Kann nicht glauben, dass das Messi-Syndrom meine Ehe, mein Leben zerstörte (Angehörige)

Astarte, Mittwoch, 16.04.2008, 23:24 (vor 6476 Tagen)

Hallo!

Schreibe zum ersten Mal in einem Angehörigen-Forum. Seit 12 Jahren bin ich mit einem Messi verheiratet, wir haben ein Kind. Im Moment reicht er die Scheidung ein, weil er's aufgibt.

Aber mal von vorne, ich bitte zu entschuldigen: Meine Gedanken sind derzeit ziemlich unsortiert:

Warum schreibe ich zum ersten Mal? Weil mein Messi jahrelang nicht wirklich bereit war, irgendeine Hilfe anzunehmen. Man dachte eher jahrelang über Trennung/nicht-Trennung nach. Ich bin selbst durch die ganze Belastungen psychisch erkrankt, hab ja auch noch Doppelbelastungen mit Finanzen, Studium und Kind. Weiß gar nicht mehr wie es normal ist.

Auf jeden Fall ging es 5 Jahre eher Hin- und Her, seit wir - wegen dem Messi-Syndrom - getrennte Wohnungen hatte. Solange er nicht bereit sei an sich zu arbeiten... ja, was soll ich da tun?

Bis man mal rausfindet, dass er ein Messi ist und wie damit umzugehen soll, vergingen natürlich ein paar Jahre. Fehler wurden gemacht. Und es war eine schreckliche Zeit. Aber kann man einem Messi böse sein?

Ja, immer die Ausreden: "Er ist krank! Er meint es nicht so!". Dann wieder das Setzen von Fristen, Versprechungen seinerseits um die er sich nicht, und später dann wenigstens etwas, aber nur halbherzig kümmerte.

Mitleid. Verzeihen.

Im Grunde sollte man dankbar sein, so eine treue Ehefrau zu haben wie mich! Aber gerade meine Hilfe wollte er nie haben. Eigentlich gar keine.

Nun lief es endlich gut. Wir hatten eine reinigende Krise, und danach hat sich einiges geändert. Zum ersten Mal funktionierte es. Wirklich. Ich war sogar wieder regelrecht glücklich, habe es geschaffte, Jahre von schlechten Erfahrungen über Bord zu werfen und seiner Liebe wieder WIRKLICH zu vertrauen. Das war nicht leicht, und ich hatte Hilfe eines Psychologen, die Krise zu überwinden. Es lief gut.

Das bedeutete allerdings, wie ich nun bitter erkennen mußte, dass er sich wirklich begann zu öffnen. Und da begriff er langsam, nach all den Jahren, wie scheiße sein Leben wirklich ist. Was er uns all die Jahre angetan hat. Und das auch erst im Ansatz.

Fazit: Totaler Nervenzusammenbruch. Im Zuge des Nervenzusammenbruchs, der ihm u.a. eine kurzzeitige Zwangseinweisung einbrachte, hat er mich und seine geliebte Tochter (das einzige wirkliche Gute im Leben, die ihm so viel Halt gibt) verlassen. Und das ziemlich rigoros. Er reicht jetzt die Scheidung ein. Er müsse sich jetzt um sich kümmern. Alles andere müsse ihm erst mal egal sein. Zum ersten mal hat einen Antrag auf stationäre Behandlung gestellt, was ja eigentlich gut ist. Was eigentlich zeigt, dass es jetzt endlich - nach der reinigenden Krise - etwas "klick" bei ihm gemacht hat. Aber anderseits ist es nur eine weitere Flucht, denn ob er auch wirklich durchzieht, steht nach allen was ich über ihn weiß, leider in den Sternen.

Bis der Antrag bewilligt ist, verschanzt er sich zu Hause. Und sofern ich überhaupt noch zu ihm durchdringen kann, was ausgesprochen selten ist, bekomme ich mit, dass es ihm absolut schlecht geht. Er heule Tag und Nacht wegen seiner Tochter, und selbst wenn ich ihm gewaltsam aufzeige (er will ja nicht hinsehen, blockt alles ab), wie sehr sie ihn vermisst, wie schlecht es der Kleinen geht, bleibt er stur: Es ist besser so für sie. Langfristig. Diese Meinung hat er allerdings mit niemanden und schon gar keinem Experten abgesprochen oder sich beraten lassen. Scheidung. Weg. Sich nicht umdrehen. Nie wieder melden. Das Sorgerecht "wegwerfen" ohne mit der Wimper zu zucken etc.

