelle mal eine provokante Frage in den Raum - die natürlich auch die langjährigen Forenschreiber (also mich auch) hier betrifft:
sollte eine gute Selbsthilfegruppe nicht irgendwann den Besuch derselben überflüssig machen?

kommt immer drauf an - ich war mal eine Zeit lang in einer Selbsthilfecommunity für Angst- und Depression dabei.
Dort bin ich ausgestiegen, weil ich irgendwann merkte, daß meine Angsterkrankung dadurch fast zu einer Art morbidem Hobby geworden war und die Community auch irgendwie subkulturelle Züge hatte.
Bei einer anderen Sache, die ich hier jetzt nicht breittreten möchte, hatte ich mein Problem irgendwann gelöst, aber das war kein so gravierendes Thema wie die Angsterkrankung - da war es nett und tolerabel, die Sozialkontakte weiterzupflegen und noch eine Zeit für Neulinge da zu sein.
Was das Messie-Problem betrifft... ...nun ja, ich denke, es ist für mich ebenfalls nicht so gravierend, wie die Angstgeschichte. In diesem Fall würde ich wohl, wenn ich hier oder in einer RL-SHG "fertig" wäre, noch ab und zu ´reinschauen, um Neulingen zu helfen und was zurückzugeben. Aber eigentlich möchte ich irgendwann weniger Energie und Zeit ins Mess abfließen sehen, und dazu gehört eben auch, Zeit in einer SHG zu verbringen.
Eine liebe und Fachkundige Frau hat mir auch mal den Tip gegeben, daß man sich durchaus irgendwann mal als "geheilt" betrachten kann, wenn -welches psychogene Problem auch immer- sich auf einem akzeptablen Level stabilisiert hat.

Gruß,
GodOfChaos

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Uschi @, Mittwoch, 30.12.2009, 03:37 (vor 5869 Tagen) @ GodOfChaos

Hallo GodOfChaos,

auch dir ein Dankeschön für deine Antwort. Wir werden älter, deswegen bin ich auch der Meinung, man kann ja, wenn man als geheilt gilt, noch eine Weile eine SHG unterstützen.
Irgendwann überlegt man sich, was man im Leben noch machen möchte. Dann möchte man vielleicht seine Zeit an anderer Stelle investieren. Dafür habe ich auch Verständnis.

LG Uschi

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Uschi @, Mittwoch, 30.12.2009, 03:43 (vor 5869 Tagen) @ GodOfChaos

Dankeschön auch dir für deine Zeilen.

Grüße Uschi

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Uschi @, Mittwoch, 30.12.2009, 03:28 (vor 5869 Tagen) @ Odille

Hallo Odille,

man geht ein Stück Weg im Leben zusammen. So muss man es doch sehen, oder?
Wichtig finde ich, dass du hier auch noch schreibst, da es für andere eine Hoffnung ist, auch mit ihrem Chaos mit der Zeit klar zu kommen. Es besteht die Möglichkeit, es zu schaffen, auch wenn jeder seinen Weg finden muss. Weißt du, wie ich es meine?
Danke auch dir für deine Zeilen, deine Fragen und Gedanken.

LG Uschi

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Wolfram, Mittwoch, 30.12.2009, 12:51 (vor 5868 Tagen) @ Odille

einer der Hauptgründe für mein Messiesein sind die fehlenden Sozialkontakte in meinem ganzen bisherigen Leben. Deswegen war Sammeln, Beschäftigung mit sich selbst immer wichtig gewesen. Später kam mehr unbewußt das Schreiben in Foren hinzu. Die SHG bot mir erstmalig direkte Sozialkontakte. Da sehe ich das bisher noch nicht, daß ich da jemals aufhören würde, hinzugehen. Denkbar wäre es vielleicht, wenn aufgrund dessen auch außerhalb der SHG Sozialkontakte entstehen würden. Das sehe ich aber bisher noch nicht.

mfg
Wolfram

Re: Selbsthilfegruppe -andere Sozialkontakte?

Odille, Mittwoch, 30.12.2009, 14:32 (vor 5868 Tagen) @ Wolfram

Hi!

einer der Hauptgründe für mein Messiesein sind die fehlenden Sozialkontakte in meinem ganzen bisherigen Leben.

Gibt es da nicht noch andere Möglichkeiten?

- Kollegen
- Sport (-Verein) oder auch "nur so" zum Lauftreff
- Freizeitpartnerbörsen
- Frühstückstreffs
- alleine kochen ist doof.de
- Freizeitclubs

Ich finde es gerade auch ausserhalb des messieumfelds sehr sinnig, Kontakte zu haben - weil sie meinen Blick über den Tellerrand erweitern.

LG, Odille

Re: Selbsthilfegruppe -andere Sozialkontakte?

Wolfram, Mittwoch, 30.12.2009, 19:00 (vor 5868 Tagen) @ Odille

Hi!
einer der Hauptgründe für mein Messiesein sind die fehlenden Sozialkontakte in meinem ganzen bisherigen Leben.
Gibt es da nicht noch andere Möglichkeiten?
- Kollegen
- Sport (-Verein) oder auch "nur so" zum Lauftreff
- Freizeitpartnerbörsen
- Frühstückstreffs
- alleine kochen ist doof.de
- Freizeitclubs
Ich finde es gerade auch ausserhalb des messieumfelds sehr sinnig, Kontakte zu haben - weil sie meinen Blick über den Tellerrand erweitern.
LG, Odille

alles Aufgezählte geht erst, wenn i c h dazu in der Lage bin. Das bin ich aber nicht. Bei allen gibt es nur oberflächliche Gespräche wie "heute hat es wieder geschneit", "ach, du hast das Rauchen aufgegeben, warum denn"
Sowas liegt mir nicht. Ich muß ein Thema haben, wo ich was zu sagen kann, wo ich was dazulerne.
das ist bei mir eine mindestens genauso große Überwindung wie das Wegschmeißen.
Darum hat mir da die SHG schon sehr geholfen.

mfg
Wolfram

Re: Selbsthilfegruppe -andere Sozialkontakte?

