von Pontius Staubsaugus zu Pilatus (Allgemein)

Astarte, Mittwoch, 20.08.2008, 13:13 (vor 6349 Tagen)

Habe eben das erste Mal hier (in der neuen Wohnung) richtig gesaugt. Es nahm 18 min in Anspruch OHNE das Kinderzimmer, das gestern schon dran war. Man kann also mit gut 25 min rechnen. (circa 80 qm²)

Obwohl ich eigentlich voller Tatendrang bin, gleich anschließenden putzen sollte, stelle ich nach dem Spülen die Arbeiten wieder ein.

Grund? Neben einem sehr schmerzenden, dicken Knie all die negativen Gedanken, die ich mir während den 18 min Staubsaugen machte.

Es sind keine "neuen" Gedanken, sondern sie haben sich schon bereits in der alten Wohnung eingeprägt: Dass Beruf und Haushalt unmöglich miteinander kombinierbar sind. Und dann immer noch diese Mann-Frau-Klischees. Für Frauen und/oder Mütter ist der Haushaltsdruck zig mal höher als für Männer.

Ich denke also zurück an meine alte Wohnung. Ca. 10 bis 11 Stunden war ich am Tag mit der Uni beschäftigt, konzentriertes geistiges Arbeiten und Laborarbeit. Schließt natürlich die Anfahrtswege, Umwege zur Schule und Hort etc. mit ein. Dann Abendessen. Vielleicht noch zuvor ein schneller Einkauf. Danach war tote Hose. Verständlicherweise, oder nicht? Dann kamen natürlich noch jede Menge Sorgen dazu. Ein Student hat kein Feierabend, muss ständig organisieren, steht unter Druck. Finanzsorgen. Sorgen mit dem Kind. Sorgen mit dem persönlichkeitsgestörten Messi-Gemahl. Und die Wohnung erst!

Folge: Wenigstens schaffte ich es irgendwann jeden Samstag 2 bis 3 Stunden liegengebliebenden Haushalt zu machen. Das reicht natürlich nicht, wenn man a) ein kleines Kind hat und b) unter Woche gar nichts hinkriegt.

Rechnen wir es mal durch: 25 min für reines Staubsaugen. Vorher muss erst mal der Boden freigeräumt werden. Putzen dauert dann auch noch mal ne Stunde. Und dann ist meist die Luft schon rausgewesen. Gerade mal noch spülen, was meist auch 1 Stunde dauerte (zu viel liegen geblieben). Und der Wocheneinkauf dauerte meist auch 2 bis 3 Stunden mit allem drum und dran. Von der Wäsche will ich gar nicht reden. Es reicht einfach nicht aus!

Wie bitte schön hätte ich denn so jemals einen ordentlichen Haushalt führen sollen?! Ich halte mittlerweile diese Bedingungen, denen ich jahrelang ausgesetzt war, für unmenschlich!

Ich vergliech dann mit zwei Freundinen, die es nicht ganz so hart getroffen haben, aber auch berufstätig sind. Auch da bleibt meist nur am Samstag Zeit, und dort wird dann nur das wichtigste gemacht, so wie ich schrieb. Eine Woche später ist aber eh alles schon wieder genau wie zuvor. Und hier gab es noch nicht mal Kind, auch nicht all die anderen Sorgen, die ich hatte.

Ich bin der festen Meinung, dass es für "alleinerziehende, berufstätige Mütter" nicht funkionieren kann OHNE dass man psychische Schäden nimmt. Dann kommen eben meist noch andere Sorgen hinzu, und die Depression und Resignation bleibt langfristig nicht aus.

Dieses ganze System hat schwerwiegende Fehler! Bei so einer Politik wird mir mittlerweile speiübel! Und auch wie es sich bereits in den Köpfen der Menschen verankert hat. Die Erwartungen und Ansprüche, die unser lieben Mitmenschen haben.

An meinem Beispiel: Meine Studienkollegen bewunderten mich alle, wie ich das alles nur meistere. Das Kompliment hinterließ einen bitteren Beigeschmack, denn ich sah überhaupt gar nicht, dass ich es schaffte, sondern mir war bewußt, wie kaputt ich daran gehe. Aber was meint ihr wie oft ich von Nicht-Studierten ins Gesicht gesagt bekam: "Ich kenne eine, die hat auch mit Kind studiert! Stell Dich nicht so an! Du bist nur faul!" Arrgh! Da weiß man gar nicht wohin mir der Wut.

Oder dann die Meinungen von getrennt-lebenden Väter, bei denen mir ebenfalls regelmässig schlecht wird. Regen sich über den Kindesunterhalt auf, der nicht mal die Warmiete des Kinderzimmers deckt, machen gerne noch die Ex fertig, genießen ansonsten ihr Leben und ihre Freiheiten, nur um sich dann alle 2 Wochen bei Spielstunden als "lieber Papa" aufzuspielen. Aber mei, das ist normal so. Das ist normale Härte. Die Frauen dulden, die Männer klagen über das Geld und beweihräuchern sich selbst, und jeder, der nicht selbst in der Situation sieht, findet das auch völlig normal und gerechtfertig!

Und vieles mehr. Nun ja, ich hab nun aufgegeben. Kurz vor Ende. Hab die (vor ein paar Wochen) erwähnte Überweisung einfach nicht gemacht, d.h. mich nicht zurückgemeldet, d.h. ich bin nun exmatrikuliert. Studium wird abgebrochen. Kurz vor dem Ziel. Mit vielen Schulden. Nicht nur wegen der Problematik mit dem Gemahl, sondern weil einfach IRRSINN und UNMENSCHLICH ist, und ich echt keine Kraft mehr habe. Als ich die Rechnung nicht bezahlte, merkte ich mit der Zeit, dass eigentlich die Erleichterung überwog. Dafür aber hänge ich nun völlig in der Luft, hab keine Ahnung wie es weitergehen soll.

Tja, so viel dazu, was einem bei 18 min Staubsaugen so durch den Kopf geht, und den Tatendrang gleich sofort wieder im Keim erstickt.

Astarte

Missing Link : ´´mal schnell saugen!´´

Astarte, Mittwoch, 20.08.2008, 13:20 (vor 6349 Tagen) @ Astarte

Sorry, wie leider nur allzu gerne lasse ich den wichtigsten Gedankengang, der alles miteinander verbindet als Selbstverständlichkeit wieder aussen vor. Hier also der "missing link" zum obigen Text:

"Was ist denn schon dabei? Dann saug mal halt man schnell durch, und gleich ist es besser."

Welch ignoranter Spruch!

Ist nichts mit "schnell durchsaugen". Erst muss alles was so auf dem Boden rumliegt wegräumen. Das ist viel, wenn man ein Kind hat und die Woche über gar nichts machen kann. Dann kommen noch all die anderen Sachen, die liegen geblieben sind. Mit Saugen und Putzen darf man schon mal mit 2 Stunden rechnen, die meist ohnehin schon im Zeitplan fehlen.

"mal schnell saugen" ist nicht. Nur wenn alles andere perfekt ist. Und alles andere ist eben nur sehr selten perfekt!

Und ich glaube, da bin ich nicht die Einzige.

Astarte

Re: von Pontius Staubsaugus zu Pilatus

Helga-Maria, Mittwoch, 20.08.2008, 18:41 (vor 6348 Tagen) @ Astarte

Liebe Astarte,

dass deine Erleichterung überwog, kann ich gut nachvollziehen, denn deine Situation war in der Tat unmenschlich. Lass dich einfach umarmen, wie's weitergeht wird sich finden.

Liebe Grüße,

Helga-Maria

PS: Erzähl möglichst wenigen von deinem Abbruch, sonst ernstest du noch Vorwürfe in unserer "scheingeilen" Gesellschaft!

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Re: von Pontius Staubsaugus zu Pilatus

Micha @, Mittwoch, 20.08.2008, 20:00 (vor 6348 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte !

Habe eben das erste Mal ... in der neuen Wohnung ... gesaugt ...
Tja, so viel dazu, was einem bei 18 min Staubsaugen so durch den
Kopf geht, und den Tatendrang gleich sofort wieder im Keim erstickt.

Manchmal , wenn nicht die Zeit / Lust zum "Möbel schieben und Co" vorhanden ist ,
sauge ich nur die freien Flächen an die ich mit dem Staubsauger einfach so gut rankomme .

Ist besser als nicht gesaugt ...
und da wo etwas drauf steht / liegt ,
kann ja auch keine Staub hingekommen sein .

[image] ~ Micha

Re: von Pontius Staubsaugus zu Pilatus

Lisa Suisse, Mittwoch, 20.08.2008, 22:44 (vor 6348 Tagen) @ Micha

"Köpfchen muss der Mensch haben !" [image]

Ich sauge, so gut ich es jetzt kann

Sakem, Donnerstag, 21.08.2008, 18:30 (vor 6347 Tagen) @ Micha

Hallo,
.

Habe eben ... gesaugt ...

