Messie im Stress: Wie positioniere ich mich gegenüber meiner Messie Frau (Angehörige)

Herbert, Samstag, 19.05.2007, 12:40 (vor 6810 Tagen)

Ich stehe aktuell vor einem immer wiederkehrenden Problem:

Meine Frau ist beruflich sehr angespannt und das Chaos nimmt überhand.

Gleichzeitig versucht sie, wenn sie bei Haushaltsaktivitäten im Chaos versinkt (zum Beispiel beim Essen machen), mich spontan mit einzuspannen.
So nach dem Motto: "Komm mal schnell und trag das Salz auf den Tisch - ich weiß jetzt auch nicht wo es steht - guck mal hier ach nee guck mal da..."
Wenn das Ganze dann in einem Desaster endet (Küche durcheinander, Frau gereizt und erschöpft), bekomme ich häufig die Schuld dafür ("Du hättest mir ja auch mal helfen können...")
Man verstehe mich jetzt bitte nicht falsch .... ich habe überhaupt kein Problem damit, im Haushalt zu arbeiten aber ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, die Aktionen meiner Frau im Haushalt als abgeschlossene Tätigkeiten zu betrachten, die sie sich zur Aufgabe gemacht hat und auch erfüllen sollte. Ich möchte nicht bei einem Hilfeschrei ihrerseits mit ihr in der vollgerümpelten Küche stehen und hier mal ein Salatblättchen waschen und dort mal eine Ölflasche aufmachen.
Geht es darum als separate Aktion den Tisch zu decken oder abzuräumen bin ich dabei.


Bin mir mit meiner Haltung (natürlich) etwas aunsicher, da meine Frau regelmäßig
ein Problem damit hat und es oft zum Streit kommt.

Ein weiteres Problem in solch intensiven Messiephasen ist das Anbringen von Kritik. Ich merke natürlich, daß meine Frau extrem unter Druck steht aber auf der anderen Seite denke ich schon, daß ich die Dinge die nicht i. O. sind (offene Schubladen, Zeitungsstapel, Wäscheberge, vergeigte Termine ...) auch ansprechen muß.
Auch hier begegnet mir meine Frau mit Unverständnis.

Vielleicht hat ja jemand Tipps für mich.

Fragen

Helga-Maria, Sonntag, 20.05.2007, 12:58 (vor 6809 Tagen) @ Herbert

Hallo,

aus deinem Posting geht leider nicht eure genaue Situation hervor:

Arbeitest du auch? Wie lange? Genauso stressig wie deine Frau? Habt Ihr Kinder? Habt ihr genau getrennte, abgesprochene Arbeitsteilung im Haushalt (evtl. schriftlich abgefasst, damit keine Unklarheiten aufkommen)? Würdest du ihr zeitweilig mehr helfen, wenn sie dich bitten würde, komplette Arbeitsabläufe zu übernehmen?

Schreib bitte mehr
Liene Grüße,

Helga-Maria

Re: Fragen

Herbert, Sonntag, 20.05.2007, 15:27 (vor 6809 Tagen) @ Helga-Maria

Hallo,
aus deinem Posting geht leider nicht eure genaue Situation hervor:
Arbeitest du auch? Wie lange? Genauso stressig wie deine Frau? Habt Ihr Kinder? Habt ihr genau getrennte, abgesprochene Arbeitsteilung im Haushalt (evtl. schriftlich abgefasst, damit keine Unklarheiten aufkommen)? Würdest du ihr zeitweilig mehr helfen, wenn sie dich bitten würde, komplette Arbeitsabläufe zu übernehmen?
Schreib bitte mehr>Liene Grüße,
Helga-Maria

Ich arbeite ca. 50 h /Woche als leitender Angestellter und bin nur am Wochenende zu Hause.
Meine Frau arbeitet im Jahresschnitt 25 - 30 h /Woche.
Wir haben die klare Vereinbarung, daß Sie sich um Garten und Haushalt kümmert (allerdings nicht schriftlich).
Ich übernehme Renovierungen, Reparaturen, Anstricharbeiten außen (wir haben ein Holzhaus) und schwere körperliche Arbeiten (Büsche schneiden und roden, Rasenmähen etc.).
Ich würde ihr auch komplette Arbeitsabläufe abnehmen, wenn Sie mich darum bitten würde (z. B., daß ich mich an einem Wochenende um die Wäsche kümmern soll).
Derartige Bitten sind aber noch nie von ihr gekommen, sondern vielmehr die von mir genannten "kleinen" Anfragen, wenn Sie im Chaos nicht weiter kommt.

Re: Fragen

muecke, Montag, 18.06.2007, 11:11 (vor 6780 Tagen) @ Herbert

Hallo Herbert,

wenn deine Frau nur nicht mit dem Haushalt zurechtkommt, wenn sie in der Woche noch 45 h arbeitet, dann ist sie kein Messie, sondern einfach überfordert.

Vielleicht wäre ein Rollentausch für dich mal ganz nützlich.

Wie kommst du denn damit zurecht Haus, Garten, Tiere zu versorgen und dabei noch Vollzeit zu arbeiten?

Einfach ohne Aufforderung beim Kochen zu helfen, auch wenn es kein abgeschlossener Vorgang ist, ist doch nicht wirklich schwer.

Vielleicht hilft es euch, wenn ihr miteinander redet.
Das heißt zuhören und das gesagte auch aufnehmen. Deutlich sagen, was man eigentlich möchte. Nachfragen, wie der Andere das Gesagte verstanden hat.

Guck vielleicht auch mal auf deiner Seite des Zauns.

LG muecke

Re: Fragen

Herbert, Sonntag, 20.05.2007, 15:59 (vor 6809 Tagen) @ Helga-Maria

Noch ein paar Zusatzinformationen zum besseren Verständnis:
- Wir haben keine Kinder
- 1 x die Woche kommt eine Haushaltshilfe für ca. 5 h
- Wir haben 2 Hunde und ein Pferd. Diese Hobbies kosten natürlich auch Zeit. Während der Woche kümmert sich meine Frau hauptsächlich um die Tiere, am Wochenende ich.
- Wenn meine Frau 25 - 30 h /Woche im Jahresdurchschnitt arbeitet, dann kann das auch bedeuten, daß Sie mal auf 45 h die Woche kommt und später auch mal wieder ein paar Wochen frei hat. Es läuft bei ihr halt sehr unregelmäßig.