Odille, Donnerstag, 31.12.2009, 17:39 (vor 5867 Tagen) @ Wolfram

Lieber Wolfram,

alles Aufgezählte geht erst, wenn i c h dazu in der Lage bin. Das bin ich aber nicht. Bei allen gibt es nur oberflächliche Gespräche wie "heute hat es wieder geschneit", "ach, du hast das Rauchen aufgegeben, warum denn"
[quote]Sowas liegt mir nicht. Ich muß ein Thema haben, wo ich was zu sagen kann, wo ich was dazulerne.
[/quote]

ich las bislang nicht viel von Dir hier, aber das was ich las, lässt mich sehr stark vermuten, dass Du "auch so" ein Mensch bist, der etwas zu sagen hat, der kein spezielles Thema braucht, der einfach von sich selbst aus interessant genug ist. Möglicherweise existiert diese Grenze nur in Deinem Kopf (was sie natürlich nicht weniger real für Dich macht, das erkenne ich an)

das ist bei mir eine mindestens genauso große Überwindung wie das Wegschmeißen.
[quote]Darum hat mir da die SHG schon sehr geholfen.
[/quote]

Das freut mich für Dich. Und ich wünsche Dir noch viele nette Real-Life-Kontakte.

Lieben Gruß, Odille

ps: okay, ich kann vermutlich nicht wirklich nachvollziehen wie das sein muss, wenn es einem schwer fällt auf Menschen zuzugehen. Ich bin von meinem Naturell her eher ein "Menschen-Magnet", d.h. ich komme immer leicht ins Gespräch, vermutlich weil ich das Talent habe, anderen die Brücken zu bauen, die Du als schwierig empfindest. Dafür hast Du bestimmt andere gute Talente. Wär ja auch schrecklich, wenn wir alle gleich wären.

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Schlumpfine, Mittwoch, 30.12.2009, 15:03 (vor 5868 Tagen) @ Odille

sollte eine gute Selbsthilfegruppe nicht irgendwann den Besuch derselben überflüssig machen?

Das finde ich ganz und gar nicht, liebe Odille.

Wer mit Hilfe einer SHG was auch immer - Alkoholismus, Co-Abhängigkeit, zwanghaftes Essen, Messie-Verhalten o.ä - überwunden hat, verdankt dies in aller Regel dem Vorbild und der Zuwendung der "trockenen" SHG-Mitglieder.

Wenn ich selbst in einer Gruppe den Eindruck habe, dass ich nicht mehr nur aus akuter, innerer Not heraus dahingehe, sondern aus Freude am Treffen mit den anderen "alten" Gruppenmitgliedern und aus Interesse an den Fortschritten der "Neuen" ... dann kommt die Zeit des "Gebens" wo ich in den ersten Wochen und Monaten nur "Nehmen" konnte.

Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen die Mitglieder guter Selbsthilfegruppen miteinander. Damit solche Gruppen funktionieren und der Strom der Erfahrung, Kraft und Hoffnung nicht abreißt, sind die "Erfahrenen", die "Trockenen", die "Rückfälligen" und die "Zum-Xten-Mal-Neu-Anfänger" ebenso wie die "Zum-ersten-Mal-in-so'ne-Gruppe-Kommenden" unverzichtbar.

Glg SChlumpfine

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Odille, Donnerstag, 31.12.2009, 14:51 (vor 5867 Tagen) @ Schlumpfine

Liebe Schlumpfine,

Wer mit Hilfe einer SHG was auch immer - Alkoholismus, Co-Abhängigkeit, zwanghaftes Essen, Messie-Verhalten o.ä - überwunden hat, verdankt dies in aller Regel dem Vorbild und der Zuwendung der "trockenen" SHG-Mitglieder.

Da sind wir einer Meinung, meine Liebe.

Wenn ich selbst in einer Gruppe den Eindruck habe, dass ich nicht mehr nur aus akuter, innerer Not heraus dahingehe, sondern aus Freude am Treffen mit den anderen "alten" Gruppenmitgliedern und aus Interesse an den Fortschritten der "Neuen" ... dann kommt die Zeit des "Gebens" wo ich in den ersten Wochen und Monaten nur "Nehmen" konnte.

Auch hier mein d'accord.

ABER: mich würde es stutzig machen, wenn Leute regelmässig über Jahrzehnte hinweg ständig in der SHG teilnehmen. Wie gesagt, nur meine persönliche Meinung. Klar finde ich es schön, hin und wieder auch "alte Hasen" zu sehen - und ich selbst sehe mich als "alter Hase" z.B. hinsichtlich des Forums auch noch in der "Pflicht" (hm, falsches Wort, ich meine es eher im Sinne von Dankbarkeit, etwas zurückgeben), hier noch anwesend zu sein.

Doch sollte - so auch wiederum nur meine persönliche Meinung - sich eine gute SHG dadurch auszeichnen, dass irgendwann auch ein Leben unabhängig davon gelebt werden kann - in Freiheit. Sonst wird eine Abhängigkeit durch die nächste ersetzt. Und ich finde es gaaaaanz ganz wichtig, auch real Life - Kontakte - ausserhab der SHG aufzubauen und zu pflegen. Klar sind einige sehr schöne Freundschaften für mich auch durch dieses Forum entstanden - es war aber nie mein alleiniges Seelenheil - und ich sehe mich nicht in Abhängigkeit hiervon. Und ich glaube, das ist auch ein Stück Heilwerden - für mich ganz persönlich. Irgenwann auch "ohne" dieses Forum "ganz normal" wie jeder andere Nicht-messie auch, sein Leben im Griff zu haben. Das es nichts besonderes mehr ist, eine aufgeräumte Wohnung zu haben (jetzt ist es das noch für mich). Sondern eben normalität- meine Normalität zu leben, "einfach" aufräumen zu können. Und diesen Status quo dann auch zu halten.

Lieben Gruß, Odille

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

MarLe, Donnerstag, 31.12.2009, 17:56 (vor 5867 Tagen) @ Odille

Liebe Odille,
für mich ist eine real existente Selbsthilfegruppe und ein Web-Forum
nichts Vergleichbares.

Eine SHG hat bestimmte Zeiten, auf dieses Forum kann ich immer zugreifen.
(Ich rede nicht von Einzelpersonen oder Notsituationen, sondern von Gruppentreffen)
Das ist zum Beispiel schon ein großer Unterschied.
Ich hab noch viel mehr Unterschiede im Kopf.

Deswegen ist für mich deine Frage, so gestellt, nicht zu beantworten.