.
Ich auch. Das kommt nicht oft vor.
Ich hatte mal eine Staubsaugerphobie.
Ich konnte die Geräusche nicht ertragen.
Manchmal habe ich noch Probleme bei Bohrmaschinen
oder flugzeugmotoren o.ä.
Ich habe immer nur gefegt und gewischt.
Bis heute habe ich keine großen Teppiche. Nur kleine Läufer.
Die kann ich notfalls ausklopfen.
Dann habe ich mir einen richtig teuren, guten, goldfarbenen
Markenstaubsauger gekauft und es langsam probiert.
Inzwischen klappt es schon ganz gut.
Wenn ich einen guten Tag habe.
Aber immer nur ein Zimmer oder eine Fläche.

Die Abneigung kommt aus meiner Kindheit.
Meine Mutter, putzsüchtiger Cleanie, hat ständig gesaugt,
gewischt oder damals noch gebohnert.
Dabei war die wie eine Furie.
Alle hat sie in der Familie aufgeschreckt uns durch die Wohnung gehetzt.
Das hat sich eingeprägt.
.

Manchmal , wenn nicht die Zeit / Lust zum "Möbel schieben und Co" vorhanden ist ,
sauge ich nur die freien Flächen an die ich mit dem Staubsauger einfach so gut rankomme .
Ist besser als nicht gesaugt ...

.
Das hat mich richtig angesprochen.
Ich muss nicht alle Stühle auf den Tisch stellen beim Saugen.
Ich muss nicht überall saugen.
Ich muss nicht in allen Räumen saugen.
Ich muss auch nicht die Scheuerleisten, die Stühle
und das Sofa gleichzeitg mit absaugen.
Ich muss nicht saugen, bis mir schwarz vor Augen wird vor Erschöpfung.
.
ICH sauge, so gut ICH es jetzt kann
ICH sauge, so gut ich es JETZT kann
ICH sauge, so gut ich es jetzt KANN
.

und da wo etwas drauf steht / liegt ,
kann ja auch keine Staub hingekommen sein .
[image] ~ Micha

.
Dieses Posting hat mir viel Druck genommen.
.
Sakem

Re: von Pontius Staubsaugus zu Pilatus

Sabine, Donnerstag, 21.08.2008, 18:22 (vor 6347 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte,

als erstes nehme ich Dich mal tröstend in den Arm. Es ist bewundernswert, was und wieviel Du bist jetzt alles geschafft hast. Es war eben zu viel auf einmal. Ruh Dich jetzt erst mal aus.

Ein Studium ist auch schon ohne Kind und ohne kranken Freund anstregend genug. Man hat, wie Du schon sagst, nie Feierabend. Es ist nicht nur das lernen selbst, Referate vorbereiten und Seminararbeiten schreiben. Man hat nie genug gelesen, es gibt so viel Fachliteratur die man noch lesen sollte, könnte, wollte. Dazu vor allem bei wenig verschulten Studiengängen noch viel Arbeit, das Studium selbst zu organisieren. Dann muss man noch von irgendwas leben. Das ist schon so schwer genug. Kommen dann noch andere Baustellen hinzu, kann es schnell zu viel werden.

Gerade auch mit Kind. Denn Du musst Dich um Dein Kind kümmern, auch den Alltag des Kindes organiseren. Und während man, wenn man alleine ist, finanziell und aufräummäßig noch improvisieren und jonglieren kann, geht das mit Kind nicht mehr.
Auch die Zeit. Zusätzlich zu Deiner eigenen Studier-, Arbeitszeit und Wegezeit hast Du auch noch die Wegezeit, um Deine Tochter von der Schule und vom Hort abzuholen. Und ein Haushalt mit Kind macht sehr viel mehr Arbeit als einer ohne Kind. Und dann braucht Dein Kind auch Zuwendung, Du selbst natürlich auch.

Es ist unmenschlich, dass Du in eine solche Siutation geraten musstest. Denn normalerweise soll ein Studium doch Freude machen, so anstrengend es auch ist. Und ich nehme an, dass Du Dein Studium nur deshalb so lange hast durchhalten können, weil Du an Deinem Fach hängst.
Man hat Dich in eine Situation gebracht, wo Du Kindererziehung als Belastung empfindest. Dabei möchtest Du Dich doch an Deinem Kind erfreuen.

Es ist ungerecht, dass Studium/ Beruf und Kindererziehung sich so schlecht kombinieren lassen. Warum ist es ist es trotz teilweise vorhandener Angebote nicht möglich, Teilzeit zu studieren? Die Anzahl Freisemester, die man pro Kind bekommt, reicht nicht. Nicht jeder Prof hat Verständnis, wenn man eine Seminararbeit zu spät abgibt, weil das Kind krank war oder man sich um kranke Angehörige kümmern mußte.

Genau die doppelten Wegezeiten, und der Zeit für die Kindererziehung verhindern auch, Beratungsstellen aufzusuchen. Denn das bedeutet zusätzliche Wege und zusätzliche Zeit.

Jemand, der das selbst nicht so oder in vergleichbarer Form erlebt hat, kann da gar nicht mitreden. Es gibt Menschen, bei denen läuft alles glatt, die haben die optimalen Grundbedingungen und dann haben die einen Vorzeigelebenslauf. Aber das ist nicht nur die eigene Leistung, sondern auch die der Umgebung, die eine gute Basis und ein gutes Umfeld geschaffen hat.

Du kannst wirklich stolz auf Dich sein, dass Du es so lange geschafft hast. Wenn Du erst mal zur Ruhe gekommen bist, wird es irgendwie weitergehen.

Ich fühle mich mitschuldig. Du hast vor Monaten einen Hilferuf hier ins Forum gesetzt und geschildert, wie sehr Dir die Situation mit Studium, Kindererziehung, kranker Freund, Mess und Umzug über den Kopf gewachsen sind. Obwohl mich Dein Posting berührt hatte und mir einige Dinge durch den Kopf gegangen sind, habe ich nicht geantwortet. Ich habe zwar viel mit meinen eigenen Real-Life Aufgaben und Problemen zu tun. Doch die Zeit hätte ich mir nehmen können.

Kannst Du aus dem Studienabbruch nicht eine Studienunterbrechung machen? Den Tipp wollte ich Dir damals schon geben. Hätte ich es doch getan. Denn eine Studienunterbrechung ist nicht entgültig.
Noch ist es dafür nicht zu spät. Vielleicht denkst Du durch Deine momentane Überlastung: um Gottes willen, nie wieder. Aber ich lese aus Deinen Zeilen auch heraus, dass es Dich wurmt, dass Du so kurz vorm Ziel aufgeben musst. Mit einer Studienunterbrechung läßt Du Dir die Entscheidung offen, später entgültig abzubrechen oder Dein Studium doch noch abzuschließen.
Zum jetzigen Zeitpunkt kannst Du die Exmatrikulation noch rückgängig machen. Das Semester hat auch noch nicht begonnen. Eine Freundin war auch schon mal exmatrikuliert weil sie durch bestimmte Umstände die Rückmeldegebühren nicht rechtzeitig überweisen konnte, bzw. bei der Überweisung was schief gelaufen war. Die Freundin ist zum Studierendensekretatriat gegangen und hat die Sache klären können, so dass die Exmatrikulation rückgängig gemacht wurde. Und so studiert sie heute noch.
Dies schreibe ich Dir, um Dir Mut zu machen und um Dir einen möglichen Ausweg zu zeigen. Du kannst direkt zum Studierendensekretariat gehen und ein Urlaubssemester beantragen (wegen Krankheit, Kindererziehung oder Betreuung eines kranken Angehörigen). Eine Krankheit kannst Du mit einem Attest vom Hausarzt belegen, das dürfte bei Deiner momentanen Überlastung kein Problem sein. Du kannst auch erst, oder zusätzlich, zu Beratungstellen an der Uni oder vom Asta gehen. Beim Asta gibt es meist Beauftragte für Studierende mit Kind und/ oder für Studierende in sozialen Notlagen. Von der Uni selbst bietet sich die allgemeine Studienberatung an, die Sozialberatung oder die Beratungsstelle für Studenten in psychischen Notlagen. Eventuell auch der Careerservice (um auszuloten wie Du mit dem Studienabruch, bzw. der Studienunterbrechung umgehen kannst).

Nimm alle Hilfe Du du kriegen kannst. Du hilfst damit auch anderen. Denn je mehr Leute an der Alarmglocke ziehen, desto mehr wird deutlich, dass Studierende mit Kind und Studierende mit kranken Angehörigen Hilfe und Verständnis brauchen. Diese Hilfe kann schon so aussehen, dass man die Zeit fürs Studium bekommt die man braucht. Und dass sich dies auch in den Köpfen der Menschen außerhalb der Unis reinfindet, dass sie vertehen, dass ein Studium dann eben länger dauert und dass Personalchefs verstehen, warum der Lebenslauf so und nicht anders aussieht.

Vielleicht denkst Du: um Himmels Willen, jetzt auch noch zum Sekretariat und zur Beratung. Das ist Zeit und Mühe, die Du jetzt investieren mußt. Denk auch daran, wie groß die Erleichterung ist, wenn die Exmatrikulation zuürckgenommen wird und umgewandelt ist in ein Urlaubssemester. Dann hast Du alle Zeit der Welt, Dich auszuruhen, nachzudenken und zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es Dir wieder gut geht, eine Entscheidung mit klarem Kopf zu treffen.