Streß gibt es natürlich dann, wenn Sie über ein paar Wochen lang viel arbeiten muß.
Dann läßt sie Schubladen offen stehen, bezahlt Rechnungen nicht, verliert Schlüssel, räumt ihr Geschirr und ihre Kleidungsstücke nicht weg, verschwitzt private Termine etc. etc. Kurzum - das Chaos gewinnt richtig Oberhand.

Anregungen

Helga-Maria, Montag, 21.05.2007, 00:15 (vor 6808 Tagen) @ Herbert

Das mit den unregelmäßigen Arbeitszeiten deiner Frau ist natürlich ein ernstzunehmender Stressfaktor, weil Planung so kaum möglich ist und sich Routinen nur schwer einstellen können. Und dann noch so viel Arbeit mit dem Haus und den Tieren, wer käme damit schon zurecht??

In den Wochen, in denen deine Frau bis zu 45 Stunden arbeitet und/oder viel beruflichen Stress hat, kann sie unmöglich den Haushalt allein schmeißen. Es ist möglich, dass sie sich nicht traut, deutliche Forderungen an dich zu stellen und mit den von dir kritisierten (Salzstreuer-)Hilferufen signalisiert, dass sie von dir mehr (unaufgeforderte!) Hilfe erwartet.

Wenn sie nur in diesen Zeiten Schubladen offen stehen lässt, Rechnungen nicht bezahlt, Schlüssel verliert, etc. ist sie wahrscheinlich gar kein Messie, sondern einfach nur überfordert.

Könntet Ihr nicht eure Arbeitszeiten verringern? Einschränkungen im finanziellen Gebiet könnten durchaus mit einer Steigerung der Lebensqualität einhergehen.

Oder wäret ihr bereit, eure Hobbies einzuschränken (habt ihr momentan überhaupt Zeit für die Tiere??)?

Oder könntet ihr zumindest die Haushaltshilfe öfter heranziehen? Das müsste finanziell doch drin sein, so viel wie ihr arbeitet. (Außer ihr braucht das Geld, um das Haus zu bezahlen!? Ihr habt keine Kinder, falls ihr eh keine wollt, dann wäre eine Verkleinerung der Räumlichkeiten evtl. lebenserleichternd? )

Ich hoffe, ich konnte dir Anregungen geben. Falls das nicht in die Richtung ging, die du im Sinn hattest, fehlen mir evtl. noch Informationen, mit deren Hilfe ich eure Lage besser einschätzen könnte.

Empfehlen könnte ich euch noch das Buch "Was ich wirklich brauche" von Hildegard Ressel.

Falls das Chaos auch daher kommen sollte, dass ihr zu viel Krempel im Haus habt oder zu viele Dinge, die keinen Platz haben, wäre noch "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" von Karen Kingston eine wertvolle Hilfe. (Esoterische Abschnitte einfach überlesen, der sachliche Teil ist umwerfend gut!)

Gruß,

H.-M.

Re: Messie im Stress: Wie positioniere ich mich gegenüber meiner Messie Frau

HJ, Dienstag, 29.05.2007, 14:01 (vor 6800 Tagen) @ Herbert

Hi, ich kenne jetzt leider zu wenig von Eurer sonstigen Situation, was sonst noch so um Euch herum passiert oder passiert ist. Ein Messie ist ja nicht nur jemand, der in seinem Müll erstickt, davor gibt es noch verschiedene andere Stufen.
Soviel aus meiner Erfahrung:
Meine Frau ist ein so genannter Chaot, eine Vorstufe des Messies. Chaoten und Messies haben nie gelernt für sich zu priorisieren. Sie können es nicht, weil sich Ihre emotionalen Bindungen tatsächlich auf Dinge und die damit verbundenen Träume und Wünsche konzentrieren. All Ihre Dinge sind damit wichtig! Sie sind, brutal ausgedrückt, in Ihrer Entwicklung zurückgeblieben. Messies reagieren sehr heftig auf Kritik, auch auf konstruktive Kritik, weil sie Kritik als Schuld und damit als Verletzung des Selbstwertes begreifen müssen. Ihr tiefstes Verlangen ist anschließend, diese Schuld weit von sich zu weisen und einem anderen, nahe stehenden Menschen zuzuweisen. Es ist ein sehr komplexes Thema und ich habe Jahre benötigt um das alles so zu begreifen um dann umgehend in die nächste Falle zu tappen. Weil ich meine Frau liebte, habe ich versucht, Ihr zu helfen. Ich habe mich Stück für Stück für das Chaos meiner Frau verantwortlich machen lassen, habe "verstanden" und ausgebügelt. Ich habe versucht, meinen Kindern nicht nur Vater, sondern ein Stück auch Mutter zu sein. Heute stehe ich ausgebrannt da und habe erst jetzt endgültig verstanden. Ich bin platt von den Schuldzuweisungen. Deshalb mein Tipp: Wenn Du noch keine Kinder hast, renne so weit Du kannst. Ein Messie bleibt ein Messie. Besserung tritt dann erst ein, wenn der Messie sich seinem Problem stellt und in Behandlung geht. Aber auch das ist nur Besserung, keine "Heilung".
Studiere mal diese Seiten:

http://www.messie-selbsthilfe.de/publikationen/ratundhilfe.htm

Es ist schwere Kost aber verdammt richtig.

Re: Da hast du gar nicht so unrecht!

Hannes, Dienstag, 29.05.2007, 15:31 (vor 6800 Tagen) @ HJ

meine Meinung ist auch, dass die Angehörigen meistens viel mehr leiden als die (uneinsichtigen und nicht-veränderungsbereiten) Betroffenen, da das Messieverhalten für die Betroffenen ja bereits die Lösung ist für ihre Schwierigkeiten, auch wenn es keine Lösung für dauerhaft ist.