Ich bin sicher, dass dies nicht der richtige Weg ist. Zumal er leidet wie ein Hund. Aber er ist so überzeugt, hat die Scheidung schon eingereicht, und ich muss "berufsbedingt" 400 km wegziehen, weil ich es alleine mit der Kleinen nicht schaffe. Egal ob Trennung oder nicht, er ist ja nun erst mal für ein paar Monate ausser Gefecht gesetzt, bis er irgendwann aus der Klinik kommt. Rückgängig zu machen ist es also nicht.

Und ich kann einfach nicht glauben, dass diese Krankheit alles zerstört hat. Dass ich so lange so zu ihm hielt, und der ganze Kampf umsonst war. Dass er zwar jetzt (angeblich) an sich arbeiten möchte, aber das erste "Alte" was er aus seinem neuen Leben streicht ich und das Kind sind. Wenn ich daran denke, wie verfuscht ich mein Leben die letzten Jahre habe, Weichen die falsch gestellt wurden, und wie "erschöpft" und "krank" ich selbst geworden bin, dass ich nicht mal mehr weiß, was es heißt "gesund" und "lebendig" zu sein. Und das alles völlig umsonst.

Zumal ich absolut unsicher bin, ob ich das nun als einen pyschotischen Schub oder absoluten Ernst nehmen soll. Ich schwanke zwischen schneller Scheidung, ihn komplett aus dem Leben und der Tochter zu streichen. Zwischen absoluten Wut und "Rachegedanken". Verzweiflung. Und dem Wunsch ihm zu helfen. Selbst auf die Ferne. Beispielsweise weiß ich, wie sehr er die Kleine liebt... ich könnte vor Gerichte ziehen, irgendwie auf Unzurechnungsfähigkeit "klagen", das ganze Trennungszeugs selbst in die hand nehmen zu seinem Besten, was er jetzt selbst nicht sieht, um den Kontakt zur Tochter zu erhalten. Anderseits will ich selbst auch nur noch meine Ruhe, und ihn nicht ewig hinterrennen müssen, für ihn Denken, seine Probleme lösen etc. Ich denke auch sehr ernsthaft über Zwangsunterbringungen nach während der Wartezeit auf den stationären Aufenthalt. Dann wieder denke ich mir, sorry, soll er doch krepieren. Es wäre für uns alle am Besten. Und so weiter und so fort. Ich weiß es einfach nicht.

Vor allem weiß ich nicht ob ich seinen rigorosen Trennungsabsichten nun für voll und ernst nehmen soll, damit ich endlich loslassen kann und wenigstens Kind und ich frei komme. Oder aber es als Teil der Krankheit ansehe, und ihn quasi im Moment nicht für mündig solcher Entscheidungen ansehen soll. Ist das nun sein freier Wille der aus ihm spricht? Oder die Krankheit? Und wird es ihm - wenn er uns loshat - wirklich besser gehen? Ich bezweifele es.

Wie gesagt, ich kann nicht glauben, dass all die Liebe ,all der Kampf um ihn nun so enden soll, alles völlig umsonst war. Wenn man die Kurve kriegen würde, und wie gesagt, zum ersten Mal gibt es Durchbrüche, ehrliche Bereitschat an sich zu arbeiten, dann wäre es all die vergangenen Jahre Leid wertgewesen. Nach der letzten Krise habe ich die Vergangenheit wirklich losgelassen. Aber wenn es so endet?

Entschuldigt, dass es so viel Text geworden ist. Ich bin derzeit ziemlich emotional. Vielleicht verständlich. Ich selbst bin in Beratung, aber mir geht eher darum, was man nun mit diesem Messi macht? Hassen? Einfach vergessen und verdrängen und tun als ob es nicht existierte? Loslassen und Neuanfangen? Nach 12 Jahren und soooo kurz vor dem Ziel aufgeben? Kämpfen? Weggehen, aber ihn - durch die Blume - doch noch zu helfen, in dem ich mich z.B. als böse Ex ausgebe und die Schuld von Zwangseinweisungen und/oder richterlichen Verfügungen auf mich nehme? Dann mag er mich vielleicht hassen lernen, aber ich bin mir selbst treu geblieben ihn nicht einfach im Stich gelassen zu haben.