Wichtig ist hier auch die Umstellung auf die neuen Studiengänge zu beachten. Ich nehme an, dass Du noch auf Diplom oder Magister studierst. Wenn Du Dich beurlauben läßt und später (wenn es Dir wieder besser geht) Dein Studium fortsetzt und abschließt, kannst Du dies noch nach Deiner Studienordnung und dem vorgesehen Abschluß machen. Sonst wird es Bachelor, und er ist doch nur ein Diplom-Light. Und nicht jeder wird danach zum Master zugelassen. Es gibt dann noch Fristen, wie lange man noch die "alten" Abschlüsse bekommt. Nur die Ruhe. Denn hierbei gilt: rechtzeitig wissen und planen zu können und Wege offen zu halten beruhigt viel mehr als die Dinge im ungewissen lassen.

Woran ich auch gedacht habe ist, dass Du eventuell reif bist für eine Mutter-Kind-Kur. Vielleicht ist dies sogar möglich. Die Kassen lehnen zwar immer erst ab, viele die Widerspruch einlegen, bekommen die Kur dann doch. Die Krankenkassen spekulieren darauf, dass die Leute zu schnell aufgeben und/ oder nicht den Mut und die Energie haben, um Widerspruch einzulegen.

Ich bin der festen Meinung, dass es für "alleinerziehende, berufstätige Mütter" nicht funkionieren kann OHNE dass man psychische Schäden nimmt. Dann kommen eben meist noch andere Sorgen hinzu, und die Depression und Resignation bleibt langfristig nicht aus.
Dieses ganze System hat schwerwiegende Fehler! Bei so einer Politik wird mir mittlerweile speiübel! Und auch wie es sich bereits in den Köpfen der Menschen verankert hat. Die Erwartungen und Ansprüche, die unser lieben Mitmenschen haben.

O ja, das regt mich auch so auf. Da hilft nur, einerseits nicht mitmachen, aber andererseits auch wehren, damit es nicht schlimmer wird. Jedes kleine Nein hilft schon. Denn keiner weiß von anderem, der sich auch gerade mit einfachen bescheidenen Mitteln wehrt. Und so können viele kleine Neins am Schluß doch etwas bewirken. Wichtig ist es, dass man seine Rechte kennt und sie einfordert.

Zum Haushalt fällt mir noch ein: wenn Dein Tochter zur Schule geht, ist sie alt genug um Dich bei kleinen Aufgaben zu unterstützen. Zum Beispiel Abtrocknen, Staub wischen, Wäsche zusammenlegen. Das eigene Zimmer (mit anfangs Deiner Anleitung) aufräumen, vor dem Staubsaugen rumliegende Sachen aufheben. Deine Tochter wird später, wenn sie erwachsen ist und einen eigenen Haushalt hat, froh sein, diese Dinge nebenher gelernt zu haben.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Energie und alles gute für Deine Zukunft und die Deines Kindes.

Grüße, [image]
Sabine

Wow!

Astarte, Donnerstag, 21.08.2008, 22:11 (vor 6347 Tagen) @ Sabine

Hallo!

Dein Posting hat mir tatsächlich gerade sehr viel Mut gemacht und Trost gegeben. Es ist zu lang, als dass ich auf all die Einzelheiten eingehen möchte. Aber bitte mach Dir keine Vorwürfe, dass Du mir nicht schon vorher geantwortet hast.

Du hast vollkommen Recht, und ich weiß das alles natürlich auch. Doch im Moment befinde ich mich in so einem Zwischenstadium. Es war jetzt erst mal eine große Erleichterung nicht mehr daran zu denken, die Überweisung absichtlich sein zu lassen, einfach gar nichts zu tun. Langsam "erhole" mich, und je mehr ich mich erhole, um so mehr drängt es auch mich danach es in ein "Urlaubssemester" umzuwandeln. Doch noch bin ich nicht so weit, kann ich nicht über diesen Schatten springen.

Gestern gestand ich es einem sehr engen Freund aus der alten Heimat, der war ganz schön "sauer" (im liebenswerten Sinne) auf mich. Ich sagte zu ihm - absolut wahrheitsgemäß - bis Ende des Jahres ist noch alles möglich. Entscheide ich mich vielleicht noch zehnmal um. Ich weiß noch gar nicht, wohin mich dieser Neuanfang führen wird. Aber ich glaube, je länger ich dasitze und grübele statt zu leben, um so weniger werde ich eine Antwort finden. Also habe ich begonnen, mich treiben zu lassen. Völlig treiben zu lassen. Ja, und ich könnte mir vorstellen, dass mich mein Weg zur Uni zurücktreibt. Ich spüre es schon ein klitzekleinwenig wieder, aber ich weiß es nicht.

Meine besten Freundin und einzige hier vor Ort habe ich es noch nicht gestanden. Mann, die hat mich heute wieder so in alle Himmel gelobt, dass ich mir wie ein ganz schäbige Lügnerin vorkomme. Es gibt einige Leute, die mir mein Abbruch sehr persönlich nehmen würden. Denn ja, in meiner Grundsituation, dass man sich überhaupt darauf einlässt, kann überhaupt nur eines dahinter gestanden haben: Idealismus und Leidenschaft. Sonst fängt man in so einer Situation gar nicht erst an. Und jeder, der schon mal meine leuchtende Augen gesehen hat, selbst in der größten und dunkelsten Krise, weiß dass Uni und ich zusammen gehören. Na ja, selbiges denkt man aber auch über mich und meinem Gemahl. Hmm
Letztendlich gibt es aber noch ein paar "Aber"'s. Allen voran mein müttliches Pflichtgefühl und schlechtes Gewissen gegenüber der Tochter. Aber nachdem ich nun wirklich alles für ihr Wohl aufgab, kann ich so ebenso wenig weiter machen. Ich glaube, ich muss lernen, das lockerer zu sehen und egoistischer zu sein, sonst ist bald gar nichts mehr von mir da.

Ein anderes wichtiges "Aber" ist, wie es mit meinem Ex weitergeht, auch hier könnte rein theorethisch noch alles und nichts drin sein. Theorethisch. Er wohnt ja in der alten Heimat, der Studienstadt. Unter den JETZIGEN Umständen ist das für mich tatsächlich ein Grund, nicht mehr dorthin zu wollen, obwohl ich es meine "Seelenheimat" nenne. Gar nicht mal wegen zu viel Ärger oder Hass, sondern im Gegenteil: Ich erachte nach so vielen Trennungsversuchen und einem einst so extrem tiefen Band die Wahrscheinlichkeit, dass wir dort wieder zusammen kommen, für ziemlich hoch. Ob ich das wollen würde oder nicht, sei jetzt mal dahin gestellt. Aber Fakt ist, dass ich nichts mehr mit SEINEM Messitum und Persönlichkeitsstörungen zu tun haben will. Es reicht. Und das wird sich wohl kaum ändern? Ich kenne mich: Am Ende siegt Gefühl doch wieder über Vernunft. Nein, danke!

Im Grunde bin ich derzeit eine kleine Prinzessin auf der Erbse, die gerettet werden möchte. Ich will und brauche jemanden (im Bekanntenkreis meiner Lieben), der mir zeigt, dass es ihm oder ihr wichtig ist. Jemanden, der vielleicht so ein guter Freund ist, dass er mich zum Studentensekteriat prügelt. Klingt albern, ich weiß. Aber das wäre jetzt der einzige Balsam für mein "geschundenes Herz". Und meine emotionale Logik ist dabei recht profan:

Ich studierte ausschließlich aus Leidenschaft und Idealismus, mit dem ich auch meine Kommilitionen ansteckte. Und mit einem "gebrochenem Herzen" mangelt es eben genau an diesen beiden wesentlichen Eigenschaften. Das Für und Wieder verschiebt sich. Ich habe mich so kaputt gemacht für all das, aber ohne diese Grundeigenschaft kommt dabei nur ein "gewöhnlicher Job" dabei raus bzw. "arbeitslos mit Diplom". Das ist es mir nicht mehr wert.

LG
Astarte

Re: Wow! - oder nicht - (OT) eine Bitte an Sabine und Astarte

Lucy, Freitag, 22.08.2008, 00:30 (vor 6347 Tagen) @ Astarte

Hallo Sabine, hallo Astarte,

ich habe eine große Bitte an Euch beide (und vielleicht noch an ein paar andere [image]) -

könnt Ihr bitte Eure Beiträge mit "lang" (in Klammern oder wie auch immer) kennzeichnen? So war das früher gute Forumssitte.

Genauso, wie hier munter "(OT)" und "(o.T.)" durcheinander geworfen wird (das betrifft jetzt nicht explizit Euch beide, gehört aber zum Thema) - das eine für "Off Topic" und das andere für "ohne Text", wobei das andere (als "o.T") automatisch nachgestellt wird, wenn das Posting tatsächlich ohne Text ist - wenn die Überschrift aber nur übernommen wird (weil vielleicht "Off Topic" gemeint wurde) immer munter weiter erscheint, obwohl Text enthalten ist.

Ach, gute alte Forumszeit!