Hannes

Re: Da hast du gar nicht so unrecht!

Herbert, Freitag, 01.06.2007, 20:13 (vor 6797 Tagen) @ Hannes

meine Meinung ist auch, dass die Angehörigen meistens viel mehr leiden als die (uneinsichtigen und nicht-veränderungsbereiten) Betroffenen, da das Messieverhalten für die Betroffenen ja bereits die Lösung ist für ihre Schwierigkeiten, auch wenn es keine Lösung für dauerhaft ist.
Hannes

Vielen Dank für Eure verständnisvollen Stellungnahmen und Infos.
Ich kann so gut nachvollziehen, daß das kraftraubende und hoffnungslose Dasein der Angehörigen nur schwer erträglich ist. Es ist wirklich schwer nicht selbst "vor die Hunde zu gehen".
Ich kann auch nur schwer erkennen, daß meine Messie Frau wirklich leidet - allerdings stelle ich mir vor, daß sie ständig vor sich selbst wegläuft (Stichwort: Veränderungsbereitschaft). Das ist auch keine schöne Perspektive aber auch kein Trost für mich.
Ich baue immernoch auf die Politik der kleinen Schritte (mit all Ihren Rückschlägen) und hoffe, daß wir irgendwann mal auf einen guten Weg kommen (immerhin begleitet sie mich zu einer Paarberatung).

Re: Da hast du gar nicht so unrecht!

HJ, Sonntag, 03.06.2007, 14:39 (vor 6795 Tagen) @ Herbert

meine Meinung ist auch, dass die Angehörigen meistens viel mehr leiden als die (uneinsichtigen und nicht-veränderungsbereiten) Betroffenen, da das Messieverhalten für die Betroffenen ja bereits die Lösung ist für ihre Schwierigkeiten, auch wenn es keine Lösung für dauerhaft ist.
Hannes

Vielen Dank für Eure verständnisvollen Stellungnahmen und Infos.
Ich kann so gut nachvollziehen, daß das kraftraubende und hoffnungslose Dasein der Angehörigen nur schwer erträglich ist. Es ist wirklich schwer nicht selbst "vor die Hunde zu gehen".
Ich kann auch nur schwer erkennen, daß meine Messie Frau wirklich leidet - allerdings stelle ich mir vor, daß sie ständig vor sich selbst wegläuft (Stichwort: Veränderungsbereitschaft). Das ist auch keine schöne Perspektive aber auch kein Trost für mich.
Ich baue immernoch auf die Politik der kleinen Schritte (mit all Ihren Rückschlägen) und hoffe, daß wir irgendwann mal auf einen guten Weg kommen (immerhin begleitet sie mich zu einer Paarberatung).

Hallo Hannes!

Ich wünsche Dir alle Kraft, die Du brauchst, aber achte bitte auch auf Dich. Messies sind clever und ausdauernd.

Das Leid des Messies ist meiner Beobachtung nach ein anderes, ein für den Betroffenen wohl noch schwerer zu fassendes, nämlich das des totalen Versagens und der Wertlosigkeit. Diese Gefühle spielen sich auf der 2ten Bewußtseinsebene ab, was sich in latenter Unzufriedenheit äußert. Deshalb auch das ständige Anfeinden und Angreifen des Partners.
Fazit: Wer sich selbst nicht liebt, kann auch andere nicht lieben.

Wie wirst Du weitermachen?

Re: Da hast du gar nicht so unrecht!

Herbert, Samstag, 16.06.2007, 17:33 (vor 6782 Tagen) @ HJ

Hallo Hannes!
Ich wünsche Dir alle Kraft, die Du brauchst, aber achte bitte auch auf Dich. Messies sind clever und ausdauernd.
Das Leid des Messies ist meiner Beobachtung nach ein anderes, ein für den Betroffenen wohl noch schwerer zu fassendes, nämlich das des totalen Versagens und der Wertlosigkeit. Diese Gefühle spielen sich auf der 2ten Bewußtseinsebene ab, was sich in latenter Unzufriedenheit äußert. Deshalb auch das ständige Anfeinden und Angreifen des Partners.
Fazit: Wer sich selbst nicht liebt, kann auch andere nicht lieben.
Wie wirst Du weitermachen?


Ich werde es mit der Politik der kleinen Schritte probieren..Das alles ist verdammt schwer.
Das Thema Anfeindungen ist natürlich ein massives Problem.
Irgendwann gehen bei mir auch mal die Nerven durch und ich fange an, meine Frau zu beschimpfen.
Man hat ja auch noch andere Dinge im Kopf als ständig darüber zu diskutieren, wie sinnvoll es ist gewisse Dinge aufzubewahren oder wofür man diese oder jene alte Plastiktüte jetzt am besten benutzen könnte.

Für mich wäre es mal sehr hilreich ein paar Tipps an die Hand zu bekommen, wie ich einen guten Kompromiß zwischen eigener Ressourcenschonung und effizienter Signalübermittlung an meine Frau finden kann.
Ich habe auf der einen Seite keine Lust die Begebenheiten einfach so hinzunehmen - sprich mich ins Chaos zu setzen und mir zu sagen "Sprich sie nicht drauf an, es bringt doch nichts - sie ist halt so" auf der anderen Seite möchte ich auch nicht in Diskussionen einsteigen, in den ich ihr indizienmäßig nachweise , daß sie jetzt eben mal Mist gebaut hat - das gibt ständig Stress. Ihre Ausflüchte und Anfeindungen (" Du hast ja aber neulich auch.." laden leider immer wieder zu Letzterem ein..