Komm gut rüber ins Neue Jahr
Marlene

Re: Selbsthilfegruppe -wie lange ist das Forum sinnvoll? *mal in die Runde frag*

Uschi @, Sonntag, 03.01.2010, 21:51 (vor 5864 Tagen) @ Odille

Hallo Odille,

ich weiß, Jede von uns, bzw. Jeder, muss den eigenen Weg aus dem Chaos finden. Du hast bestimmt auch viele Methoden ausprobiert. Mit welcher Methode hast du es denn geschafft? Vielleicht magst du es mir ja bitte schreiben?
Irgendwie ist es so, wenn der Druck groß genug ist, dann beginne ich wieder mit meinen Altlasten. Dann kann ich auch ganz gut z.B. Zeitungen aussortieren. An diesen Tagen wird von mir im Haushalt nur das Notwendigste erledigt. Nach ein paar Tagen höre ich dann wieder auf, weil ich keine Lust mehr habe, weil andere Termine mich dazu zwingen, weil dann wieder mehr im Haushalt gearbeitet werden muss. Einerseits will man seine Situation verändern, jedoch, wie überlistet man den inneren Schweinehund, der uns immer wieder davon abhält?

LG Uschi

@Uschi: meine ´ultimative Methode´ aus dem Messiesein heraus? *hmmm*

Odille, Mittwoch, 06.01.2010, 10:44 (vor 5861 Tagen) @ Uschi

Liebe Uschi,

Mit welcher Methode hast du es denn geschafft? Vielleicht magst du es mir ja bitte schreiben?

Ich hätte gerne ein "Geheimrezept", die "ultimative Methode"....aber die gab und gibt es auch bei mir nicht. Mein Ansatzpunkt war ein anderer. Denn die besten Methoden greifen auch nur, wenn man sie "anwendet" - d.h. wenn man obwohl man es "weiss" vom Kopf her wie es funktioniert immer in andere selbstschädigende Verhaltensweisen hineinfällt, nützt keine Methode. Ordnung, ein geordnetes System muss man auch innerlich annehmen können - sonst fällt man immer wieder "zurück".

Grundsätzlich ist für mich das Messie-Syndrom keine eigenständige Krankheit - sondern nur eine der vielfältigen möglichen Kompensations- bzw. Ausdrucksformen von seelischem Ungleichgewicht. Um es auf den Punkt zu bringen: ich hab mich früher einfach selbst nicht lieb gehabt. Ich bin als Kind schwerst misshandelt worden, körperlich und seelisch, als junge Frau dann vergewaltigt. Das hatte mich für eine zeitlang natürlich geprägt - durch meine Kindheit und die anschliessenden ersten Beziehungserfahrungen wurden mir die Glaubenssätze vermittelt:

"Du bist nichts wert" - "Du bist nicht liebenswert" - "Du bist alleine" - "alle wollen Dir etwas böses" - "es gibt nichts gutes in der Welt" - "Du bist ein Opfer und wirst es ewig bleiben" - "die Welt ist schlecht, böse und gemein".

Im Zuge dieser Glaubenssätze war es ja nur "folgerichtig", dass ich mich vor der Welt abgrenze, mich schütze, Nähe weit von mir weise. Und natürlich das Programm "Ich bin ein Opfer und handlungsunfähig, ich mache nicht, mit mir wird gemacht" weiter lebe. Dafür "eignet" sich das Messietum hervorragend - drückt doch nichts so sehr die mangelnde Selbstfürsorge aus, bestätigt doch fast nichts permanent ganz plastisch den eigenen Unwert und die Unfähigkeit, Handlungskompetenzen anzuwenden.

Aufräumen allein, tolle Strategien waren also bei weitem nicht der erste Schritt. Der erste Schritt war auch nicht wieder zu mir selbst zu finden - da hätte ich ja erstmal wissen müssen wer ich bin - nein - mich selbst neu zu erfinden. Was sind meine Werte? Wer bin ich? Was macht mich aus? Und mich selbst grenzen- und vor allem bedingungslos selbst liebzuhaben. Das musste ich erst lernen, wie so vieles. Aber das war und ist das allerwichtigste, darauf baut ALLES andere auf.

Wie hab ich es gelernt? Ganz klar durch eine für mich richtige Theraphieform (für mich war das weniger eine Gesprächs, sondern eine Gestalttheraphie), durch das Lesen der richtigen Bücher, Durch konsequente Routinen auch hinsichtlich Selbstliebe, Durch positives Denken und Handeln, Lachyoga, Selbsthilfegruppen (z.B. Emotions Anonymous) Es war irgendwann ein bewusste Entscheidung - ALLES dafür zu tun, um aus dieser Spirale der Unwertigkeit herauszukommen. Leicht wars nicht - ich habe den Schritt erst getan, als ich fast ein halbes Jahr lang (oder ein Jahr?) Müllmessie war, in meiner "Wohnung" nicht mehr lebte, sondern nur existierte und monatelang das einzige Tagesziel war mich nicht umzubringen. So wollte ich einfach nicht mehr leben.

Es war allerdings ein langer Weg. Den ich auch heute noch gehe, denn spurlos geht das alles nicht an einem vorbei.

Die Schritte, Methoden, die "danach" kamen - die waren vielfältig.

Das Forum, Arbeitslisten, Arbeiten nach Zeitvorgaben mit Kurtie, 5-Minuten-in-Jedem-Raum-täglich Methode - alles ist ein Schrittchen.

Ganz wichtig war für mich die "Anschaffung" einer lieben Putzfrau - mit der ich dann zusammen Ordnung "lernte" - oftmals habe ich auch einfach nur aufgeräumt, bevor sie kam - aber sie war eben auch ein gutes "Regulativ" von aussen.

Tja, ich bin mir nicht sicher, ob Du so eine Antwort haben wolltest oder ob ich Dir damit weiterhelfen konnte. Fazit für mich: es gibt nicht die ultimative Methode - oder wenn doch - dann die: ICH LIEBE MICH SELBST! und dann kann ich auch leichter Verantwortung für mich übernehmen, entscheidungen treffen, es mir schön machen. Dann brauche ich keinen Schweinehund zu überlisten. Und für alles andere wende ich NLP an - das für mich praktikabelste Mittel zur Selbstentwicklung, Strategienplanung und -Umsetzung.