Schöne Grüße von

Lucy

PS: Ich lese Eure Texte später - jetzt bin ich ja darauf vorbereitet, dass sie etwas länger sind! [image]

Nur Mut. Du schaffst es. (lang)

Sabine, Freitag, 22.08.2008, 17:56 (vor 6346 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte,

Das was Du da schilderst, klingt für mich sehr nach einem Burnout. Totale Erschöpfung nachdem man jahrelang über die eigenen Grenzen hinweg gepowert hat. Burnot trifft fast immer Menschen, die ihr Fach und/ oder ihren Beruf über alles lieben, die immer 200% geben, fast immer sind es die besten eines Faches. In der aktuellen Zeitschrift Neon steht ein Bericht über Burnout. Es kann jeden treffen, wenn man nur lang genug immer weiter macht und Warnsiganle ignoriert. Nach fest kommt ab. Und Du hast ja mit Studium, Kindererziehung und Deinem kranken Ex-Freund gleich eine mehrfache Überlastung gehabt. Aber es gibt Hoffnung: was ab ist, kann man auch wieder dranleimen.

Dazu brauchst Du professionelle Hilfe. Das geht in der Situation fast allen Betroffenen so. Es ist ein Zeichen von Professionalität, zu erkennen, wann man Hilfe von außen braucht und sich diese dann zu holen. Gehe am besten direkt nächste Woche zu Deinem Hausarzt und schildere ihm, wie sehr Du durch Deine Situation überlastet bist. Wenn Du ihm erzählst, wie sehr Du Dein Fach geliebt hast, und Dir jetzt alles gleichgültig erscheint, dazu noch von der Mühe mit der Kombination von Studium und Kindererziehung und dann dazu noch die Sache mit Deinem Ex. Dann wird der Arzt von selbst entweder die Diagnose Burnout oder Depression stellen. Dies ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens, damit Du danach die Behandlung bekommst, die Du brauchst. Der Hausarzt wird Dich an einen Spezialisten überweisen. Vielleicht bekommst Du auch eine Kur.

Diese Links habe ich zu Burnout gefunden: (ich weiß nicht , ob sie für Dich passen sind)<ul><li>http://www.hilfe-bei-burnout.de/</ul><ul><li>http://www.burn-out-forum.de/</ul><ul><li>http://burnout-infos.foren-city.de</ul>


Zweitens hilft Dir ein Attest vom Arzt, beim Studierendensekretariat zu erkären, warum Du erst jetzt kommst. Mit einem Attest hast Du ein starkes Argument. Gerade jemand mit Burnout oder Depression ist meistens nicht mehr in der Lage, sich rechtzeitig um Organisatorisches zu kümmern. Mit dem Attest kannst Du gleichzeitig Dein Urlaubssemester begründen.


Du schreibst mehrfach, wie begeistert Du von Deinem Fach und von Deinem Studium bist:

Denn ja, in meiner Grundsituation, dass man sich überhaupt darauf einlässt, kann überhaupt nur eines dahinter gestanden haben: Idealismus und Leidenschaft. Sonst fängt man in so einer Situation gar nicht erst an. Und jeder, der schon mal meine leuchtende Augen gesehen hat, selbst in der größten und dunkelsten Krise, weiß dass Uni und ich zusammen gehören.

Ich studierte ausschließlich aus Leidenschaft und Idealismus, mit dem ich auch meine Kommilitionen ansteckte.


Die Begeisterung ist immer noch da, tief in der drin. Dass Du sie jetzt aktuell nicht mehr spüren kannst, liegt an Deiner Überlastungssituation. Du brauchst jetzt Ruhe, Erholung und Unterstützung. Das kann durchaus ein halbes Jahr dauern, das ist gerade typisch bei Burnout. Und ich kann Dich beruhigen: die Begeisterung wird zurückkommen. Jetzt ist sie noch verschüttet. Sobald Du Dich wieder erholt hast, wird sie wieder da sein.

Klingt albern, ich weiß. Aber das wäre jetzt der einzige Balsam für mein "geschundenes Herz". Und meine emotionale Logik ist dabei recht profan

Auch das läßt sich wieder reparieren. Ich muss da an ein Lied denken, dass Anfang der 90er oft im Radio lief: 'Ein Herz das kann man reparieren'


Jetzte zu Deinen Abers:
Deine Tochter weiß, dass Du sie lieb hast. Es wird immer noch zu oft Müttern eingeredet, dass ein Studium oder Beruf eine Vernachlässigung gegenüber dem Kind bedeuten würde. Warum wirft man dies nur Müttern, aber nicht den Vätern vor? Warum ist Studium und/ oder Beruf immer noch so schlecht kombinierbar mit Kindererziehung? Sind die Leute, die Dir ein schlechtes Gewissen einreden wollen, nicht möglicherweise neidisch?
Egal ob man sich für Fulltime-Kindererziehung oder für die Kombination Studium/Beruf und Kindererziehung entscheidet, beides ist richtig und gut. Mit einer Entscheidung für Studium/Beruf und Kindererziehung gibst Du Deiner Tochter ein positives Vorbild, dass es sich lohnt in Bildung zu investieren, dass Bildung und ein Beruf Spaß machen können. Wichtig ist ja auch weniger, wie viel Zeit Du mit Deiner Tochter verbringst, sondern wie Du die Zeit, die Du hast, zusammen mit ihr gestaltest. Vor längerer Zeit hat Helga-Maria hier im Forum ein Buch vorgetellt, in dem beschrieben wurde, dass die Berufstätigkeit der Eltern gut ist für das Kind. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.

Zu Deinem zweiten Aber: Dein Ex-Freund. Auch in einer kleineren Studentenstadt kann man sich, wenn man will, aus dem Weg gehen. Vielleicht kannst Du mit ihm verabreden, dass ihr Euch für eine bestimmte Zeit (1 Jahr, 2 Jahre?) nicht seht. Vielleicht gibt ihm das den kleinen Schubser, an sich zu arbeiten.
So wie es Dir jetzt geht, kannst Du nichts für ihn tun. Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es Dir selbst wieder besser geht.


Ich kann es verstehen, dass es Dir schwer fällt, Deiner Freundin von Deiner Studienunterbrechung zu erzählen. Gerade weil sie Dich immer so begeistert gesehen hat. Und genau deshalb wird sie es verstehen und sehen dass Du in höchster Not bist. Stell Dir einfach in Gedanken vor, wie Du es Ihr erzählst und wie sie Dich dann tröstend in den Arm nimmt und was sie alles liebes sagen wird. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie groß die Erleichterung ist, ES (was auch immer es ist) endlich erzählt zu haben und dann den Trost zu bekommen, den man in einer solchen Situation braucht.


Du möchtest Dich jetzt treiben lassen. Das ist in Deiner jetzigen Situation absolut richtig und wird mit zu Deiner Erholung beitragen. Damit Du Dich ruhigen Gewissens treiben lassen kannst, ist es wichtig, dass Du jetzt Gleitschienen und ein Fangnetz aufbaust, um Dich vor dem Wasserfall zu schützen und Dich in ruhige und friedliche Gewässer zu leiten.
Gleitschienen heißt, dass Du Dich in ärztliche Behandlung begibst (wenigstens wegen dem Attest) und/ oder Dir Beratung holst. Und als Fangnetz brauchst Du das Urlaubssemester.

Du hast es ja selbst schon angesprochen, dass Du daran denkst. Und das ist ein Zeichen, dass es schon langsam wieder aufwärts geht:

Langsam "erhole" mich, und je mehr ich mich erhole, um so mehr drängt es auch mich danach es in ein "Urlaubssemester" umzuwandeln.

Im Grunde bin ich derzeit eine kleine Prinzessin auf der Erbse, die gerettet werden möchte. Ich will und brauche jemanden (im Bekanntenkreis meiner Lieben), der mir zeigt, dass es ihm oder ihr wichtig ist. Jemanden, der vielleicht so ein guter Freund ist, dass er mich zum Studentensekteriat prügelt.

Hier lese ich ganz deutlich den Wunsch, dass Du zu einem späteren Zeitpunkt weiter studieren möchtest. Vielleicht findest Du eine gute Freundin oder einen guten Freund, die bzw. der Dich zum Studierendensekratirat begleiten kann. Gehe am besten noch nächte Woche hin. Jetzt ist es auf jeden Fall noch rechtzeitig. Jetzt wird es sich noch recht einfach in ein Urlaubssemester umwandeln lassen können. Mit Attest bist Du auf der sicheren Seite.

Hiermir gebe ich Dir einen liebevollen Schubs und schicke Dir ganz viel Energie rüber: [image][image][image]
Auf, auf, zum Arzt! [image][image][image] Und Auf, auf, zum Studierendensekretariat. [image][image][image]

In Gedanken gehe ich mit und bin ich bei Dir. Danach, wenn Du das erledigt hast, kannst Du Dir einen Tee [image] und ein Eis [image] gönnen. Und Dich treiben lassen und Dich erholen.

Nur Mut, Du schaffst es. Alles wird gut. Und schau: die Sonne wird wieder scheinen: [image][image][image]

Grüße, [image]
Sabine

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang, off-topic)

Astarte, Freitag, 22.08.2008, 22:32 (vor 6346 Tagen) @ Sabine

Oh wei! Du machst mir Mut und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen [image]. Ich WEIß, dass Du vollkommen Recht hast. Aber ein kleines Etwas sperrt sich noch in mir.