Ein sehr tiefes Seufzen

Astarte

Nachtrag: Der Durchbruch

Astarte, Donnerstag, 17.04.2008, 00:09 (vor 6476 Tagen) @ Astarte

Ich hab ein schlechtes Gewissen. Doppelt. Wegen dem Doppeltposting, und weil ich mich selbst erst nach 12 Jahren (okay, Leidenszeit etwa 8) an Angehörigengruppe wende. Deswegen möchte ich die Wende etwas näher erklären:

Ich konnte nicht mehr. Gar nicht mehr. Machte Schluss. Ging für mehre Wochen zu meinen Eltern. In der Zwischenzeit hat sich der Messi Trost bei einer Hardcore-Borderliner gesucht, die ihn definitiv noch mehr runterzog. Nachdem ich mich erholt hatte, kämpfte ich um ihn. Und man gar nicht sagen, wie sehr er die Zeit mit der Borderline bereute. Es war bewußte psychische Autoaggression, eine Selbstbestrafung und er bekam richtige Schizophrenie-Schübe wie sie im Buche stehen und darauf hin Angst.

Fertig mit den Nerven, in dem Glauben, ihn nun verloren zu haben, war ich in psychologischer Beratung. Und dort wurde mir dann zum ersten Mal wirklich klar:

Mein Mann und ich hatten es nie miteinander versucht. Es ging immer nur um die Frage Trennung oder Nicht. Oder er, der sich selbstbemitleidet oder ich, die verzweifelte. Aber nie hatten wir beide WIRKLICH versucht gemeinsam zu arbeiten. Er auf seiner Seite wollte keine Hilfe annehmen, und ich wollte zwar die Zusammenarbeit, verschwendete meine Gedanken aber auf so Fragen ob's nicht besser wäre, auch wegen Kind, zu gehen. Aber da konnte ich nicht. Und so drehten sich meine Gedanken um meine Unfähigkeit ihn zu verlassen, aber nicht, wie wir das Problem WIRKLICh angehen können.

Ausgelöst wurde diese Erkenntnis durch die Frage des Psychologen: "Ja, das klingt wirklich nach wahrer Liebe. Aber dann verstehe ich nicht, warum sie ihn überhaupt rausgeworfen haben, wieso sie getrennte Wohnungen haben." Ich antworte überzeugt und selbstsicher: "Na, wegen dem Kind! Man muss doch vernünftig sein! Man kann doch nicht ein Kind in so Zuständen aufwachsen lassen!" Der Psychologe schmunzelte nur. Ja, ich hatte immer den Komplex: ENTWEDER Kind oder meinen geliebten Messi-Ehemann.

Mit diesem Entweder/Oder fiel eine sehr große Last von mir.

Sein "Durchbruch" war wohl die negative Erfahrung mit der Borderlinerin, wo er sich so selbst belogen und betrogen hatte, und ernsthaft geschockt war, wie groß seine Minderwertigkeitskomplexe sind, wie man sich selbst nur so einen Mist einreden kann. Und die ersten richtigen schizophrene Schübe, die mächtig Angst machten. Natürlich wurde ihm auch wieder klar, was er an uns hat.

In den folgenden Monaten arbeiten wir daran, emotionale Missverständnisse, die sich im laufe der Jahre verfestig hatten, aufzulösen. Und dies recht erfolgreich. Natürlich gehört auch eine Therapie dazu, allerdings fand er keinen Platz, war nur auf Wartelisten. Aber es war alles im Laufen. Wir waren glücklich, zum ersten Mal öffnet er sich wirklich emotional, und wir waren gerade dabei wieder zusammen ziehen.

Und genau da... in dem Moment wo es tatkräftig zum Zusammenziehen ging - bekommt er kalte Füße. Schmeißt alles so dermassen hin. Alles, was wir die Monate davor aufgebaut haben, ist wie weggewischt. Auch die Mißverständnisse... er fällt wieder absolut in die alte Rolle. Und das nun noch ein bißchen heftiger denn je.

Ich verstehe es nicht. Es lief doch endlich gut!!!