Hmm

Andre, Sonntag, 17.06.2007, 23:57 (vor 6780 Tagen) @ Herbert

Ich werde es mit der Politik der kleinen Schritte probieren..>Das alles ist verdammt schwer.
Das Thema Anfeindungen ist natürlich ein massives Problem.
Irgendwann gehen bei mir auch mal die Nerven durch und ich fange an, meine Frau zu beschimpfen.
Man hat ja auch noch andere Dinge im Kopf als ständig darüber zu diskutieren, wie sinnvoll es ist gewisse Dinge aufzubewahren oder wofür man diese oder jene alte Plastiktüte jetzt am besten benutzen könnte.
Für mich wäre es mal sehr hilreich ein paar Tipps an die Hand zu bekommen, wie ich einen guten Kompromiß zwischen eigener Ressourcenschonung und effizienter Signalübermittlung an meine Frau finden kann.
Ich habe auf der einen Seite keine Lust die Begebenheiten einfach so hinzunehmen - sprich mich ins Chaos zu setzen und mir zu sagen "Sprich sie nicht drauf an, es bringt doch nichts - sie ist halt so" auf der anderen Seite möchte ich auch nicht in Diskussionen einsteigen, in den ich ihr indizienmäßig nachweise , daß sie jetzt eben mal Mist gebaut hat - das gibt ständig Stress. Ihre Ausflüchte und Anfeindungen (" Du hast ja aber neulich auch.." laden leider immer wieder zu Letzterem ein..

Hallo Hannes,

Was meinst Du mit Signalübermittlung an Deine Frau?
natürlich kannst Du es nicht so stehen lassen und einfach nur zuschauen, wie sie im Chaos versinkt, doch ich glaube sie auf das Chaos in der Weise anzusprechen wie Du es erzählt hast, wird von ihr als Kritik aufgefasst werden.
Und an Kritik hat sie sich selbst gegenüber schon genug.
Ein Messie sieht das Chaos ja selbst, und er leidet ja selbst schon darunter.
Ihn darauf anzusprechen- und das dann verständlicherweise noch in einem genervten Ton führt nur dazu, dass sich der Messie wehrt und verteidigt.
Ich denke eher dass Du Erfolg haben könntest, wenn Du es als Krankheit siehst aus der sie sich herausarbeiten kann.
Bedeutet:
Wenn Du siehst, sie kann sich nicht aufraffen, gibt ihr eine Anfangshilfe und Struktur.
Mach mit ihr zu Beginn wenige Aufgaben aus, die sie erlediget und übernimm vieles anfangs selbst, sodass sie die wenigen Aufgaben wirklich leisten kann und sieht dass es sie es kann.
Lobe sie dafür wenn etwas geklappt hat (selbst wenn etwas anderes nicht geklappt hat)- es ist für einen Messie anfangs eine große Leistung was Dir eventuell mit links gelingt.
Kritisiere nicht. Spreche aber an, wenn vereinbarte Aufgaben nicht erledigt wurden. Frage warum sie es nicht geschafft hat. Biete Hilfe an, aber übernimm nichts für sie , das sie selbst leisten kann, das würde das Versagensgefühl nur stärken. Was sie leisten kann, das sind eben am Anfang die fest ausgemachten und stukturierten Einzelaufgaben.
Versuche mit ihr gemeinsam eine Verhaltenstherapie zu suchen und klärt ab, ob der Messieproblematik eine anderweitige psychische Krankheit zu grunde liegt.
Fragt ob ihr Unterstützung im Haushalt bekommen könnt.
Kritik führt zu innerer Spannung- damit hilfst Du ihr nicht langfristig.
Klar- kurzfristig kann Druck dazu führen, dass ein Messie durch Schnellputzaktionen ein wenig des Chaos beiseite schafft, aber das löst das Problem nicht. Ich denke, dass im Gegenteil eher das Herausnehmen von Druck und die Arbeit mit positiven Rückmeldungen und die Vermittlung eines positiven Selbstbildes dem Messie Spannung nimmt. Oft steht der Messie unter einem solchen inneren Druck, dass er nichts mehr koordinieren kann. Er weiß dann einfach nicht mehr wo anfangen, ist ablenkbar und hat das Gefühl nichts mehr auf die Reihe zu bekommen. Alles wird angefangen nichts zuende gebracht. Oder: Nichts wird angefangen, weil sich die Impulse im Kopf so lange streiten, bis er von selbst abschaltet und der Messie wie gelähmt ist.
Hier hilft eine führende Hand die erst versteht, dann strukturiert, dann lobt und mit der Zeit auch einfordert was individuell wirklich im Krankheitsstadium leistbar ist.

Von Angehörigen von Suchtkranken her kennt man sie negativen Auswirkungen von Kritik und Kontrolle. Leider vertieft sich hierdurch das negative Verhalten des Kranken noch, da er an Selbstwertgefühl verliert und dies dann erst recht mit Suchtmitteleinnahme kompensiert. Hier lernen coabhängige sich vom Kreislauf aus Vorwürfen und rechtfertigungen zu distanzieren.

Man baut auf indem man an einen Menschen glaubt.
versuche das. Ist unheimlich schwer und vor allem bleibt am anfang echt viel an Dir hängen, aber es lohnt sich.

Wenn sie gelernt hat etwas erfolgreich zu machen und gelernt hat, dass auch Schwächen ok sind, kann sie vielleicht ihre Leistungsfähigkeit bezüglich des Ordnunghaltens ausbauen.

:-)

Liebe Grüße


Andre

Re: Hmm

Herbert, Montag, 18.06.2007, 13:54 (vor 6780 Tagen) @ Andre

Ich werde es mit der Politik der kleinen Schritte probieren..>>Das alles ist verdammt schwer.
Das Thema Anfeindungen ist natürlich ein massives Problem.
Irgendwann gehen bei mir auch mal die Nerven durch und ich fange an, meine Frau zu beschimpfen.
Man hat ja auch noch andere Dinge im Kopf als ständig darüber zu diskutieren, wie sinnvoll es ist gewisse Dinge aufzubewahren oder wofür man diese oder jene alte Plastiktüte jetzt am besten benutzen könnte.
Für mich wäre es mal sehr hilreich ein paar Tipps an die Hand zu bekommen, wie ich einen guten Kompromiß zwischen eigener Ressourcenschonung und effizienter Signalübermittlung an meine Frau finden kann.
Ich habe auf der einen Seite keine Lust die Begebenheiten einfach so hinzunehmen - sprich mich ins Chaos zu setzen und mir zu sagen "Sprich sie nicht drauf an, es bringt doch nichts - sie ist halt so" auf der anderen Seite möchte ich auch nicht in Diskussionen einsteigen, in den ich ihr indizienmäßig nachweise , daß sie jetzt eben mal Mist gebaut hat - das gibt ständig Stress. Ihre Ausflüchte und Anfeindungen (" Du hast ja aber neulich auch.." laden leider immer wieder zu Letzterem ein..

