Umfrage (off topic?): Was löst bei Euch diese Formulierung aus? (Allgemein)

Odille, Dienstag, 05.08.2008, 19:40 (vor 6362 Tagen)

Hei,

ich schrieb gerade einer Freundin (die das meines Erachtens öfters sagt/schreibt) privat etwas dazu und möchte darüberhinaus mal komplett unkommentiert von meinen Gedanken (vielleich später) in die Runde fragen, was der Satz / die Redewendung:

<font size=7>"um des lieben Frieden willen"</font>

bei Euch auslöst bzw. womit ihr das verbindet? Ist es eher positiv oder eher negativ für Euch besetzt und warum?

LG, Odille [image]

Re: Umfrage (off topic?): Was löst bei Euch diese Formulierung aus?

Paladin, Dienstag, 05.08.2008, 20:52 (vor 6362 Tagen) @ Odille

Moin Odille,

eher negativ. Du stimmst ja Dingen zu, die du eigentlich nicht willst
Analog dazu sehe ich den Spruch &#8222Der Klügere gibt nach&#8221
Ob das wirklich klug ist?

LG vom Paladin

der Klügere gibt nach - und wird dabei zum dümmeren? (off topic)

Odille, Dienstag, 05.08.2008, 21:28 (vor 6362 Tagen) @ Paladin

Moin Paladin,

genauso gehts mir auch. "Die / der Klügere gibt nach" passt da - für mich - ebenso in ein eher unangenehmes Gefühl rein.

Bei Recherchen fand ich mal diesen Text dazu:

<font color=blue>Das Wort »Friede« wird in unserer

Sprache recht unterschiedlich verwendet.

Viele kennen den Satz »um des lieben

Friedens« willen und ähnliche

Wendungen aus eigener Erfahrung.

Gerade Frauen sind oft noch so erzogen,

»um des lieben Friedens willen«

nachzugeben, sich nicht einzumischen,

eigene Ansprüche unter den

Tisch fallen zu lassen. Rechte, Gerechtigkeit

einzufordern, ist für uns vielleicht

eher negativ besetzt. Manche

Konflikte werden damit vom Tisch gewischt,

ohne wirklich bereinigt zu

werden. Manche Ungerechtigkeit

bleibt so bestehen; das Nachgeben

hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack,

der zur Wurzel neuer Konflikte

werden kann.

Manchmal kann Frieden erst wirklich

entstehen , wenn sich etwas ändert
</font>

Das trifft in etwa, was ich darüber denke. (Und gilt sicherlich auch für Männer genauso)

LG, Odille [image]

ps: man sollte sich hierbei natürlich vor Pauschnalurteilen fernhalten. Mir geht es bei dieser Diskussion ja auch nicht darum, was "richtig" oder "falsch" ist, sondern um die unterschiedlichen Sichtweisen und den Glaubensmustern, die dahinter stehen. Vielleicht schreibt ja auch noch jemand, der solche Sätze durchweg als positiv empfindet und erläutert, warum er das tut.

die klügere gibt nicht mehr nach (off topic) - Buchtipp

Odille, Dienstag, 05.08.2008, 21:35 (vor 6362 Tagen) @ Odille

Re: Umfrage (off topic?): Was löst bei Euch diese Formulierung aus?

Sternenfee, Dienstag, 05.08.2008, 22:26 (vor 6362 Tagen) @ Odille

Hallo Odille,
Deine Frage fand ich jetzt unglaublich spannend, denn meine erste Reaktion war auch spontan negativ. „Ich geb doch nicht nach wenn ich Recht hab!“

Ganz schön trotzig.

Merkwürdigerweise habe ich erst deutlich später daran gedacht, dass es auch heißt, einer Situation mit dieser Formulierung aus dem Weg zu gehen und sich unter diesem Deckmäntelchen nicht auseinandersetzen zu müssen. Sicher hatte ich auch schon das Erlebnis, das mich mein Gegenüber mit diesem Satz am ausgestreckten Arm hat verhungern lassen. Vornehmlich dann, wenn ich gerade so richtig warm gelaufen war. Doch habe ich diese Haltung nie als Schwäche wahrgenommen, denn eine Sache „Um des lieben Frieden willen“ auf sich beruhen zu lassen ist eine Stärke, die ich gerne noch öfter hätte. Ich bin nicht gut im nachgeben.