Lieben Gruß, Odille

Re: @Uschi: meine ´ultimative Methode´ aus dem Messiesein heraus? *hmmm*

Wolfram, Mittwoch, 06.01.2010, 11:53 (vor 5861 Tagen) @ Odille

danke Odille,

es gibt ein Buch: liebe Dich selbst und es ist egal, wen Du heiratest.
ich hab im Laden mal reingesehen und fand das ganz gut. Habs aber dann doch nicht gekauft, weil ich gerade ein Buch gekauft habe, das jetzt auch erstmal wieder nur rumliegt.

mfg
Wolfram

@Qdille

muecke, Mittwoch, 06.01.2010, 18:32 (vor 5861 Tagen) @ Odille

Hallo Odille,

dieser Satz in deiner Antwort an Uschi:

"Und mich selbst grenzen- und vor allem bedingungslos selbst liebzuhaben"

ist für mich der Schlüssel.

Danke dafür

LG muecke

Re: @ Odille: meine ´ultimative Methode´ aus dem Messiesein heraus? *hmmm*

Uschi @, Donnerstag, 07.01.2010, 12:49 (vor 5860 Tagen) @ Odille

Liebe Odille,

zuerst einmal möchte ich dir von ganzem Herzen für deine Offenheit und Deine Zeilen danken. Deinen Beitrag werde ich bestimmt nicht zum letzten Mal gelesen haben.

In den letzten Jahren bin ich mir wie der Fußabstreifer der Familie vorgekommen. Endgültig eskaliert ist die Situation, letztes Jahr an Pfingsten, als ein Teil der Familie (mein Mann, die drei jüngeren Kinder und ich) in Urlaub war. Wir waren seit vielen Jahren nicht in Urlaub, weil mir der Stress mit der Wäsche für so viele Personen zu groß war, ich ja auch schlecht jemanden den Schlüssel für das Haus geben kann. Außerdem ist ein Urlaub ja auch immer ein Kostenfaktor. Unsere älteste Tochter (damals 25 Jahre alt, wohnte nicht mehr hier) und unser ältester Sohn (damals 19 Jahre alt) haben während meiner Abwesenheit einige Zeitungsstöße, zwischen denen auch Notizzettel und Anderes lag, zum Altpapierkontainer gebracht (ein Impfbuch könnte u.a. auch dazwischen gewesen sein, alle anderen sind an ihrem Platz). Eine Ablage mit persönlichen Notizen, Klassenarbeiten eines Sohnes und Bildern (teilweise von anderen Personen gefertigt) hat er auch weggeworfen. Außerdem haben sie die Kinderkleiderschränke ausgemistet, ohne ihre Geschwister zu fragen, OHNE mich zu fragen. Ich kam mir entmündigt vor, für mich brach eine Welt zusammen. Tagelang war ich wie gelähmt. Dies kann nicht jeder Mensch nachvollziehen.

Ihr wisst selber alle, wie es ist. Es dauerte einige Zeit, bis ich meinen Hausarzt nach einer Therapeutin frug, bis ich den Mut hatte an dieser Stelle anzurufen, usw.. Nächste Woche habe ich den ersten Termin.

Odille, wegen der NLP-Literaturliste frug ich dich, da unsere Kinder sehr redegewandt sind und ich mir manchmal auch in Diskussionen verloren vorkomme. Vielen Dank schon mal, ich werde auf deinen Beitrag achten.

Lieben Gruß zurück, Uschi

Warum schreibe ich noch hier und was hat sich verändert (war: Selbsthilfegruppe)

Kirschblüte, Mittwoch, 06.01.2010, 20:53 (vor 5861 Tagen) @ Odille

Hallo,

Was für mich persönlich die Frage aufwirft: warum schreibe ich noch hier - was hat sich verändert seit meinem "Forenbeginn" hier?

Diese Fragen finde ich richtig, richtig spannend - und viel zu schade, um hier einfach unter zu gehen.

Ich mag sie mal für mich beantworten.

Warum schreibe ich noch hier?
Ganz einfach: weil mir das Forum immer noch viel gibt. Weil ich zwar Fortschritte gemacht habe, aber mich noch auf dem WEg befinde. Weil mir hier oft GEdanken begegnen, die mich anregen und weiterbringen. Weil ich mich hier verstanden, ein Stück weit aufgehoben und zugehörig fühle. Weil ich öfters "Rückfälle" habe. Weil ich hier eine "dunkle Seite" nicht verstecken muss. (Dinge wegwerfen ist immer noch das größte Problem, obwohl ich mittlerweile zumindest vom verstand her zustimme, dass weniger Dinge weniger Chaos bedeutet)

Was hat sich verändert?
Einiges.
Es sieht oftmals sichtbar besser aus.
Ich verliere mich nicht mehr so leicht in Details, sonder bekomme leichter einen Überblick: was muss ich machen, damit es besser aussieht? (also: lieber erstmal Fußboden frei statt eine Lampe zu putzen)
Ich entwickle "Routinen", erkenne besser, welche Arbeiten wichtig sind und in welchem ABstand ich sie machen sollte.
Ich lasse mich bei "Rückschlägen" nicht mehr so leicht entmutigen. Ich WEIß, dass ich es schon geschafft habe und wieder schaffen kann. Ich fühle mich nicht mehr so hilflos dem Chaos ausgesetzt, sondern kann leichter handeln.

(Wenn ich jetzt noch mehr nachdenke, fällt mir vielleicht noch mehr ein, bzw. ich könnte es auch noch besser formulieren, aber bevor der Faden ganz weit weg gerät, schreibe ich. Ja, kein Perfektionismus, eher ins Blaue geschrieben und manchmal auch so gearbeitet)

Viele Grüße
Kirschblüte

Re: Selbsthilfegruppe

Uschi @, Mittwoch, 30.12.2009, 03:18 (vor 5869 Tagen) @ Wolfram

Hallo Wolfram,

danke für deine Erläuterungen und für deinen Link. Die Startseite war ein guter Tip. Es gibt zwar eine SHG in meiner Nähe, jedoch ohne so eine Startseite, und zuerst hat man ja auch Hemmungen, bei einer SHG überhaupt aufzutauchen. Auf dieser Seite habe ich schon ein bißerl gelesen.
Ich kann einerseits verstehen, wenn jemand wieder fern bleibt, da es ja auch immer ein Zeitproblem ist. Allerdings könnte man es vielleicht auch äußern. Es ist schwierig, weil man nicht weiß, wie schwer es dem anderen Menschen fällt.
Ich warte mal noch ab, ob noch weitere Beiträge kommen und werde mich dann entscheiden.