Hallo Hannes,
Was meinst Du mit Signalübermittlung an Deine Frau?
natürlich kannst Du es nicht so stehen lassen und einfach nur zuschauen, wie sie im Chaos versinkt, doch ich glaube sie auf das Chaos in der Weise anzusprechen wie Du es erzählt hast, wird von ihr als Kritik aufgefasst werden.
Und an Kritik hat sie sich selbst gegenüber schon genug.
Ein Messie sieht das Chaos ja selbst, und er leidet ja selbst schon darunter.
Ihn darauf anzusprechen- und das dann verständlicherweise noch in einem genervten Ton führt nur dazu, dass sich der Messie wehrt und verteidigt.
Ich denke eher dass Du Erfolg haben könntest, wenn Du es als Krankheit siehst aus der sie sich herausarbeiten kann.
Bedeutet:
Wenn Du siehst, sie kann sich nicht aufraffen, gibt ihr eine Anfangshilfe und Struktur.
Mach mit ihr zu Beginn wenige Aufgaben aus, die sie erlediget und übernimm vieles anfangs selbst, sodass sie die wenigen Aufgaben wirklich leisten kann und sieht dass es sie es kann.
Lobe sie dafür wenn etwas geklappt hat (selbst wenn etwas anderes nicht geklappt hat)- es ist für einen Messie anfangs eine große Leistung was Dir eventuell mit links gelingt.
Kritisiere nicht. Spreche aber an, wenn vereinbarte Aufgaben nicht erledigt wurden. Frage warum sie es nicht geschafft hat. Biete Hilfe an, aber übernimm nichts für sie , das sie selbst leisten kann, das würde das Versagensgefühl nur stärken. Was sie leisten kann, das sind eben am Anfang die fest ausgemachten und stukturierten Einzelaufgaben.
Versuche mit ihr gemeinsam eine Verhaltenstherapie zu suchen und klärt ab, ob der Messieproblematik eine anderweitige psychische Krankheit zu grunde liegt.
Fragt ob ihr Unterstützung im Haushalt bekommen könnt.
Kritik führt zu innerer Spannung- damit hilfst Du ihr nicht langfristig.
Klar- kurzfristig kann Druck dazu führen, dass ein Messie durch Schnellputzaktionen ein wenig des Chaos beiseite schafft, aber das löst das Problem nicht. Ich denke, dass im Gegenteil eher das Herausnehmen von Druck und die Arbeit mit positiven Rückmeldungen und die Vermittlung eines positiven Selbstbildes dem Messie Spannung nimmt. Oft steht der Messie unter einem solchen inneren Druck, dass er nichts mehr koordinieren kann. Er weiß dann einfach nicht mehr wo anfangen, ist ablenkbar und hat das Gefühl nichts mehr auf die Reihe zu bekommen. Alles wird angefangen nichts zuende gebracht. Oder: Nichts wird angefangen, weil sich die Impulse im Kopf so lange streiten, bis er von selbst abschaltet und der Messie wie gelähmt ist.
Hier hilft eine führende Hand die erst versteht, dann strukturiert, dann lobt und mit der Zeit auch einfordert was individuell wirklich im Krankheitsstadium leistbar ist.
Von Angehörigen von Suchtkranken her kennt man sie negativen Auswirkungen von Kritik und Kontrolle. Leider vertieft sich hierdurch das negative Verhalten des Kranken noch, da er an Selbstwertgefühl verliert und dies dann erst recht mit Suchtmitteleinnahme kompensiert. Hier lernen coabhängige sich vom Kreislauf aus Vorwürfen und rechtfertigungen zu distanzieren.
Man baut auf indem man an einen Menschen glaubt.
versuche das. Ist unheimlich schwer und vor allem bleibt am anfang echt viel an Dir hängen, aber es lohnt sich.
Wenn sie gelernt hat etwas erfolgreich zu machen und gelernt hat, dass auch Schwächen ok sind, kann sie vielleicht ihre Leistungsfähigkeit bezüglich des Ordnunghaltens ausbauen.
:-)
Liebe Grüße

Andre


Danke für die konstruktive Hilfe - ist für mich zum Großteil sehr gut nachvollziehbar.
Ich denke eines meiner Hauptprobleme ist, daß ich eben nicht glaube, daß meine Frau das Chaos sieht.Ich habe vielmehr den Eindruck, daß sie a) massiv ausblendet und/oder b) eine Philosophie daraus macht ("muß doch nicht immer alles ordentlich sein").
Bei mir kommt leider überhaupt nicht an, daß sie ein Problem mit dem Durcheinander und dem Dreck hat. Das läßt mich immer verzweifelter strampeln..

Re: vielleicht Trennung auf Probe oder langfristig 2 Wohnungen?

Hannes, Montag, 18.06.2007, 15:55 (vor 6780 Tagen) @ Herbert

Ich denke eines meiner Hauptprobleme ist, daß ich eben nicht glaube, daß meine Frau das Chaos sieht.Ich habe vielmehr den Eindruck, daß sie a) massiv ausblendet und/oder b) eine Philosophie daraus macht ("muß doch nicht immer alles ordentlich sein").
Bei mir kommt leider überhaupt nicht an, daß sie ein Problem mit dem Durcheinander und dem Dreck hat. Das läßt mich immer verzweifelter strampeln..