Ich bin nicht schwach, nur weil ich nachgebe. Ich habe meine Oma vor Augen, die oft „um des lieben Friedens willen“ nachgegeben hat und nur auf ihrem Recht oder Anweisung bestand, wenn es wirklich wichtig war. Nicht alles hat den gleichen Stellenwert, selbst wenn es auf dem gleichen Haufen liegt. Es gehört die Fähigkeit dazu, wichtig von unwichtig zu unerscheiden um sich nicht in Prinzipienreiterei oder bloßer Sturheit zu verlieren.
Es gibt Dinge, die sind es nicht wert. Bedeutet auch: Es ist nicht wichtig. Einzusehen, dass der „Gewinn“ in dieser Situation in keinem Verhältnis zur nötigen Energie (oder meinen Nerven) steht, die ich aufwenden muss um eine Situation bis zum Ende und bis aufs Blut zu klären und sei es um den Preis des „Friedens“.
Ich gebe meine Position nicht auf, sondern gebe mit diesem Wissen nach. Eine Stärke, weil ich damit meinen Gegenüber in einer stärkeren Position belasse als wenn ich mich und mein Anliegen durchsetzen würde. Denn dann ist weiterhin Kommunikation möglich.
Nein, dieser Satz, wenn auch nicht im ersten Augenblick, hat für mich schon etwas Positives, bzw. eher etwas Erstrebenswertes. *Ommm*

Gruß,
Sternenfee
*die jetzt vermutlich etwas wirr war, aber so schnell die Gedanken nicht sortieren konnte*

Hei,
ich schrieb gerade einer Freundin (die das meines Erachtens öfters sagt/schreibt) privat etwas dazu und möchte darüberhinaus mal komplett unkommentiert von meinen Gedanken (vielleich später) in die Runde fragen, was der Satz / die Redewendung:
<font size=7>"um des lieben Frieden willen"</font>
bei Euch auslöst bzw. womit ihr das verbindet? Ist es eher positiv oder eher negativ für Euch besetzt und warum?
LG, Odille [image]

Re: Umfrage (off topic?): Was löst bei Euch diese Formulierung aus?

SAM, Dienstag, 05.08.2008, 23:24 (vor 6362 Tagen) @ Odille

Hi Odille!

Positiv oder negativ? Tja, ist gar nicht so einfach.

Spontan hat mich das an meine Kindheit bzw. Jugendzeit erinnert.
Ich habe das Verhalten meiner Mutter meinem Vater gegenüber oft nicht verstanden.
Sie sagte dann: " Na und? Wenn dein Vater sagt, die Wiese ist blau, dann IST sie eben blau. Er hat Recht und ich hab meine Ruhe!"

Grundsätzlich widerstrebt mir das, und ich möchte auch nicht damit leben.

Aber: Meine Eltern sind inzwischen seit 53 Jahren glücklich verheiratet, sie lieben sich noch immer und halten immer noch Händchen.
Und meine Mutter ist bei weitem kein kusches Hausmütterchen, auch wenn sie nie berufstätig war.

Ich denke, es kommt auf die Situation, die Beziehung und den Zusammenhang an, in der/dem so agiert wird.

Vielleicht ist es manchmal gar nicht verkehrt, im "Kleinen" nachzugeben bzw. wegen Kleinigkeiten keine Auseinandersetzung anzufangen, solange der große Rahmen "stimmt". Energiesparend ist es sicher![image]

Liebe Grüße,

SAM

Re: Umfrage (off topic?): Antwort: Willst du recht behalten oder glücklich sein?