Aber der Gedanke mit einem Attest in Studentensekteriat zu gehen, ist wirklich ein guter Tipp! Bisher dachte, wenn überhaupt, nur an die Ausrede "Zahlendreher".

Um mal auf die Messi-Komponente zurück zu kommen, die sich auch unter den ganzen "Noch-Aber"s versteckt, schließlich ist das ja ein Messi-Forum:

Ich habe nie gelernt einen Haushalt zu führen. Auch jetzt kümmere nicht ich mich darum, sondern meine (psychisch leider ebenfalls gestörte) Mutter, ein Cleanie. Das andere Extrem. Sie lässt mir keine Chance. Auch nicht beim Kind. Je schlimmer es in der alten Situation wurde, um so schlimmer wurde der eigene Mess. Wobei ich nicht der Sammler bin, sondern einfach absolutes Wohnchaos, Unordnung etc. Es wurde natürlich von Jahr zu Jahr schlimmer. Die letzten 2 Jahre litt ich unglaublich unter meiner alten Wohnung. Wirklich unglaublich!

Worauf ich hinaus möchte: Mein derzeit erklärtes Lebensziel ist momentan tatsächlich innerhalb der nächsten zwei Jahren zu lernen, wie man aufräumt und einen Haushalt führt! Und sonst nichts. Damit ich nie, nie wieder in so eine Situation komme. Das ist mir momentan wichtiger als alles andere. Das wird mit Studium nebenher nicht funktionieren, denn sobald ich an die Uni zurückkehre, dann stecke ich direkt im Prüfungsstress und anschließend 9 Monate Diplomarbeit. Da wird selbst der ordentlichste Haushalt zum Saustall.

Und dann eben der Ex in der gleichen Stadt, dazu schrieb ich schon: Es hat einfach keinen Sinn dank seines Messitums und PS, aber ich sehe die Gefahr, dass wir dort - entgegen aller Vernunft - wieder zusammen kommen. Nein, nein, nein. Nie wieder Messitum! Ich will das endlich, endlich hinter mir lassen.
Auf jede Fall werden wir uns NICHT aus dem Weg gehen können. Wir sind beide in der selben Szene unterwegs. Ich könnte nie ausgehen, und zur Entspannung die Freiheit nach getaner Arbeit genießen. Egal wenn ich in den Kreisen kennenlernen würde, unter Garantie hat er schon seine Finger dran. Ich hätte immer Angst, ihm zu begegnen. Obwohl er nicht studiert, macht er z.B. als externer am Uni-Theater mit. Und an Absprachen ist einfach derzeit defakto nicht zu denken. Die letzten zwei Wochen haben wir es wenigstens wirklich, wirklich versucht. Das ist so eine bescheuerte, nicht unbedingt rationale GANZ oder GAR NICHT-Situation.

Ich sollte noch erwähnen, dass zwischen meinen jetzigen Wohnort und dem Studiumort 350 km liegen. So einfach mal hingegen ist leider nicht.

Und da ist noch etwas anderes Emotionales (d.h. nicht unbedingt rational) bezüglich Studium und Ex, worauf ich jetzt gar nicht so detailiert eingehen möchte. Sagen wir es so: Viele fragten mich, woher ich denn die Kraft habe. Durch ihn. Trotz allen anderen Nachteilen. Es verging in 5 Jahren Studium kaum ein Tag, wo ich nicht das Bild meines Abschluss visualisierte, ihn an meiner Seite. Ich trage ja dank Ehe seinen Nachnamen, bis vor kurzen mit sehr viel Stolz. Seinen Namen und ein Doktor davor. Ihn bei der Doktortitel Verleihugn an meiner Seite. Exakt dieses Bild hat mir die Kraft gegeben und ist nun zerstört. Jetzt geht es nur noch "um einen Job". Damit die letzten Jahren eben nicht "sinnlos" waren. Das ist mir zu wenig für den ganzen Aufwand. Denn wie gesagt, wenn ich zurück zur Uni gehe, dann purzel ich direkt in den Abschluss: Stress! Stress! Megastress!

Da ist sogar noch ein ganzes anderes profanes wie dämliches Problem: Ich WILL therapeutische Hilfe. Unbedingt. Seit 1 bis 2 Jahren wollte ich das schon. Aber ich hatte doch keine Zeit dafür!!! Und wenn ich jetzt wieder zurück gehe, werde ich - siehe oben - garantiert keine Zeit für eine Thera nebenbei haben! Und ich möchte doch endlich was FÜR MICH tun.

Aber vielleicht sollte ich aufhören, mir Rechtfertigungen zu suchen. Es gibt keine wirkliche. Du hast mit allem, was Du sagst, Recht. Aber noch kann ich nicht über meinen Schatten hüpfen.

Mit der selfmade-Burnout-Diagnose wäre ich vorsichtig. Man könnte mir auch Depression unterstellen. Und Coabhängigkeit. Oder alles drei. Ich war mal eine zeitlang beim Uni-Psychologen, der ganz besonders für die spezielle Problematik geschult war. Der hat mir sehr viel Mut gemacht, und ist im Gegenteil der Meinung, dass da eher die Gesellschaft schuld sei, aber es "keinen inneren seelischen Konflikt" gebe. Ich kann mich nicht entscheiden ob ich es eher aus dieser Sicht sehe oder aus der anderen. Aber ich kann sagen, dass mir der Psychologe sehr, sehr geholfen hat und mich mit dieser anderen Sicht sehr viel besser fühle und es meine Stärken an die Oberflächen holt. Beispielsweise könnte ich nun in Thera rennen, weil mich die Trennung und die damit einher gehenden Veränderungen ÜBERFORDERE. Aber genauso gut wäre es ein Ansatz zu behaupten, dass mich die Leere und das Rumgehänge UNTERFORDERE. Von außen sieht es sehr ähnlich aus. Aber je nachdem, welche Perspektive ich wähle, fühlt es sich für mich gänzlich anders an. Vielleicht ist es besser, langsamer zu treten. Vielleicht wäre es für mich aber auch genau das richtige, mich gerade erst recht hineinzustürzen? Genau deswegen bin ich von selbstgemachten Fern- oder Selbstdiagnosen abgekommen.

LG,
Astarte

Das was Du da schilderst, klingt für mich sehr nach einem Burnout. Totale Erschöpfung nachdem man jahrelang über die eigenen Grenzen hinweg gepowert hat. Burnot trifft fast immer Menschen, die ihr Fach und/ oder ihren Beruf über alles lieben, die immer 200% geben, fast immer sind es die besten eines Faches. In der aktuellen Zeitschrift Neon steht ein Bericht über Burnout. Es kann jeden treffen, wenn man nur lang genug immer weiter macht und Warnsiganle ignoriert. Nach fest kommt ab. Und Du hast ja mit Studium, Kindererziehung und Deinem kranken Ex-Freund gleich eine mehrfache Überlastung gehabt. Aber es gibt Hoffnung: was ab ist, kann man auch wieder dranleimen.
Dazu brauchst Du professionelle Hilfe. Das geht in der Situation fast allen Betroffenen so. Es ist ein Zeichen von Professionalität, zu erkennen, wann man Hilfe von außen braucht und sich diese dann zu holen. Gehe am besten direkt nächste Woche zu Deinem Hausarzt und schildere ihm, wie sehr Du durch Deine Situation überlastet bist. Wenn Du ihm erzählst, wie sehr Du Dein Fach geliebt hast, und Dir jetzt alles gleichgültig erscheint, dazu noch von der Mühe mit der Kombination von Studium und Kindererziehung und dann dazu noch die Sache mit Deinem Ex. Dann wird der Arzt von selbst entweder die Diagnose Burnout oder Depression stellen. Dies ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens, damit Du danach die Behandlung bekommst, die Du brauchst. Der Hausarzt wird Dich an einen Spezialisten überweisen. Vielleicht bekommst Du auch eine Kur.
Diese Links habe ich zu Burnout gefunden: (ich weiß nicht , ob sie für Dich passen sind)<ul><li>http://www.hilfe-bei-burnout.de/</ul><ul><li>http://www.burn-out-forum.de/</ul><ul><li>http://burnout-infos.foren-city.de</ul>

Zweitens hilft Dir ein Attest vom Arzt, beim Studierendensekretariat zu erkären, warum Du erst jetzt kommst. Mit einem Attest hast Du ein starkes Argument. Gerade jemand mit Burnout oder Depression ist meistens nicht mehr in der Lage, sich rechtzeitig um Organisatorisches zu kümmern. Mit dem Attest kannst Du gleichzeitig Dein Urlaubssemester begründen.

Du schreibst mehrfach, wie begeistert Du von Deinem Fach und von Deinem Studium bist:

Denn ja, in meiner Grundsituation, dass man sich überhaupt darauf einlässt, kann überhaupt nur eines dahinter gestanden haben: Idealismus und Leidenschaft. Sonst fängt man in so einer Situation gar nicht erst an. Und jeder, der schon mal meine leuchtende Augen gesehen hat, selbst in der größten und dunkelsten Krise, weiß dass Uni und ich zusammen gehören.
Ich studierte ausschließlich aus Leidenschaft und Idealismus, mit dem ich auch meine Kommilitionen ansteckte.