Hallo Herbert,

die Tipps von Andre finde ich sehr gut, vorrausgesetzt, die Person ist auch wirklich bereit, an sich zu arbeiten und etwas zu ändern. In deinem Fall könnte es allerdings tatsächlich anders sein.

Deshalb würde ich als Angehöriger verlangen, dass die Ursache des Problems abgeklärt wird. Steckt eine Depression, eine Schilddrüsenunterfunktion, ADS oder sonst etwas dahinter? Sind es eventuell wirklich nur verschiedene Ordnungsvorstellungen und gar keine Krankheit? In diesem Fall würde ich darauf bestehen, dass ein Kompromiss gefunden wird oder eine Haushaltshilfe engagieren oder mich zumindest räumlich trennen.

Hannes

Re: vielleicht Trennung auf Probe oder langfristig 2 Wohnungen?

Herbert, Freitag, 22.06.2007, 19:17 (vor 6776 Tagen) @ Hannes

Ich denke eines meiner Hauptprobleme ist, daß ich eben nicht glaube, daß meine Frau das Chaos sieht.Ich habe vielmehr den Eindruck, daß sie a) massiv ausblendet und/oder b) eine Philosophie daraus macht ("muß doch nicht immer alles ordentlich sein").
Bei mir kommt leider überhaupt nicht an, daß sie ein Problem mit dem Durcheinander und dem Dreck hat. Das läßt mich immer verzweifelter strampeln..>Hallo Herbert,

die Tipps von Andre finde ich sehr gut, vorrausgesetzt, die Person ist auch wirklich bereit, an sich zu arbeiten und etwas zu ändern. In deinem Fall könnte es allerdings tatsächlich anders sein.
Deshalb würde ich als Angehöriger verlangen, dass die Ursache des Problems abgeklärt wird. Steckt eine Depression, eine Schilddrüsenunterfunktion, ADS oder sonst etwas dahinter? Sind es eventuell wirklich nur verschiedene Ordnungsvorstellungen und gar keine Krankheit? In diesem Fall würde ich darauf bestehen, dass ein Kompromiss gefunden wird oder eine Haushaltshilfe engagieren oder mich zumindest räumlich trennen.
Hannes

Hallo Hannes,
die Ursache des Problems läßt sich leider nicht so leicht herausfinden - ich kann mit meiner Frau leider kaum darüber reden. Das geht eigentlich nur gemeinsam mit dem Paartherapeuten.
Meine Frau meint, Sie sei kein Messie sondern bloß ein bißchen chaotisch.Das sehe ich leider anders.Sehr viele Beschreibungen über das Verhalten von Messies treffen im Fall meiner Frau leider sehr gut zu.
Auch vieles von dem was Andre geschrieben hat trifft zu. Ich habe meine Frau neulich massiv unter Druck gesetzt (da ich emotional sehr aufgeladen war) - das Ende vom Lied war, daß Sie sich noch mehr abgeschottet hat und daß sie noch chaotischer wurde.


Eine Haushaltshilfe habe ich nach langen Diskussionen zwar engagieren dürfen, das macht die Sache zwar erträglicher, da es sauberer geworden ist - allerdings "verlagert" sich Vieles jetzt (z. B. müllt sie Räume voll, die sie vorher "geschont" hat).
Wir führen schon eine Wochenendehe und haben auch am Wochenende jeder unser eigenes Zimmer.
Problematisch sind die gemeinsam geutzten Räume - hier finden wir bez. Ordnung und Sammeln leider keinen gemeinsamen Kompromiß.

Eine Trennung wollen wir beide nicht, da wir uns (trotz allem) sehr sehr nahe stehen und viele Gemeinsamkeiten haben.

Danke für Eure Statements
Herbert

Re: Messie im Stress: Wie positioniere ich mich gegenüber meiner Messie Frau

Sandra, Montag, 18.06.2007, 09:09 (vor 6780 Tagen) @ Herbert

Hallo Hannes :-)
Du hast geschrieben:

Ich stehe aktuell vor einem immer wiederkehrenden Problem:

Meine Frau ist beruflich sehr angespannt und das Chaos nimmt überhand.<<<<<<<<<<<<

Es ist eine Doppelbelastung viel zu arbeiten und noch einen Haushalt zu führen.
dass Du bereit bist zu helfen ist gut und wichtig.Aber ich glaube nur zu helfen und dir Dinge wie Tischdecken zuweisen zu lassen reicht nicht ganz.
Eine Frage:
habt ihr eine klare Vereinbarung wer was macht?
Ich meine bei berufstätigen Frauen sollte klar sein, dass man sich den Haushalt hälftig teilt, denn beide gehen ja arbeiten.

Gleichzeitig versucht sie, wenn sie bei Haushaltsaktivitäten im Chaos versinkt (zum Beispiel beim Essen machen), mich spontan mit einzuspannen.

So nach dem Motto: "Komm mal schnell und trag das Salz auf den Tisch - ich weiß jetzt auch nicht wo es steht - guck mal hier ach nee guck mal da..."
Wenn das Ganze dann in einem Desaster endet (Küche durcheinander, Frau gereizt und erschöpft), bekomme ich häufig die Schuld dafür ("Du hättest mir ja auch mal helfen können..."<<<<<<<<<<<<<<

Ist es klar, dass Deine Frau ein Messie ist? Oder könnte sie einfach nur überfordert sein?
Auch gesunde Menschen reagieren bei Überforderung nämlich oft chaotisch.

Man verstehe mich jetzt bitte nicht falsch .... ich habe überhaupt kein Problem damit, im Haushalt zu arbeiten aber ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, die Aktionen meiner Frau im Haushalt als abgeschlossene Tätigkeiten zu betrachten, die sie sich zur Aufgabe gemacht hat und auch erfüllen sollte.<<<<<<<<<<<

Das finde ich richtig. Nur- wenn sie so ins Schleudern kommt, war die Aufgabe die sie sich vorgenommen hat wohl noch zu groß für sie.
Wenn sie wirklich Messie ist, dann sollte sie sich anfangs nur Dinge vornehmen, die sie auch bewältigen kann.