Vielen Dank, mfg

Uschi

Re: Selbsthilfegruppe

Wolfram, Mittwoch, 30.12.2009, 12:38 (vor 5868 Tagen) @ Uschi

Hallo Uschi,

mit dem Zeitproblem hatte ich nach kurzer Zeit in der SHG auch erst Bedenken. Dann hatte ich aber überlegt, was mache ich denn in der Zeit, die ich gewinne, wenn ich nicht zur SHG gehe. Nein, ich räume in dieser Zeit nichts weg, schmeiße nichts weg, weil sich zu dieser Zeit im Kopf noch nichts verändert hat. Darum bin ich dann weiterhin zur SHG gegangen.

mfg
Wolfram

Re: Selbsthilfegruppe

Uschi @, Sonntag, 03.01.2010, 17:24 (vor 5864 Tagen) @ Wolfram

Hallo Wolfram,

du hast wahrscheinlich Recht. Momentan muss ich verletzungsbedingt etwas pausieren, sonst laufe ich dreimal in der Woche. An den Vormittagen, an denen ich gleich morgens laufe, schaffe ich durch den damit verbundenen Zeitdruck meist genau soviel, wie an den Vormittage, an denen ich nicht laufe.
Ich werde mal danach suchen, welche SHG es noch in der Nähe gibt und wann sich diese trifft.

Grüße Uschi

@Uschi: Re: Selbsthilfegruppe

Rumpel, Montag, 04.01.2010, 02:04 (vor 5864 Tagen) @ Uschi

Hallo Wolfram,
du hast wahrscheinlich Recht. Momentan muss ich verletzungsbedingt etwas pausieren, sonst laufe ich dreimal in der Woche. An den Vormittagen, an denen ich gleich morgens laufe, schaffe ich durch den damit verbundenen Zeitdruck meist genau soviel, wie an den Vormittage, an denen ich nicht laufe.

Ich habe mit 39 mein Suchtrauchen durch Laufen ersetzt. Da ich kein Tempogefühl habe, bzw. mir alles nur langsam vorkommt, mußte ich zum Lauftreff, wenn ich eine Stunde durchhalten wollte. Der hiesige Lauftreff ist groß genug, um Distanzen zwischen 6 und 13km anzubieten, mit 1km oder 500m-Sprüngen, je nach dem wieviele Gruppenleiter da sind.
Durch den Lauftreff kam ich zweimal die Woche pünktlich aus dem Büro, denn die haben nicht auf mich gewartet. Wenns wichtig war, bin ich nachher zurück. Oft habe ich aber auch erkannt, das es besser wäre, den Abend zur Regeneration zu nutzen. Man kann zwar 14h produktiv sein, aber nicht auf längere Zeit, und nicht die vollen 14h am gleichen Projekt.
Für mich ist Laufen Abstand gewinnen, zu mir selbst finden, und den Status meiner Depression zu erkennen.Wenn ich down bin, habe ich Probleme das Tempo einer für mich einfachen Gruppe zu halten, und das kann nicht von meinen körperlichen Fähigkeiten kommen, das kommt vom Kopf.

Ich werde mal danach suchen, welche SHG es noch in der Nähe gibt und wann sich diese trifft.

Eine SHG, die ne Website hat, offensiv wirbt, wäre mir eher suspekt. Ich fand mal in einer überregionalen Zeitung eine Liste von SHGs, u.a. eine 12-Schritte-Gruppe für messies, und da bin ich dann halt mal 30km hingeradelt. Hier gibts zwar auch eine, habe ich mittlerweile erfahren, aber keine Kontakte aufgenommen.

Meine Erfahrung:
12-Schritte ist nicht unbedingt mein Ding, aber ich kann es respektieren. Richtig ist was hilft. Da ich Skeptiker bin, und eine mathematisch/naturwissenschaftliche Bildung habe, helfen mir weder Bachblüten, Homöopathie, noch Gebete.
Was ich aber in der Gruppe gelernt habe:
Ich bin bescheiden hingegangen, und habe bescheidene Leute kennengelernt, oder auch mal eine Unbescheidene, die meinte, alle Welt täte das nur ihr an, die Welt schulde ihr was. Sie hat nichts gesehen, nichts über sich gelernt.
Ich habe was über mich gelernt. Für mich steht das Motto: "jeder Ratschlag ist ein Schlag" auf dem selben Niveau wie das neoliberale Moto: "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht".
In einer 12-Schritte-Gruppe wird nicht diskutiert, nicht auf den anderen mit Argumenten eingegangen. Willst du dem anderen was geben, redest du über dich. Ne Messie-SHG ist allerdings kein Ort der Selbstbeweihräucherung, es bringt nichts zu sagen, daß du keine Probleme mit Abwaschen hast. Damals hatte ich die nicht, heute habe ich die ab und zu.
Höre den anderen zu, was sie über ihre Probleme erzählen, und erzähle irgendwann auch mal von dir selbst. Wichtig ist, daß du das Vertrauen hast, und die Erwartung respektierst, daß das in der SHG geäußerte nicht den raum verlässt.
Ich hatte noch einen Satz mehr geschrieben, und der hätte die Anonymität nicht verletzt, aber ich habe ihn aus Respekt wieder gestrichen. Ich hätte den in der SHG nicht geäußert, deswegen lasse ich ihn hier auch weg.

Läufst du nur zur Entspannung, oder auch Wettkämpfe? falls du Wettkämpfe mitmachst, läufst du auch zur Entspannung, oder nur zum Training? Ballerst du dir das Hirn mit Rythmen voll beim Laufen, oder genießt du die Natur? Jeden Tag die gleiche Strecke, oder nutzt du eine Auswahl?