Die Begeisterung ist immer noch da, tief in der drin. Dass Du sie jetzt aktuell nicht mehr spüren kannst, liegt an Deiner Überlastungssituation. Du brauchst jetzt Ruhe, Erholung und Unterstützung. Das kann durchaus ein halbes Jahr dauern, das ist gerade typisch bei Burnout. Und ich kann Dich beruhigen: die Begeisterung wird zurückkommen. Jetzt ist sie noch verschüttet. Sobald Du Dich wieder erholt hast, wird sie wieder da sein.

Klingt albern, ich weiß. Aber das wäre jetzt der einzige Balsam für mein "geschundenes Herz". Und meine emotionale Logik ist dabei recht profan

Auch das läßt sich wieder reparieren. Ich muss da an ein Lied denken, dass Anfang der 90er oft im Radio lief: 'Ein Herz das kann man reparieren'

Jetzte zu Deinen Abers:
Deine Tochter weiß, dass Du sie lieb hast. Es wird immer noch zu oft Müttern eingeredet, dass ein Studium oder Beruf eine Vernachlässigung gegenüber dem Kind bedeuten würde. Warum wirft man dies nur Müttern, aber nicht den Vätern vor? Warum ist Studium und/ oder Beruf immer noch so schlecht kombinierbar mit Kindererziehung? Sind die Leute, die Dir ein schlechtes Gewissen einreden wollen, nicht möglicherweise neidisch?
Egal ob man sich für Fulltime-Kindererziehung oder für die Kombination Studium/Beruf und Kindererziehung entscheidet, beides ist richtig und gut. Mit einer Entscheidung für Studium/Beruf und Kindererziehung gibst Du Deiner Tochter ein positives Vorbild, dass es sich lohnt in Bildung zu investieren, dass Bildung und ein Beruf Spaß machen können. Wichtig ist ja auch weniger, wie viel Zeit Du mit Deiner Tochter verbringst, sondern wie Du die Zeit, die Du hast, zusammen mit ihr gestaltest. Vor längerer Zeit hat Helga-Maria hier im Forum ein Buch vorgetellt, in dem beschrieben wurde, dass die Berufstätigkeit der Eltern gut ist für das Kind. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.
Zu Deinem zweiten Aber: Dein Ex-Freund. Auch in einer kleineren Studentenstadt kann man sich, wenn man will, aus dem Weg gehen. Vielleicht kannst Du mit ihm verabreden, dass ihr Euch für eine bestimmte Zeit (1 Jahr, 2 Jahre?) nicht seht. Vielleicht gibt ihm das den kleinen Schubser, an sich zu arbeiten.
So wie es Dir jetzt geht, kannst Du nichts für ihn tun. Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es Dir selbst wieder besser geht.

Ich kann es verstehen, dass es Dir schwer fällt, Deiner Freundin von Deiner Studienunterbrechung zu erzählen. Gerade weil sie Dich immer so begeistert gesehen hat. Und genau deshalb wird sie es verstehen und sehen dass Du in höchster Not bist. Stell Dir einfach in Gedanken vor, wie Du es Ihr erzählst und wie sie Dich dann tröstend in den Arm nimmt und was sie alles liebes sagen wird. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie groß die Erleichterung ist, ES (was auch immer es ist) endlich erzählt zu haben und dann den Trost zu bekommen, den man in einer solchen Situation braucht.

Du möchtest Dich jetzt treiben lassen. Das ist in Deiner jetzigen Situation absolut richtig und wird mit zu Deiner Erholung beitragen. Damit Du Dich ruhigen Gewissens treiben lassen kannst, ist es wichtig, dass Du jetzt Gleitschienen und ein Fangnetz aufbaust, um Dich vor dem Wasserfall zu schützen und Dich in ruhige und friedliche Gewässer zu leiten.
Gleitschienen heißt, dass Du Dich in ärztliche Behandlung begibst (wenigstens wegen dem Attest) und/ oder Dir Beratung holst. Und als Fangnetz brauchst Du das Urlaubssemester.
Du hast es ja selbst schon angesprochen, dass Du daran denkst. Und das ist ein Zeichen, dass es schon langsam wieder aufwärts geht:

Langsam "erhole" mich, und je mehr ich mich erhole, um so mehr drängt es auch mich danach es in ein "Urlaubssemester" umzuwandeln.
Im Grunde bin ich derzeit eine kleine Prinzessin auf der Erbse, die gerettet werden möchte. Ich will und brauche jemanden (im Bekanntenkreis meiner Lieben), der mir zeigt, dass es ihm oder ihr wichtig ist. Jemanden, der vielleicht so ein guter Freund ist, dass er mich zum Studentensekteriat prügelt.

Hier lese ich ganz deutlich den Wunsch, dass Du zu einem späteren Zeitpunkt weiter studieren möchtest. Vielleicht findest Du eine gute Freundin oder einen guten Freund, die bzw. der Dich zum Studierendensekratirat begleiten kann. Gehe am besten noch nächte Woche hin. Jetzt ist es auf jeden Fall noch rechtzeitig. Jetzt wird es sich noch recht einfach in ein Urlaubssemester umwandeln lassen können. Mit Attest bist Du auf der sicheren Seite.
Hiermir gebe ich Dir einen liebevollen Schubs und schicke Dir ganz viel Energie rüber: [image][image][image]
Auf, auf, zum Arzt! [image][image][image] Und Auf, auf, zum Studierendensekretariat. [image][image][image]
In Gedanken gehe ich mit und bin ich bei Dir. Danach, wenn Du das erledigt hast, kannst Du Dir einen Tee [image] und ein Eis [image] gönnen. Und Dich treiben lassen und Dich erholen.
Nur Mut, Du schaffst es. Alles wird gut. Und schau: die Sonne wird wieder scheinen: [image][image][image]
Grüße, [image]
Sabine

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang, off-topic)

Andrea, Freitag, 22.08.2008, 23:25 (vor 6346 Tagen) @ Astarte

Mit der selfmade-Burnout-Diagnose wäre ich vorsichtig.
Man könnte mir auch Depression unterstellen.

Als ich Deinen ersten Artikel mit dem Staubsaugen las und
kurz später zufälligerweise einen Text über Neurotizität,
dachte ich „Das erinnert mich teilweise an Astarte
(beziehungsweise Messies überhaupt)!“ Ich schrieb dann aber
zunächst nichts dazu.

Nachdem das Thema einer psychologischen Diagnose nun aber
ohnehin hier angesprochen wurde, hier einmal meine Übersetzung
dieses Textes von der weiter unten angegebenen Webseite:

„Freud verwendete den Begriff Neurose ursprünglich, um einen Zustand zu
beschreiben, der durch seelische Belastungen, emotionales Leiden und eine
Unfähigkeit, mit den normalen Anforderungen des Alltags zurechtzukommen geprägt
ist. Er nahm an, daß jeder einige Anzeichen einer Neurose zeigt, aber daß wir
uns in dem Ausmaß des Leidens und in unseren spezifischen Symptomen der
Belastung unterscheiden. Heute bezeichnet man mit Neurotizität die Tendenz,
negative Gefühle zu empfinden. Diejenigen mit hoher Neurotizität könnten
vorwiegend ein einzelnes negatives Gefühl, wie Angst, Ärger oder Traurigkeit,
empfinden, aber wahrscheinlicher haben sie mehrere dieser Gefühle.

Menschen mit hoher Neurotizität sind emotional reaktiv. Sie reagieren
emotional auf Ereignisse, welche die meisten Menschen nicht berühren würden,
und ihre Reaktionen neigen dazu, intensiver als normal zu sein. Sie sind eher
dazu geneigt, alltägliche Situationen als bedrohlich zu empfinden und kleinere
Problem als unüberwindliche Hindernisse. Ihre negativen emotionalen Reaktionen
halten für gewöhnlich außerordentlich lange an, was bedeutet, daß sie oft in
schlechter Stimmung sind. Diese Probleme der emotionalen Steuerung können die
Fähigkeiten eines Neurotikers klar zu denken, Entscheidungen zu treffen und
effektiv mit Belastungen zurechtzukommen, vermindern.“

http://www.erin.utoronto.ca/~w3psyuli/survey/bigfive/bigfiveresults.htm

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang, off-topic)

Astarte, Samstag, 23.08.2008, 00:02 (vor 6346 Tagen) @ Andrea

Wie ich schon sagte: Ich halte nicht viel von Ferndiagnosen. Und ich muss sagen, dass ich mich in dem von Dir zitierten Text nun überhaupt gar nicht erkenne.

Das einzige, was bei mir reaktiv ist, sind meine zu viele Worte, mein Mundwerk und mein Gehirn. Aber das war es schon immer und ist es in allen Bereichen.[image]. Ich bin so ziemlich das Gegenteil von "emotional" und "impulsiv". Ich erinnere mich an 5 Jahres meines Lebens, da ich keine einzige Träne vergoß und an viele Momente des Grübelzwangs, aber eben nicht das.