Re: Der Durchbruch war kein wirklicher

Olivia, Donnerstag, 17.04.2008, 23:42 (vor 6475 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte,

ich kann deine Verzweiflung und deinen Schmerz gut verstehen! Ich glaube, du bist in den ganzen Jahren kaum dazu gekommen, dich um dich selber zu kümmern vor lauter Sorge und Hilfsbereitschaft deinem Mann gegenüber. Mein Eindruck nach dem Lesen und auch aus eigener Erfahrung ist, dass deine Hoffnung, dass sich nun bald vieles zum Positiven ändere, leider gar nicht begründet war. Er ist noch längst nicht so weit, dass du in absehbarer Zeit etwas von seinen Veränderungen haben könntest.

Er kommt ja mit gar nichts zurecht, muss nun erst langwierig Therapie machen und ansatzweise zu sich selber finden.
Vielleicht ahnt er das und hat sich deshalb getrennt. Verantwortung und seine Pflichten als Vater übernehmen kann er momentan oder grundsätzlich gar nicht.

Bis die Scheidung irgendwann durch ist, wird noch viel Zeit vergehen und auch in der Sorgerechtssache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es geht nicht nur darum, ob er auf sein Sorgerecht verzichten will - auch das Kind hat Ansprüche und Rechte, zumindest auf Umgang.

Du solltest versuchen, die Situation so wie sie jetzt ist, positiv zu sehen. Du hast endlich mal Ruhe und Gelegenheit, zu verschnaufen und dich von dem Stress zu erholen.

Vielleicht ist deine Liebe inzwischen längst so etwas wie zu große Fürsorglichkeit und auch eine gewisse Abhängigkeit geworden - gerade weil du so unendlich viel Kraft in die Beziehung gesteckt hast.

Leider geht es vielen Menschen so, dass sie eine Zeitlang in ihrem Leben ganz vergeblich sich bemüht haben.

Die 8 sinnlosen Jahre sind zwar schlimm, aber es hätte noch schlimmer kommen können.

Vielleicht siehst du es irgendwann als große Befreiung, diese Last und Verantwortung nicht mehr zu haben.
Und dann geht es dir bestimmt auch psychisch wieder besser!

Alles Gute dir

Olivia

Re: Der Durchbruch war kein wirklicher

Astarte, Freitag, 18.04.2008, 00:20 (vor 6475 Tagen) @ Olivia

Hallo!

Und vielen Dank für dein Verständnis.

Mein Eindruck nach dem Lesen und auch aus eigener Erfahrung ist, dass deine Hoffnung, dass sich nun bald vieles zum Positiven ändere, leider gar nicht begründet war. Er ist noch längst nicht so weit, dass du in absehbarer Zeit etwas von seinen Veränderungen haben könntest.

Das er noch nicht so weit ist, dass ich was davon haben könnte, mußte ich die letzten Wochen leider schon einsehen.
Allerdings schwöre ich bei allem was mir heilig ist, dass die positiven Veränderungen keine Illusion von mir waren. Zum Beispiel dass er emotional auf mich zu ging , wir ganz anders miteinander sprachen, und nach vielen Jahren er auch endlich bereit war sich seiner Sexualität zu stellen... das sind Aspekte, an denen ich es auch nach außen hin fest machen kann. Er hat sich geöffnet, in vielerlei Hinsicht. Leider hat dieses Erkennen seiner/meiner Situation (nach so vielen Jahren) wohl dazu geführt, dass er aufgibt. Ich bleibe dabei: Es gab einen Durchbruch. Er hat auf seiner Seite nur noch nicht gereicht, weil die Angst zu groß war.

Ich verstehe nicht, wenn er sich nun seinen Problemen stellt, wieso er die einzigen, die ihm Halt gaben, so von sich stößt. Wieso man ihm nicht beistehen DARF. Ich weiß genau, worauf ich mich da eingelassen habe. Ich war mehr als bereit dazu.