Gruß Rumpel

und geh einfach mal zur SHG, höre zu, vielleicht mußt du vorm hingehen einem mitglied ein bißchen was über dich erzählen, aber das wird der/die verstehenIn einer SHG lernst du, daß du nicht alleine bist, wenn du alleine bist [image]
Du wirst lernen dich mehr zu akzeptieren. Du wirst garantiert nicht zum Cleanie werden. Du wirst mehr über dich, und andere lernen. In aller Bescheidenheit.

Re: @Uschi: Re: Selbsthilfegruppe

Uschi @, Montag, 04.01.2010, 21:22 (vor 5863 Tagen) @ Rumpel

Hallo Rumpel,

zeitweise bin ich bei einem Lauftreff mitgelaufen, dort habe ich mit walken angefangen. Als ich meine Kondition aufgebaut hatte, habe auch ich auf joggen umgestellt. Gute 10 kg habe ich dabei abgenommen. Ich kann in der Gruppe laufen, auch alleine, obwohl dies schon manchmal ein bißerl Überwindung kostet, nicht nur alleine zu laufen, sondern auch alleine 10 km bis 15 km durch den Wald. In der Zwischenzeit laufe ich meist mit festen Laufpartnerinnen und -partnern, zweimal ungefähr gute 10 km, einmal pro Woche, wenn es zeitlich klappt, dann zwischen 12 km und 16 km. Gut finde ich den Gedanken nachhängen zu können, auch der Austausch ist sehr wichtig. Der Bogen reicht vom alltäglichen Austausch, Tips, über Politik, Kunst, Religion, einfach alles, was uns gerade durch den Kopf geht. Zwei meiner Partnerinnen wissen auch von meinem großen Problem.

<font size="-1">>Für mich ist Laufen Abstand gewinnen, zu mir selbst finden, und den Status meiner Depression zu erkennen. Wenn ich down bin, habe ich Probleme das Tempo einer für mich einfachen Gruppe zu halten, und das kann nicht von meinen körperlichen Fähigkeiten kommen, das kommt vom Kopf.</font>

Ja, so geht es mir auch oft. Abstand gewinnen vom Stress von zu Hause, auftanken. Andere trinken Kaffee und unterhalten sich, wir unterhalten uns und laufen nebenher. [image]

<font size="-1">>Meine Erfahrung:

12-Schritte ist nicht unbedingt mein Ding, aber ich kann es respektieren. Richtig ist was hilft. Da ich Skeptiker bin, und eine mathematisch/naturwissenschaftliche Bildung habe, helfen mir weder Bachblüten, Homöopathie, noch Gebete.
Was ich aber in der Gruppe gelernt habe:
Ich bin bescheiden hingegangen, und habe bescheidene Leute kennengelernt, oder auch mal eine Unbescheidene, die meinte, alle Welt täte das nur ihr an, die Welt schulde ihr was. Sie hat nichts gesehen, nichts über sich gelernt.
Ich habe was über mich gelernt. Für mich steht das Motto: "jeder Ratschlag ist ein Schlag" auf dem selben Niveau wie das neoliberale Moto: "Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an jeden gedacht".
In einer 12-Schritte-Gruppe wird nicht diskutiert, nicht auf den anderen mit Argumenten eingegangen. Willst du dem anderen was geben, redest du über dich. Ne Messie-SHG ist allerdings kein Ort der Selbstbeweihräucherung, es bringt nichts zu sagen, daß du keine Probleme mit Abwaschen hast. Damals hatte ich die nicht, heute habe ich die ab und zu.
Höre den anderen zu, was sie über ihre Probleme erzählen, und erzähle irgendwann auch mal von dir selbst. Wichtig ist, daß du das Vertrauen hast, und die Erwartung respektierst, daß das in der SHG geäußerte nicht den raum verlässt.
Ich hatte noch einen Satz mehr geschrieben, und der hätte die Anonymität nicht verletzt, aber ich habe ihn aus Respekt wieder gestrichen. Ich hätte den in der SHG nicht geäußert, deswegen lasse ich ihn hier auch weg.</font>

Rumpel, ich danke Dir für deine Ausführungen, werde mich auch noch einmal mit den 12-Schritten neu befassen.
Ich verstehe einerseits, dass man keine Ratschläge geben soll. Andererseits habe ich schon erlebt, dass mir eine Freundin oder ein Freund mir Manches gesagt haben, was ich vielleicht erst viel später erkannt hätte, oder was mir gar nicht aufgefallen wäre, was ich auch in Ordnung fand.
Beruflich aus früheren Zeiten kenne ich mich mit Schweigepflicht und Anonymität aus. Nun verstehe ich es mit dem Satz nicht, den Du wieder gelöscht hast, da sprichst Du für mich in Rätseln?

<font size="-1">>Läufst du nur zur Entspannung, oder auch Wettkämpfe? falls du Wettkämpfe mitmachst, läufst du auch zur Entspannung, oder nur zum Training? Ballerst du dir das Hirn mit Rythmen voll beim Laufen, oder genießt du die Natur? Jeden Tag die gleiche Strecke, oder nutzt du eine Auswahl?</font>

Der erste Grund ist gesundheitlicher Natur, da ich durch die Seite von meinen Eltern Herzinfarkt gefährdet bin, lieber nehme ich mir jetzt Zeit, als wenn ich in der Klinik liege. Außerdem fällt es mir leichter, mein Gewicht zu halten oder wieder etwas abzunehmen, wenn ich regelmäßig laufe. Auch habe ich gespürt, dass wenn ich länger laufe, früher lief ich nur ca. 30 Minuten, jetzt laufe ich meist eine Stunde oder länger, dass ich mich sehr gut entspannen kann, Kraft schöpfen kann. Auch finde ich es gut Kondition zu haben. Die Kondition die man hat, hilft einem auch bei anderen sportlichen Tätigkeiten, wie Rad fahren.
Die anderen hatten die Idee, ob wir nicht mal bei einem Halbmarathon mitlaufen sollen. Vielleicht machen wir es dieses Jahr, aber es muss nicht sein. Wir genießen die Natur, sehen die Spuren von Wildschweinen, sehen Rotwild, bewundern, wie sich die Natur verändert. Wir haben verschiedenen Strecken, die man auch spontan verlängern oder verkürzen kann. Strecken, die bei Hitze mehr im Schatten liegen, und auch solche, die bei Kälte sonniger sind. Jedoch habe ich auch eine Lieblingsstrecke, bei der es erstmal bergauf geht, gutes Herz-Kreislauf-Training.