Meine Reaktionen sind für meine aktuelle Lebensphase sogar im Rahmen und "normal". Statistisch gesehen heißt es, es bedarfe für einen Normalo 2 Jahre um eine Scheidung zu verarbeiten. Bei mir kommen erschwerende Aspekte dazu, aber ich habe einen 1-Jahres-Plan, bei dem ich "gut in der Zeit" liege. Am dritten Monatestag der Trennung war z.b. die Heulerei, Trauerphase zu ende. Auf den Tag genau. Bis zum halbjährigen Trennungsjubeleum, welches zufällig auf dem Geburtstag meiner Tochter fällt, werde ich mir die Grübelgedanken meinen Ex vollständig abgewöhnt haben. Sie klingen merklich aus. Mal schauen, was sich noch alles ergibt, aber zu Weihnachten, dem 9monatigen Trennungsjubeleum werde ich wissen ob ich die Scheidung einreiche oder nicht, ob's ne Gerichtsschlacht gibt oder nicht. Zu Sylvester ist die Sache auf die eine oder andere Weise beendet. Klingt nicht besonders "reaktiv", oder?

In Anbetracht dessen, was ich jetzt zu schlucken hatte, kann ich sehr stolz darauf sein, was ich schon alles geschafft habe. Relativ eben. Macht es nicht besser, aber man kann auch nicht behaupten, dass es gar kein Vorwärts gebe.

Auch sehe ich keinen Zusammenhang zwischen "Burnout" und dem, was Du hierher geschrieben hast. Es gibt sicherlich einige "Krankheiten", die auf mich zutreffen könnten. Dieses zähle ich jedoch gewiss nicht dazu.

Gruß,
Astarte

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang, off-topic)

Andrea, Samstag, 23.08.2008, 00:20 (vor 6346 Tagen) @ Astarte

Bei mir kommen erschwerende Aspekte dazu

Ja, das stimmt. Ich hatte nur an die Beschreibung
Deiner Verfassung gedacht, aber nicht an die äußeren
Umstände, die bei Dir dazu geführt haben.

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang, off-topic)

Andrea, Sonntag, 24.08.2008, 01:15 (vor 6345 Tagen) @ Andrea

Bei mir kommen erschwerende Aspekte dazu

Ja, das stimmt. Ich hatte nur an die Beschreibung
Deiner Verfassung gedacht, aber nicht an die äußeren
Umstände, die bei Dir dazu geführt haben.

Es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel dazu:

„Attributionsfehler bezeichnet die Tendenz, den Einfluss
[von] Persönlichkeitseigenschaften [...] zu überschätzen
und externale Faktoren, wie situative Einflüsse,
zu unterschätzen.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Attributionsfehler

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang) Teil 1

Sabine, Samstag, 23.08.2008, 14:13 (vor 6346 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte,

Mit dem Urlaubssemester verpflichtest Du Dich zu nichts. Es verschafft Dir den Vorteil, dass Du die Entscheidung für oder gegen Abschluss des Studiums noch offen hältst. Für jetzt ändert sich nichts. Ob Du exmatrikuliert bist, oder Urlaubssemester hast, Du brauchst nicht zur Uni. Ein Urlaubssemester bietet Dir die Chance, dass für Dich später, wenn es Dir wieder besser geht, noch ein Türchen offen ist.


Du schreibst, dass Du nie gelernt einen eigenen Haushalt zu führen. Nur zur Beruhigung, das geht ganz vielen Menschen so. Willkommen im Club. Ich vermute, dass eine ganze Generation betroffen ist. Es betrifft oft Leute, die als Kinder im Haushalt fast nicht helfen brauchten. Die Eltern meinten es gut: och die Kinder spielen gerade so schön, da wollen wir sie nicht stören. Oder es betraf Familien, wo die Küche sehr klein war, so dass kaum Platz war, um dort zu mehreren zu kochen/ backen. Andere Eltern hatten Angst, dass der Herd kaputt gehen könnte, wenn die Kinder ihre ersten Kochversuche machen. "Fass ja nichts an, was Knöpfe oder Schalter hat."
Teilweise ist es auch ein Ergebnis der Emanzipation, so habe ich mal in einer Zeitschrift gelesen. Früher mussten die Mädchen im Haushalt helfen, während die Jungs spielen durften. Ergebnis: Mädchen konnten kochen, Jungen nicht. Dann brauchten auch die Mädchen nicht mehr im Haushalt helfen mit dem Ergebnis, dass heute Jungs UND Mädchen nicht kochen können. So stand es in der Zeitschrift, ich habe den Artikel nicht aufgehoben.
Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass in immer mehr Haushalten beide Eltern Vollzeit berufstätig sind. Bei Hartz IV haben die Eltern sogar keine Wahl, sondern müssen arbeiten und die Kinder außerhäusig betreuen lassen. Wann und wo sollten dann die Kinder noch lernen, wie man einen Haushalt führt? Diese Aufgabe müßte von den Schulen übernommen werden. Dies ist auch so ein Versäumnis der Gesellschaft, man läßt Eltern und Kinder im Regen stehen.

Was immer auch passiert ist, man kann auch als Erwachsener noch lernen, wie man einen Haushalt führt. Das erscheint Dir jetzt wie ein großer Berg. Doch es heißt nicht umsonst: Aller Anfang ist schwer. Du wirst schon schnell große Fortschritte machen. Und wenn erst mal die ersten Routinen sitzen, dann ist der Rest auch nur noch halb so schlimm.

Worauf ich hinaus möchte: Mein derzeit erklärtes Lebensziel ist momentan tatsächlich innerhalb der nächsten zwei Jahren zu lernen, wie man aufräumt und einen Haushalt führt! Und sonst nichts. Damit ich nie, nie wieder in so eine Situation komme. Das ist mir momentan wichtiger als alles andere. Das wird mit Studium nebenher nicht funktionieren, denn sobald ich an die Uni zurückkehre, dann stecke ich direkt im Prüfungsstress und anschließend 9 Monate Diplomarbeit. Da wird selbst der ordentlichste Haushalt zum Saustall.

Wie gesagt, ein Urlaubssemester gibt Dir alle Zeit der Welt. Und wenn es sein muss, kannst Du auch noch mehr Urlaubssemseter nehmen. Wahrscheinlich wirst Du mit einem Jahr reichlich hinkommen, um zu lernen, wie man einen Haushalt führt. Vielleicht gibt es dafür Kurse an der Volkshochschule oder bei Familienbildungsstätten. Es sind so viele Leute betroffen, dafür muss es doch einen gigantischen Markt geben. Für Studenten gibt es meist ermäßigte Kursgebühren. Auch noch so ein Grund für das Urlaubssemester. Denn dann bist Du weiterhin Studentin, auch wenn Du nicht hingehen brauchst.

Hier im Forum hat auch mal jemand das Buch 'Nie wieder Chaos. So bekommen Sie Ihren Haushalt im Griff' von Cynthia Townley Ewer empfohlen. Es ist weniger ein Aufräumbuch, sondern gibt Anleitung, wie man den Haushalt führen kann.<ul><li>http://www.amazon.de/Nie-wieder-Chaos-bekommen-Haushalt/dp/3831010196/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1219492534&sr=8-1/</ul>

Wenn Du zu einzelnen Haushaltsproblemen Fragen hast, kannst Du auch im Internet bei frag-mutti.de nachschlagen:<ul><li>http://www.frag-mutti.de/</ul>


Du schreibst, dass Deine Mutter Deinen Haushalt macht. Warum zeigt und erklärt sie Dir bei der Gelegenheit nicht, wie Du es in Zukunft selbst tun kann? Wahrscheinlich sind Mütter so. Das höre ich auch von verschiedenen Freundinnen, dass man auch als Erwachsener für die Eltern immer Kind bleibt.

Gibt es andere Menschen in Deiner Umgebung, die Dir den Haushalt erklären können? Großeltern, Tanten? Gerade habe ich noch eine Idee (ist jetzt geschrieben wie gedacht): vielleicht gibt es ja in der näheren oder weiteren Nachbarschaft eine ältere Frau, die Hilfe im Haushalt gebrauchen kann, sich aber keine Haushaltshilfe leisten kann. Dann könntest Du hingehen, ihr unter ihrer Anleitung (sie erklärt Anfangs jeden Schritt) in ihrem Haushalt helfen. So könntest Du es lernen und wüsstet dann später, wie Du Deinen eigenen Haushalt führst. Ich erkenne aber schon den Nachteil: die Zeit, die Du bei der älteren Dame verbringst, fehlt dann bei Deinem Haushalt. Vielleicht läßt sich das ja auf eine kleine Stundenzahl begrenzen. Nur mal geschrieben wie gedacht. Wahrscheinlich funktioniert es nicht. Ich lasse es trotzdem stehen. Vielleicht bringt es Dich ja auf die Idee für eine Lösung, die wirklich praktikabel ist.

Und dann eben der Ex in der gleichen Stadt, dazu schrieb ich schon: Es hat einfach keinen Sinn dank seines Messitums und PS, aber ich sehe die Gefahr, dass wir dort - entgegen aller Vernunft - wieder zusammen kommen. Nein, nein, nein. Nie wieder Messitum! Ich will das endlich, endlich hinter mir lassen.
Auf jede Fall werden wir uns NICHT aus dem Weg gehen können. Wir sind beide in der selben Szene unterwegs. Ich könnte nie ausgehen, und zur Entspannung die Freiheit nach getaner Arbeit genießen.