Eva, Mittwoch, 06.08.2008, 08:27 (vor 6362 Tagen) @ Odille

[image]

Guten Morgen Odille,

während die Brötchen im Backofen backen, schaue ich hier rein und spontan fiel mir dieser Spruch von Marshall Rosenberg ein:

http://www.junfermann.de/images/products/poster.jpg

Auch diesen Link fand ich dazu:
http://www.lifebalance-online.de/modules.php?name=News&file=article&sid=29.

Diese Antworten fand ich hier: http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20080517123858AAeSY1w

Wenn mir dieser Satz "Um des lieben Frieden willen" gesagt würde, dann hätte ich das Gefühl, dass derjenige zwar im Augenblick nachgibt, aber immer noch der Meinung ist, dass er im Recht ist.

LG Eva - Dir, mir und allen Anderen einen wundervollen Tag wünschend [image]

um des lieben friedens willen - nachgeben muss man nur bei Egomanen ? (off topic

Odille, Mittwoch, 06.08.2008, 09:37 (vor 6362 Tagen) @ Eva

Guten Morgen, liebe Eva!

Den Spruch kenne ich auch. Mir ging es aber nicht nur grundsätzlich um "Diskussionen" sondern eben auch um Entscheidungen.

So fährt eine Freundin von mir schon seit Jahren in ihrem einzigen Urlaub, den sie sich jährlich leisten kann, in die ihr völlig verhassten Berge zum wandern. Sie hasst Berge, liebt das Meer und sie hasst wandern. Sie lässt sich immer wieder - wenn es um die Entscheidung geht, wohin es in Urlaub geht, von ihrem Mann breitschlagen in die Berge zu fahren - "um des lieben Frieden willen" sagt sie, weil er sonst ständig im Urlaub herumnörgeln würde.

Ist sie damit glücklich? Ne, nicht wirklich.

Insofern - hm - ich kann das für mich nicht so pauschal werten. Es hat für mich etwas von schönreden, was nicht schön ist: seine Bedürfnisse hintenan stellen. Klar macht man auch mal Kompromisse oder ein quid pro quo.

Auf manche Sachen / Diskussionen geb ich auch dann keine Energie mehr, ist klar. Aber wirklich gute Freundschaften und Beziehungen hab ich mit den Menschen, wo ich nie gewzungen war - "um des lieben frieden willen" nachzugeben und dies auch nicht von ihnen verlange. Wir reden über unsere - manchmal unterschiedlichen Wünsche - alles ist gleich wichtig und dann fällt es mir auch nicht schwer, dem anderen zu liebe einen weg zu gehen, den ich jetzt nicht gegangen wäre. Oder anders ausgedrückt - bei "um des lieben frieden willens" geht es oft um Diskussionen mit Menschen, die sehr egozentriert handeln und reden. Man gibt keine Energie drauf, weil das zetern und zerren von dieser Person, wenn sie nicht ihren willen kriegt, mehr Energie kosten würde. Ich frag mich dann lieber immer: ist das die richtige Person für den Umgang mit mir? Ist das ein Freund/eine Freundin? Will ich überhaupt noch den Kontakt?

LG, Odille [image]

Re: OT: um des lieben friedens willen - alle Beteiligte sich verstanden fühlen

Eva, Mittwoch, 06.08.2008, 10:23 (vor 6362 Tagen) @ Odille

Guten Morgen, liebe Odille!

Den Spruch kenne ich auch. Mir ging es aber nicht nur grundsätzlich um "Diskussionen" sondern eben auch um Entscheidungen.
So fährt eine Freundin von mir schon seit Jahren in ihrem einzigen Urlaub, den sie sich jährlich leisten kann, in die ihr völlig verhassten Berge zum wandern. Sie hasst Berge, liebt das Meer und sie hasst wandern. Sie lässt sich immer wieder - wenn es um die Entscheidung geht, wohin es in Urlaub geht, von ihrem Mann breitschlagen in die Berge zu fahren - "um des lieben Frieden willen" sagt sie, weil er sonst ständig im Urlaub herumnörgeln würde.
Ist sie damit glücklich? Ne, nicht wirklich.