Hab allerdings auch ein profanes Logikproblem damit: Eine seiner Trennungsbegründungen ist, dass er sich NIE ändern wird. Einmal Messi. Immer Messi. Soweit ist mir das auch klar, aber ich dachte, man könnte lernen, besser damit umzugehen und wir waren auf einen guten Weg, ansonsten mußte man wohl zu dem Schluss kommen, dass ein Messi GRUNDLEGEND am besten NIEMALS eine Beziehung eingeht, weil es NIE funktionieren kann. Anderseits, wenn er in seiner momentanen sehr schlechten Verfassung der Überzeugung ist, dass es sich nie ändere, wieso versucht er es dann jetzt mit der Therapie zum ersten Mal wirklich? Ein Logikproblem meinerseits. Gleichzeitig sagt er, er würde nach der Klinik jemand vollkommen anderes sein, wer oder was, das wisse er natürlich nicht. Aber niemand, der wieder zurück kommt. Ich schätze, er käme auch mit der Schuld nicht klar, und dass Schuldgefühl wächst, je klarer im Laufe seines Weges die Einsicht wird. Sofern die Therapie überhaupt was bringt.

Bis die Scheidung irgendwann durch ist, wird noch viel Zeit vergehen und auch in der Sorgerechtssache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es geht nicht nur darum, ob er auf sein Sorgerecht verzichten will - auch das Kind hat Ansprüche und Rechte, zumindest auf Umgang.

Leider nicht. Wir haben (warum wohl?!) bereits seit Jahren eine getrennte Wohnung. Auf dem Papier ist das Trennungsjahr längst rum. Beide kein Geld, kein Hausrat zum Streiten da. Und mit dem Sorgerecht ist man sich tragischereise einig: Ich bekomme das Alleinige Sorgerecht. Folglich kann die Sache bereits in ca. 3 Monaten (noch BEVOR er in die Klinik geht!!!) durch sein. Es sei denn ich blockiere, zeige mich als nicht einverstanden. Genau dies ist für mich genau jetzt die große Frage: Ihn FÜR IMMER ziehen lassen, BEVOR er auch nur bei einem Fachmann hatte, jemanden, mit dem er sprechen konnte. BEVOR er selbst zur Ruhe kommt und überhaupt einen klaren Kopf hat. Oder mich querstellen, bis wenigstens mal ein Therapeut richtig eingeschaltet war.

Du solltest versuchen, die Situation so wie sie jetzt ist, positiv zu sehen. Du hast endlich mal Ruhe und Gelegenheit, zu verschnaufen und dich von dem Stress zu erholen.

Leider auch nicht. Ich bin ja ohnehin schon "offiziell alleinerziehend", aber er war ja jeden Tag bei mir und der Süßen. Nur so konnte ich - 400 km von Zuhause - studieren. Mit seiner Hilfe. Zumindest als Vater, Babysitter etc.
Und vor allem auch seinem Beistand. Ich habe hier vor Ort absolut keine Unterstützung, stehe kurz vor dem Abschluss (mega-stress), und meine Situation ist auch sonst so schlecht, dass es ein Himmelsfahrt-Kommando wäre, es jetzt zwanghaft unter diesen Umständen mit Kind noch durchzuziehen. Ist schon alles geplant und umgemeldet: In 4 Wochen ziehe ich zu meinen (verhassten) Eltern auf das (verhasste) Dorf zurück. Muss abbrechen. Mit 20000 Euro BaFög-Schulden. Nicht falsch verstehen, es sind super Großeltern. Aber meine Mutter ist ein... uneinsichtiger extremer "CLEANIE!" und die macht mich kränker als mein Mann jemals schaffen könnte. Studium weg. Uni weg. Schulden. Und was das momentan für ein Organisationsaufwand ist, dem ich auch nicht gewachsen bin (zuviele Jahre mit einem Messi, zu sehr psychisch erschöpft, zu viele schlechte Gewohnheiten übernommen, beinahe selbst schon ein leichter Messi)...

Kurz: An Verschnaufen und froh sein, dass es mir nun besser gehen werde, ist absolut nicht zu denken. Ganz im Gegenteil.

Wie es um meine Liebe bestellt ist... nun, das ist eine sehr philosophische Frage. Ich glaube nicht an Liebe in der klassischen Definition. Aber ich war nie besonders "fürsorglich", hab ihn ja schon länger vor die Tür gesetzt, und ihm nichts mehr abgenommen. Abhängig, vielleicht. Aber um ehrlich zu sein: In meiner Situation ist man zwangsweise abhängig. Alleine schon weltlich.