Du läufst zweimal in der Woche. Wie lange und wie weit? Läufst Du immer die gleiche Strecke, oder wechselst Du auch ab? Wie hälst Du es?

und geh einfach mal zur SHG, höre zu, vielleicht mußt du vorm hingehen einem mitglied ein bißchen was über dich erzählen, aber das wird der/die verstehen>In einer SHG lernst du, daß du nicht alleine bist, wenn du alleine bist [image]
Du wirst lernen dich mehr zu akzeptieren. Du wirst garantiert nicht zum Cleanie werden. Du wirst mehr über dich, und andere lernen. In aller Bescheidenheit.

Bei mir ist der Druck auch von meiner Familie sehr groß. Deswegen möchte ich einen neuen Versuch starten, jedoch habe ich auch Hemmungen. Wer von uns hat die nicht?

Viele Grüße [image] Uschi

Re: @Uschi: Re: Selbsthilfegruppe

Wolfram, Montag, 04.01.2010, 21:51 (vor 5863 Tagen) @ Uschi

Hallo Uschi,

warum ist der Druck von der Familie so groß? Bist Du da von jemanden abhängig? Besteht eine Möglichkeit, diese Abhängigkeit zu beseitigen, auch wenn sie nur emotional ist?

mfg
Wolfram

Re: @Uschi: Re: Selbsthilfegruppe

Uschi @, Dienstag, 05.01.2010, 18:19 (vor 5862 Tagen) @ Wolfram

Hallo Wolfram,

vier von fünf Kindern wohnen noch zu Hause. Die großen Kinder (mit 20, 17 und 14 Jahren) machen in letzter Zeit ziemlich Druck. Manchmal denke ich, wenn ich nicht laufen gehen würde, wäre ich schon zusammen gebrochen. Manchmal fühle ich mich richtig ausgebrannt. Ein gewisser Druck ist ja manchmal ganz hilfreich.

Grüße Uschi

Re: @Uschi: Re: Selbsthilfegruppe

Wolfram, Mittwoch, 06.01.2010, 08:43 (vor 5861 Tagen) @ Uschi

Hallo Wolfram,
vier von fünf Kindern wohnen noch zu Hause. Die großen Kinder (mit 20, 17 und 14 Jahren) machen in letzter Zeit ziemlich Druck. Manchmal denke ich, wenn ich nicht laufen gehen würde, wäre ich schon zusammen gebrochen. Manchmal fühle ich mich richtig ausgebrannt. Ein gewisser Druck ist ja manchmal ganz hilfreich.
Grüße Uschi

Hallo Uschi,

das kommt darauf an, wer den Druck macht und wie der aussieht. Da mußt Du aufpassen. Der 20 jährige ist erwachsen im gesetzl. Sinne. Der hat Dir überhaupt keinen Druck zu machen. Bei den 14, 17 jährigen sollte das nur als Hinweis formuliert werden. z.B. wann gibt es Essen oder was soll ich anziehen. Dann ist das ein leichter Druck. Jeder Druck, der von Dir selber kommt, den solltest Du so bekämpfen gedanklich, daß es nicht mehr zum Druck kommt.

mfg
Wolfram

Re: @Wolfram: Re: Selbsthilfegruppe

Uschi @, Donnerstag, 07.01.2010, 11:23 (vor 5860 Tagen) @ Wolfram

Hallo Wolfram,

es ist nicht ganz einfach, ich versuche es 'mal zu erklären. Da es für meine Verhältnisse zu unordentlich ausschaut, versuche ich natürlich auch, dass unsere Kinder mit ihren Freunden möglichst viel draußen spielen und nicht im Haus. Vielleicht hast du ja Recht, dass es mein Druck ist, mein Perfektionismus, der mich auf einer Seite auch lähmt - hindert diese Unordnung Stück für Stück zu beseitigen. Danke für den Anstoß, werde darüber weiter nachdenken.

Grüßle Uschi

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Re: Selbsthilfegruppe

Micha @, Mittwoch, 30.12.2009, 14:59 (vor 5868 Tagen) @ Uschi

Hallo Uschi !

ich habe hier schon länger nicht mehr geschrieben.

Finde ich um so schöner , das du dich wieder mal zu Wort meldest .

Nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich überlege,
ob eine Selbsthilfegruppe mir helfen würde oder nicht.

Da fließen viele verschiedene "Zutaten" zusammen :
Gibt es schon eine Gruppe in einer dir erreichbaren Nähe ?
Oder wüßtest du auch "zur Not" selber eine "aufbauen" wollen ?

Vielleicht gibt es ja auch mehrere , unterschiedliche SHG-Möglichkeiten .
Den nicht alle Gruppen arbeiten nach den selben Methoden bzw. Regeln .
Außerdem kann es sein , das du zu den Menschen in der einen Gruppe
keinen guten Zugang findest , weil der/die eine dir nicht liegt .

Wie sind denn Eure Erfahrungen? Wer mag mir berichten?

Ich habe früher eine reale SHG besucht , dann das Forum gefunden .
Und hier ergab es sich dann auch , das wir "virtuelle Treffen" machten .

Bei der SHG funkte mir dann meine Arbeitzeit dazwischen die virtuellen Treffen waren dann lange ein guter Ersatz .
Achja , ich hatte auch mal eine Clutter-Buddy .
Jetzt habe ich noch das Forum und ...

Ja , so ganz langsam entwirren sich die "alten Verhaltenweisen" Ich bekomme sie - mal länger , mal kürzer - durch anderes Verhalten ersetzt .

Ja , ich kann sagen , ich befinde mich auf dem Weg ... ja , ich gehe eine Straße entlang

[image] ~ Micha

Re: Selbsthilfegruppe

Uschi @, Sonntag, 03.01.2010, 16:49 (vor 5864 Tagen) @ Micha

Hallo Micha!

<font size="-2">ich habe hier schon länger nicht mehr geschrieben.</font>

<font size="-1">Finde ich um so schöner , das du dich wieder mal zu Wort meldest .</font>

Eine ganze Weile habe ich hier weder gelesen noch geschrieben. Es ist schön, und dies gilt nicht nur für dich, hier Beiträge von vertrauten Menschen und auch von neuen Menschen zu lesen, die mit dem gleichen (oder heißt es selben?) Problem kämpfen, wie man selbst.