Genau das gleiche Beispiel gab vor Jahren Marshall Rosenberg - http://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_Rosenberg selbst, als er im geplanten Urlaub lieber in die Berge und seine Freundin lieber ans Meer wollte. Er vertraute darauf, dass es eine Lösung gab, dass beiderlei Bedürfnisse berücksichtigt würden.

Bei einem anderen Seminar mit ihm hatte ich ein Aha-Erlebnis bei dem Satz, dass es nicht mehr wichtig war, das, was ich wollte um-/durchzusetzen. Es reicht, sich vom Anderen verstanden zu fühlen. http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation - daraus:

Die GfK argumentiert hier wie folgt: Die Wahl der erfolgreichsten Strategie sei nur dann gewährleistet, wenn alle Beteiligten sich verstanden fühlen. Dominanzbestrebungen werden in der GfK einbezogen. Allerdings werden sie – und das macht den Unterschied zur alltäglichen Kommunikation – nicht als eigentliche Botschaft aufgefasst, sondern als Signal für eine dahinter liegende Mitteilung [1]. Gleiches gilt für den bewussten Umgang mit historisch gewachsene Konflikten, gegebenen Werte- und Machtordungen oder den Möglichkeiten der Beteiligten: Sie sollten für eine funktionierende Kommunikation in das Gespräch integriert werden. Allerdings immer gebunden an das Bedürfnis des Einzelnen (z. B. gegenüber einem Vorgesetzten: „Sie haben sich für die von Ihnen favorisierte Lösung entschieden, obwohl ich Bedenken dagegen geäußert habe. Ich merke, dass mir das ein Gefühl von Ohnmacht gibt, weil mir wichtig ist, dass Ideen der Mitarbeiter ernst genommen werden. Wären Sie bereit, mir zu sagen, was Sie an meiner Idee nicht sinnvoll fanden?“)

Insofern - hm - ich kann das für mich nicht so pauschal werten. Es hat für mich etwas von schönreden, was nicht schön ist: seine Bedürfnisse hintenan stellen. Klar macht man auch mal Kompromisse oder ein quid pro quo.
Auf manche Sachen / Diskussionen geb ich auch dann keine Energie mehr, ist klar. Aber wirklich gute Freundschaften und Beziehungen hab ich mit den Menschen, wo ich nie gewzungen war - "um des lieben frieden willen" nachzugeben und dies auch nicht von ihnen verlange. Wir reden über unsere - manchmal unterschiedlichen Wünsche - alles ist gleich wichtig und dann fällt es mir auch nicht schwer, dem anderen zu liebe einen weg zu gehen, den ich jetzt nicht gegangen wäre. Oder anders ausgedrückt - bei "um des lieben frieden willens" geht es oft um Diskussionen mit Menschen, die sehr egozentriert handeln und reden. Man gibt keine Energie drauf, weil das zetern und zerren von dieser Person, wenn sie nicht ihren willen kriegt, mehr Energie kosten würde. Ich frag mich dann lieber immer: ist das die richtige Person für den Umgang mit mir? Ist das ein Freund/eine Freundin? Will ich überhaupt noch den Kontakt?

Das kann ich verstehen.

LG Eva [image]

Re: Umfrage (off topic?): Was löst bei Euch diese Formulierung aus?

Rumpel, Mittwoch, 06.08.2008, 13:15 (vor 6362 Tagen) @ Odille

<font size=7>"um des lieben Frieden willen"</font>
bei Euch auslöst bzw. womit ihr das verbindet?

Es ist unversöhnliches Nachgeben, Tyrannei im Gewande der Sanftmut. Ich ziehe da die Formulierung
<font size=7>"Du hast Recht und ich meine Ruh'"</font>
vor, die drückt den Stand der Dinge klarer aus.
Ich finde "um des lieben Frieden willen" negativ, damit werden Sachen unter den Teppich gekehrt, statt zur Klärung ans Licht gezogen zu werden.

Rumpel

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