Ich möchte nicht bei einem Hilfeschrei ihrerseits mit ihr in der vollgerümpelten Küche stehen und hier mal ein Salatblättchen waschen und dort mal eine Ölflasche aufmachen.

Geht es darum als separate Aktion den Tisch zu decken oder abzuräumen bin ich dabei.<<<<<<<<<<

Dann macht das doch schon vorher aus. Nicht erst wenn sie ins Schleudern gekommen ist.

Habt ihr Kinder?
Habt ihr einen klaren Plan wer was wann macht (incl. Kindern) ?
Achtet ihr darauf die Arbeit des anderen zu respektieren?
Soll heißen: Wenn der Tisch aufgeräumt ist und der nächste isst was zwischendurch, dann trägt er auch selbst sein Geschirr weg.

Bist du in deiner Art mit Ordnung umzugehen Vorbild?
Soll heißen: Auch wenn du als Gesunder müde heimkommst schmeißt du deine Sachen nicht einfach über den Stuhl um sie am nächeten Tag aufzuräumen sondern bringst das gleich in Ordnung.
Das aufschieben nämlich macht ein Messie sofort nach und er kommt durcheinander.Während du es am nächsten Tag noch gut schaffst soetwas zu erledigen ist es für den Messie zu spät.

Bin mir mit meiner Haltung (natürlich) etwas aunsicher, da meine Frau regelmäßig

ein Problem damit hat und es oft zum Streit kommt.
Ein weiteres Problem in solch intensiven Messiephasen ist das Anbringen von Kritik. <<<<<<<<<<<

Ich glaube, dass Kiritik eher schadet, aber das steht bereits in anderen Antworten.

Ich merke natürlich, daß meine Frau extrem unter Druck steht aber auf der anderen Seite denke ich schon, daß ich die Dinge die nicht i. O. sind (offene Schubladen, Zeitungsstapel, Wäscheberge, vergeigte Termine ...) auch ansprechen muß.<<<<<<<<<<<<

Was die vergeigten Termine angeht:
Macht doch einen Kalender auf dem euer beider Termine stehen und besprecht morgens gemeinsam wer was vorhat.
So wirkt es nicht so als ob du sie ermahned erinnern würdest.
Eher als ob ihr einfach euren Tagesplan absprecht.

Liebe Grüße

Sandra

Re: Messie im Stress: Wie positioniere ich mich gegenüber meiner Messie Frau

Herbert, Montag, 25.06.2007, 22:16 (vor 6773 Tagen) @ Sandra


Hallo Hannes :-)
Du hast geschrieben:

Ich stehe aktuell vor einem immer wiederkehrenden Problem:

Meine Frau ist beruflich sehr angespannt und das Chaos nimmt überhand.<<<<<<<<<<<<

Es ist eine Doppelbelastung viel zu arbeiten und noch einen Haushalt zu führen.
dass Du bereit bist zu helfen ist gut und wichtig.Aber ich glaube nur zu helfen und dir Dinge wie Tischdecken zuweisen zu lassen reicht nicht ganz.
Eine Frage:
habt ihr eine klare Vereinbarung wer was macht?
Ich meine bei berufstätigen Frauen sollte klar sein, dass man sich den Haushalt hälftig teilt, denn beide gehen ja arbeiten.

Da ich deutlich mehr als meine Frau arbeite und während der Woche meinen eigenen Haushalt führe, gibt es folgende Vereinbarung:
Ich kümmere mich um Renovierung, Reparaturen im Haus und schwere Gartenarbeiten, meine Frau macht den Haushalt und leichte Gartenarbeiten.
Leider stellt meine Frau diese Vereinbarung immer dann in Frage, wenn Sie im Chaos ertrinkt.

Grundsätzlich bin ich bereit im Haushalt mitzuarbeiten, dann sollte es sich aber um größere Aktivitäten handeln wie mal für einen Tag um die Wäsche kümmern, Fenster putzen etc.
Derartige Anfragen kommen allerdings nicht. Nur, wenn meine Frau im Stress ist, kommen Bitten wie die mit dem Salzfaß.

Es ist für mich nicht ersichtlich, warum sie den Haushalt zeitmäßig nicht schaffen könnte (seit einigen Wochen kümmert Sie sich ca. 20 h/Woche um ihr Reithobby und der Haushalt bleibt auf der Strecke).

Gleichzeitig versucht sie, wenn sie bei Haushaltsaktivitäten im Chaos versinkt (zum Beispiel beim Essen machen), mich spontan mit einzuspannen.

So nach dem Motto: "Komm mal schnell und trag das Salz auf den Tisch - ich weiß jetzt auch nicht wo es steht - guck mal hier ach nee guck mal da..."
Wenn das Ganze dann in einem Desaster endet (Küche durcheinander, Frau gereizt und erschöpft), bekomme ich häufig die Schuld dafür ("Du hättest mir ja auch mal helfen können..."<<<<<<<<<<<<<<

Ist es klar, dass Deine Frau ein Messie ist? Oder könnte sie einfach nur überfordert sein?
Auch gesunde Menschen reagieren bei Überforderung nämlich oft chaotisch.

Meine Frau ist wahrscheinlich Messie - allerdings vielleicht nicht der ganz typische, da sie nicht depressiv und introvertiert ist.
Man kann sich in ihrem Zimmer vor lauter Kartons und vollen Wäschekörben kaum bewegen, an unserer kleinen Flurgaderobe hängen ca. 25 Jacken von ihr und sie benötigt zum Beispiel auch ein halbes Jahr um Videos wegzuschmeißen, die sie seit mehr als 5 Jahren nicht geguckt hat.
Alte Bücher stapelt sie im Wäschekeller, alte Kleidung im Vorratskeller.
Wenn ihr ein Vogel in das Auto macht (auf den Beifahrersitz im Cabrio) dann macht sie das wochenlang nicht weg.
Sie verliert pro Jahr 1 - 2 Uhren und hatte monatelang keinen gültigen Perso.