<font size="-1">Da fließen viele verschiedene "Zutaten" zusammen :
Gibt es schon eine Gruppe in einer dir erreichbaren Nähe ?
Oder wüßtest du auch "zur Not" selber eine "aufbauen" wollen ?
Vielleicht gibt es ja auch mehrere , unterschiedliche SHG-Möglichkeiten .
Den nicht alle Gruppen arbeiten nach den selben Methoden bzw. Regeln .
Außerdem kann es sein , das du zu den Menschen in der einen Gruppe
keinen guten Zugang findest , weil der/die eine dir nicht liegt .</font>

<font size="-2">Wie sind denn Eure Erfahrungen? Wer mag mir berichten?</font>

Es gibt eine Selbsthilfegruppe, nur liegt der Termin sehr ungünstig. Einerseits hat man natürlich Hemmungen dort hinzugehen, andererseits ist es auch noch mal zeitaufwendig.

<font size="-1">Ich habe früher eine reale SHG besucht , dann das Forum gefunden .
Und hier ergab es sich dann auch , das wir "virtuelle Treffen" machten .
Bei der SHG funkte mir dann meine Arbeitzeit dazwischen >die virtuellen Treffen waren dann lange ein guter Ersatz .</font>

Meinst du hier den Chat damit?

<font size="-1">Achja , ich hatte auch mal eine Clutter-Buddy .
Jetzt habe ich noch das Forum und ...
Ja , so ganz langsam entwirren sich die "alten Verhaltenweisen" >Ich bekomme sie - mal länger , mal kürzer - durch anderes Verhalten ersetzt .</font>

Was meinst du bitte mit Clutter-Buddy?

Es ist komisch, wenn ich Termine habe, bekomme ich die alltägliche Hausarbeit ganz gut auf die Reihe. Chaos, meine Altlasten und immer wieder das Suchen von wichtigen Zetteln, schlecht etwas wegwerfen können (nicht Müll), sind mein größtes Problem. Einerseits möchte ich es ändern, doch oft verzettele ich mich.

<font size="-1">Ja , ich kann sagen , ich befinde mich auf dem Weg ... ja , ich gehe eine Straße entlang</font>

Vielen Dank für deine Antwort und das schöne Gedicht!

Grüßle Uschi

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Re: Selbsthilfe

Micha @, Montag, 04.01.2010, 19:02 (vor 5863 Tagen) @ Uschi

Hallo Uschi !

Ich habe früher eine reale SHG besucht , dann das Forum gefunden .
Und hier ergab es sich dann auch , das wir "virtuelle Treffen" machten .
Bei der SHG funkte mir dann meine Arbeitzeit dazwischen >>die virtuellen Treffen waren dann lange ein guter Ersatz .

Meinst du hier den Chat damit?

Nein , es war in einem "geschlossenem Raum" in einem anderen Chat .

Achja , ich hatte auch mal eine Clutter-Buddy .
Jetzt habe ich noch das Forum und ...
Ja , so ganz langsam entwirren sich die "alten Verhaltenweisen" >>Ich bekomme sie - mal länger , mal kürzer - durch anderes Verhalten ersetzt .

Was meinst du bitte mit Clutter-Buddy?

Ein "Aufräum-Kumpel" ist jemand , mit dem man sich abwechselnd trifft :
Einmal bei sich , einmal bei der Person , um dann zusammen aufzuräumen .

Es gibt den Tipp , das man keine Familienangehörige(n) dafür nimmt ,
sondern besser jemand der auch das selbe Problem mit Ordnung halten hat .

Es ist komisch, wenn ich Termine habe, bekomme ich die alltägliche Hausarbeit ganz gut auf die Reihe.

Hey , das ist doch gut ! Hier schrieben einige , das es Ihnen z.B. hilft regelmässig Besuch einzuladen .

Chaos, meine Altlasten und immer wieder das Suchen von wichtigen Zetteln,
schlecht etwas wegwerfen können (nicht Müll), sind mein größtes Problem.

Oh , das sind ja eigentlich "mehrere" Baustellen die du da ansprichst .

Einerseits möchte ich es ändern, doch oft verzettele ich mich.

Das verstehe ich jetzt nicht so ganz .

[image] ~ Micha

Re: Selbsthilfe

Uschi @, Dienstag, 05.01.2010, 17:48 (vor 5862 Tagen) @ Micha

Hallo Micha!

<font size="-1">>>>Achja , ich hatte auch mal eine Clutter-Buddy .

Jetzt habe ich noch das Forum und ...
Ja , so ganz langsam entwirren sich die "alten Verhaltenweisen" >>>Ich bekomme sie - mal länger , mal kürzer - durch anderes Verhalten ersetzt .

Was meinst du bitte mit Clutter-Buddy?

Ein "Aufräum-Kumpel" ist jemand , mit dem man sich abwechselnd trifft :
Einmal bei sich , einmal bei der Person , um dann zusammen aufzuräumen .
Es gibt den Tipp , das man keine Familienangehörige(n) dafür nimmt ,
sondern besser jemand der auch das selbe Problem mit Ordnung halten hat .</font>

Dankeschön, für die Aufklärung.

<font size="-1">>>Es ist komisch, wenn ich Termine habe, bekomme ich die alltägliche Hausarbeit ganz gut auf die Reihe.

Hey , das ist doch gut ! Hier schrieben einige , das es Ihnen z.B. hilft regelmässig Besuch einzuladen .

Chaos, meine Altlasten und immer wieder das Suchen von wichtigen Zetteln,
schlecht etwas wegwerfen können (nicht Müll), sind mein größtes Problem.

Oh , das sind ja eigentlich "mehrere" Baustellen die du da ansprichst .

Einerseits möchte ich es ändern, doch oft verzettele ich mich.

Das verstehe ich jetzt nicht so ganz .</font>

Meist mache ich zwei Dinge gleichzeitig, manchmal auch drei, dann läutet auch noch das Telephon.
Bis dann die Kinder kommen, oder ich kochen muss, habe ich von zwei Sachen eine Teil erledigt, jedoch schlecht ein Ding zu Ende gebracht.
Weißt du jetzt, wie ich es meine? Oder was verstehst du nicht?

Grüße [image] Uschi

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