Das ist natürlich ein Argument. Und wenn Du später (falls Du Dein Studium fortsetzt) in die Nähe Deines Studienortes ziehst? Tagsüber an die Uni. Abends nach Hause in der anderen Stadt, bei guten Zugverbindungen und Semesterticket könnte das funtionieren.

Ich sollte noch erwähnen, dass zwischen meinen jetzigen Wohnort und dem Studiumort 350 km liegen. So einfach mal hingegen ist leider nicht.

Das mit dem Urlaubssemester kannst Du wahrscheinlich auch schriftlich und telefonisch regeln. Erstmal anrufen und fragen, welche Schritte Du unternehmen mußt. Und dann schriftlich den Antrag stellen, Kopie vom Attest mit im Umschlag, und was die sonst noch sehen wollen und dann ab in den nächten Briefkasten. Wenn Du krankgeschrieben bist, kann auch keiner von Dir erwarten, dass Du mal eben 350 km durch die Gegend fährst.

Und wenn Du nach den Urlaubssemestern doch noch Dein Studium abschließen möchtest, hast Du zwei Möglichkeiten:
a) Du wechselst die Uni
b) Wenn Du nicht mehr zu Seminaren mußt, sondern 'nur' noch Prüfungen und die Diplomarbeit anstehen, kannst Du auch für die Gespräche mit den Profs zum Telefon oder zur E-Mail greifen. Für die Prüfungen selbst kannst Du, wenn es nicht so viele sind, von Deinem Wohnort anreisen und in einer B&B-Pension übernachten. Um während der Diplomarbeitsphase und der Prüfungsvorbereitung an Literatur zu kommen, kannst Du in die Nähe einer anderen Uni ziehen und dort die UB (und die Fachbibliotheken) nutzen. Wahrscheinlich wirst Du dort recht problemlos einen Bibliotheksausweis bekommen. Ich habe von der Uni an meinem Geburtsort einen (immer noch gültigen) Ausweis obwohl ich dort nie studiert habe.

Ich sage NICHT, dass Du es so machen musst. Dies sind Möglichkeiten. Vielleicht bringt es Dich auf die Idee für eine bessere Lösung.

[Fortsetzung folgt]

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang) Teil 2

Sabine, Samstag, 23.08.2008, 14:52 (vor 6346 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte,

hier bin ich wieder. Der ganze Text paßte nicht in ein Posting, deshalb hier die Fortsetzung.

Und da ist noch etwas anderes Emotionales (d.h. nicht unbedingt rational) bezüglich Studium und Ex [...] Viele fragten mich, woher ich denn die Kraft habe. Durch ihn. Trotz allen anderen Nachteilen. Es verging in 5 Jahren Studium kaum ein Tag, wo ich nicht das Bild meines Abschluss visualisierte, ihn an meiner Seite. Ich trage ja dank Ehe seinen Nachnamen, bis vor kurzen mit sehr viel Stolz. Seinen Namen und ein Doktor davor. Ihn bei der Doktortitel Verleihung an meiner Seite. Exakt dieses Bild hat mir die Kraft gegeben und ist nun zerstört. Jetzt geht es nur noch "um einen Job". Damit die letzten Jahren eben nicht "sinnlos" waren. Das ist mir zu wenig für den ganzen Aufwand. Denn wie gesagt, wenn ich zurück zur Uni gehe, dann purzel ich direkt in den Abschluss: Stress! Stress! Megastress!

Woher kommt die Begeisterung für Dein Studienfach? Kommst sie wirklich aus Dir selbst? Sitzt sie tief in Dir drin? Dann wird die Begeisterung zurückkommen, wenn Du Dich erholt hast.
Oder war die Begeisterung nur an Deinen Ex-Mann geknüpft. Die erfolgreiche Diplom-Xxx neben dem erfolgreichen Dokter der Yyy? War die Begeisterung nur fremdbestimmt von einem Bild das Du Dir gemacht hast? Dann könnte es sogar besser sein, wenn Du nicht weiter studierst.
Aber wahrscheinlich ist es besser, das später zu entscheiden. Denn jetzt brauchst Du erstmal Zeit und Ruhe, um Deine Gefühle zu sortieren und Dich mit Deinen aktuellen Baustellen zu beschäftigen. Deshalb gib Dir einen Ruck und beantrage das Urlaubssemester. Denk an dieses beschwingte Gefühl, wenn alles noch offen ist.

Da ist sogar noch ein ganzes anderes profanes wie dämliches Problem: Ich WILL therapeutische Hilfe. Unbedingt. Seit 1 bis 2 Jahren wollte ich das schon. Aber ich hatte doch keine Zeit dafür!!! Und wenn ich jetzt wieder zurück gehe, werde ich - siehe oben - garantiert keine Zeit für eine Thera nebenbei haben! Und ich möchte doch endlich was FÜR MICH tun.

Genau, mit einer Anzahl Urlaubssemester kannst Du Dir die Zeit und die Ruhe nehmen, die Du brauchst.

Mit der selfmade-Burnout-Diagnose wäre ich vorsichtig. Man könnte mir auch Depression unterstellen. Und Coabhängigkeit. Oder alles drei.

Deshalb sagte ich auch nur, es KLINGT für mich nach Burnout.

Ich war mal eine zeitlang beim Uni-Psychologen, der ganz besonders für die spezielle Problematik geschult war. Der hat mir sehr viel Mut gemacht, und ist im Gegenteil der Meinung, dass da eher die Gesellschaft schuld sei, aber es "keinen inneren seelischen Konflikt" gebe.

Wenn jemand durch Umstände und Hindernisse, die einem die Gesellschaft in den Weg geworfen hat, immer wieder am Handeln und Fortkommen gehindert wird, kann dies krank machen. Ohne es jetzt direkt auf Dich zu beziehen, ist es bei Burnout typisch, das die Umgebung fast immer schuldig ist, durch fehlende Rücksichtnahme, fehlendes Verständnis, fehlende Achtsamkeit.

Wie auch immer, auch wenn die Gesellschaft schuld ist, bist Du doch diejenige, die jetzt mit den Folgen leben muss. Die Gesellschaft kann man nur sehr langfristig ändern. Deshalb bleib dran und hole Dir alle Hilfe die du kriegen kannst.

Du bist schon auf dem richtigen Weg. [image]

Und hier noch mal ein kleiner Schubser: Auf auf, zum Arzt! [image] Und auf, auf zum Studierendensekretariat! [image] Und dann hast Du alle Zeit der Welt um Dich zu erholen. [image]

Nur Mut, Du schaffst es. [image]


Grüße, [image]
Sabine

Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang) Teil 2

Astarte, Samstag, 23.08.2008, 18:49 (vor 6345 Tagen) @ Sabine

Diesmal möchte ich es sehr kurz machen. Ich stimmte Dir bereits zu, dass Du vollkommen Recht hast, deswegen nur kurz:

Was gäbe ich darum, genau DAS mal von einem meiner Freunde zu hören. Oder noch besser (aber kein zwingendes Muss) von meinem Ex! Genau das! Das würde mir so viel bedeuten. Dann könnte ich es vermutlich auch annehmen, ganz frei von Aber's. Ich träume sogar schon davon.

Was meine Mutter angeht: Es ist nicht so dass sie mich "bevormundet" und für "unfähig" hält. Sie ist - so hart das auch klingt - einfach eine boshafte, kranke Frau, nur beim Enkel lässt sie die liebe Oma raus, aber auch mit ihren entsprechenden Macken. Boshaft im Sinne von: Sie gibt ihren Kinder die Schuld, dass sie seit 40 Jahren sich nie um ihre Probleme gekümmert hat, und das lässt sie jeden in der Familie spüren. Nicht nur mich. Hier würde sie keiner mögen, denn aus ihrer Sicht gehört jeder eingesperrt und erschossen, der keine 50.000 Euro Küche hat, in der man nicht vom Boden essen kann. Ihre Küche ist nur Deko, gekocht wird im ehemaligen Gästezimmer, der Ersatzküche. Sie nahm mich nur sehr widerwillig auf. Nur wegem dem Kind. Die Begrüßungsworte: "Ist mir scheißegal was aus Dir wird, hauptsache die Kleine ist bei mir!" Die Gratulation zum Abi sah so war: "Und? Du wirst eh ein Versager bleiben, genau wie dein Vater und deine Schwester!". Als ich es wagte zum Kindergeburtstag fremde Leute in MEINE (alte) Wohnung einzuladen, wurde sie so hysterisch, dass sie handgreiflich wurde (es folgte ein Hausverbot). Grund dafür gabs nicht. Außer dass sie Angst vor Fremden Menschen hat. Bis ich 18 war durfte ich nie Besuch empfangen, weil es ja sooo fürchtlich aussah (Anmerk: Man konnte vom Boden essen). Alleweil bekommt sie Panikattacken, die sich bei ihr aggressiv äußern, und vieles mehr.

Kurz: Es geht nicht darum mich als unfühig abzustempeln oder Vormund zu sein. Sie verteilt ihr pures Gift ganz simple auch ohne Grund. Es bedarf keiner Erklärung. Sie will mich nicht hier. Ich hier nicht sein. Sie will NUR das Kind, und das mir am liebsten ganz wegnehmen, und nicht nur ich hab mir ihr Probleme.

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