Man verstehe mich jetzt bitte nicht falsch .... ich habe überhaupt kein Problem damit, im Haushalt zu arbeiten aber ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, die Aktionen meiner Frau im Haushalt als abgeschlossene Tätigkeiten zu betrachten, die sie sich zur Aufgabe gemacht hat und auch erfüllen sollte.<<<<<<<<<<<

Das finde ich richtig. Nur- wenn sie so ins Schleudern kommt, war die Aufgabe die sie sich vorgenommen hat wohl noch zu groß für sie.
Wenn sie wirklich Messie ist, dann sollte sie sich anfangs nur Dinge vornehmen, die sie auch bewältigen kann.

Wenn sie das überschaut?! Sagen kann ich ihr das ja mal aber ich glaube das gibt Ärger.

Ich möchte nicht bei einem Hilfeschrei ihrerseits mit ihr in der vollgerümpelten Küche stehen und hier mal ein Salatblättchen waschen und dort mal eine Ölflasche aufmachen.

Geht es darum als separate Aktion den Tisch zu decken oder abzuräumen bin ich dabei.<<<<<<<<<<

Dann macht das doch schon vorher aus. Nicht erst wenn sie ins Schleudern gekommen ist.

Ich glaube das bringt nichts, da sie zu Beginn der Vorbereitungsaktion kein Gefühl für den Geamtumfang entwickelt.

Habt ihr Kinder? Nein
Habt ihr einen klaren Plan wer was wann macht (incl. Kindern) ?
Achtet ihr darauf die Arbeit des anderen zu respektieren?
Soll heißen: Wenn der Tisch aufgeräumt ist und der nächste isst was zwischendurch, dann trägt er auch selbst sein Geschirr weg.
Bist du in deiner Art mit Ordnung umzugehen Vorbild?
Soll heißen: Auch wenn du als Gesunder müde heimkommst schmeißt du deine Sachen nicht einfach über den Stuhl um sie am nächeten Tag aufzuräumen sondern bringst das gleich in Ordnung.
Das aufschieben nämlich macht ein Messie sofort nach und er kommt durcheinander.Während du es am nächsten Tag noch gut schaffst soetwas zu erledigen ist es für den Messie zu spät.

Ich bin relativ ordentlich, allerdings gibt es bei mir wie bei fast jedem Menschen ordnungsmäßig immer etwas zu mäkeln. Exakt diesen Punkt nimmt meine Frau dann auch auf, wenn es zum Streit kommt.
Auf der anderen Seite ist es vielleicht auch ein bißchen hilfreich für sie, damit sie nicht komplett den schwarzen Peter hat

Bin mir mit meiner Haltung (natürlich) etwas aunsicher, da meine Frau regelmäßig

ein Problem damit hat und es oft zum Streit kommt.
Ein weiteres Problem in solch intensiven Messiephasen ist das Anbringen von Kritik. <<<<<<<<<<<

Ich glaube, dass Kiritik eher schadet, aber das steht bereits in anderen Antworten.

Ja das ist der Punkt den ich auch verstehe - aber wie weise ich darauf hin, daß ich mit dem Chaos nicht einverstanden bin und die Einhaltung einer gewissen Grundordnung in den von uns gemeinsam benutzten Wochnbereichen als wesentlich Bestandteil eines würdevollen Lebens ansehe?

Ich merke natürlich, daß meine Frau extrem unter Druck steht aber auf der anderen Seite denke ich schon, daß ich die Dinge die nicht i. O. sind (offene Schubladen, Zeitungsstapel, Wäscheberge, vergeigte Termine ...) auch ansprechen muß.<<<<<<<<<<<<

Was die vergeigten Termine angeht:
Macht doch einen Kalender auf dem euer beider Termine stehen und besprecht morgens gemeinsam wer was vorhat.
So wirkt es nicht so als ob du sie ermahned erinnern würdest.
Eher als ob ihr einfach euren Tagesplan absprecht.

Bringt nichtsDas ganze läuft eher so ab, daß sie aufeinmal in der Tür steht und mir sagt, daß sie jetzt eine Stunde Reiten geht (nach vier Stunden ist sie dann i. d. R. zurück).

Liebe Grüße
Sandra

LG
Herbert

Re: Messie im Stress: Wie positioniere ich mich gegenüber meiner Messie Frau

Hannes, Dienstag, 26.06.2007, 10:35 (vor 6772 Tagen) @ Herbert

Hallo Herbert,

je mehr ich von eurer Situation lese, desto mehr bekomme ich den Eindruck einer verwöhnten Person mit wenig Verantwortungsgefühl, die für sich den Anspruch erhebt, hauptsächlich ihren Interessen und Impulsen zu folgen. Sie scheint nicht zu erkennen, dassihre Lebensweise auf deine Kosten geht. Es scheint auch nicht genug Einsicht bei ihr vorhanden zu sein.

Entweder ist ihr Verhalten krankheitsbedingt - dann wäre es erforderlich, dass sie sich therapeutische Hilfe sucht. Vielleicht könnte z.b.eine Verhaltenstherapie helfen. Oder auch ein sog. Haushaltscoach, der ihr die grundlegenden organisatorischen Dinge nahebringt. Viele Menschen lernen Haushaltsführung ja nicht mehr im Elternhaus, so wie früher.

Oder sie gehört zu der Gruppe "unbeschwerte Chaoten", die ihre Lebensweise so lange praktizieren, wie sich immer andere Menschen oder Institutionen finden, die die Folgen davon ausbaden und tragen.

Wenn jemand meine Bedürfnisse nach einem Wohnen in Würde und letztendlich mich so wenig achten würde, würde ich über Trennung nachdenken oder eine Haushälterin einstellen, die sich komplett um den Haushaltkümmert.

Wenn es keine psychische Krankheit ist, ist es bei durchschnittlich 25Std. Erwerbsarbeit wirklich keine Zeitfrage, sondern wahrscheinlich so, dass sie einfach keine Lust hat.

Viel Glück

Hannes

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