In den Jahren mit den getrennten Wohnungen hab ich so einen Schutzmauer aufgebaut, dass ich quasi gut mit dem Messitum klar kam. Keine Sorgen mehr gemacht. Zwischen SEINEN Sorgen und meinen gut getrennt. Emotionen abschalten. Bis der Schutzwall irgendwann zum sehr starren Gefängnis wurde, aus dem man dann wieder ausbrach.
Wie dem auch sei: Fürsorge ist weniger das Thema. Abhängigkeit ergibt sich schon aus der rein weltlichen Situation.


Auf jeden Fall haben wir uns erst vor einem Jahr ganz neu füreinander entschieden. Ich habe mir weder damals bei der Heirat noch jetzt etwas vorgemacht: Ich kenne und kannte die Nachteile. Aber ich habe andere Prioritäten. Die Seele war mir z.b. immer wichtiger als die Ordnung und das Materielle. Ich wußte auch was auf mich zukommt. Dass es schwer wird, es viele Rückfälle geben wird usw. Aber dass ein einziger Rückfall gleich so drastisch das endgültige AUS bedeutet? Selbst wenn ich es ganz, ganz krass ausdrücken würde, wäre er immer noch das kleinere Übel von allen möglichen, die nun auf mich warten.

Vielleicht siehst du es irgendwann als große Befreiung, diese Last und Verantwortung nicht mehr zu haben.
Und dann geht es dir bestimmt auch psychisch wieder besser!

So würde er auch argumentieren, bloß ohne vielleicht. Er ist sich da vollkommen sicher. Leider ignoriert er dabei meine Situation und mein ganzes Naturell. Ich glaube nicht daran. Mir geht es besser, wenn an meine Süße denke. Ja, dann kann ich sogar richtig strahlen. Für sie wird der Neuanfang auf dem Dorf bei Opa und Oma ein riesengroßer Glücksfall. Das einzige, was mir Mut macht. Aber ich werds nicht durchhalten. Im Laufe der Zeit bin ich mindestens ebenso krank geworden wie er.

Ja natürlich werde ich nicht mehr so viel Ärger haben, und hab endlich die Chance auf einen saubere Wohnung. Vielleicht bricht das Cleanie-Erbgut meiner Mom noch durch, ich spüre da durchaus Tendenzen in mir. Gedanken a la "Wenn ich erst mal das mit dem Messi im Griff habe, ABER DANN... WEHE dann noch mal...!" und klinge dabei ganz genau wie sie. Überhaupt. Dieser Weg nun wird mich zu dem machen, was ich niemals werden wollte und am meisten verabscheute: zu einer kranken, verbitterten Frau wie meine Mutter.

Herzlichen Glückwunsch. Ich werde eine saubere Wohnung haben können, und niemanden, der ständig passiv im Weg steht und Papiere verschlampt. Aber dafür werde ich auf allen Ebene meinen Seele verraten und verkaufen. Nein, ich glaube nicht, dass ich also langfristiger glücklicher werde. Höchsten nach außen hin besser funktionieren, als seelenloses Mitglied der Gesellschaft, und vermutlich - zumindest wie es jetzt aussieht - vollgestopft mit Psychopharmaka.

... kurze Pause... Oh weh, das klingt ja alles schrecklich. Ich überdenke meine Worte. Und doch ändere ich keines davon. Genauso sehe und vor allem fühle ich das. Seit Wochen nun unverändert. Und gäbe es nicht meine süße Tochter, ja, dann würde ich mich ernsthaft gewisse Fragen stellen a la "Welchen Sinn hat diese Leben noch!"

Ich sehe - nicht erst jetzt - ein, dass ich dringend Hilfe brauche. Vor allem wegen dem bevorstehenden Umzug und Organisationsstress, der mich völlig überfordert und nun mal nur 4 Wochen bleiben. Aber wie es MIR geht, scheint wirklich niemamden zu interessieren. Dem Messi-Gemahl wird hingegen alles in den A**** geblasen. Der arme Kerl. Tätschelt.

*sfz*

Astarte


PS: Danke für's Lesen.

Re: Der Durchbruch war kein wirklicher

Olivia, Samstag, 19.04.2008, 13:51 (vor 6473 Tagen) @ Astarte

Hallo Astarte,

habe alles gelesen und möchte wirklich nicht mit dir tauschen! Das ist ja alles ziemlich schwierig, viel schwieriger noch als ich dachte, und ich kann vor allem sehr gut verstehen, dass du ausgelaugt bist und dich den künftigen Anforderungen kaum gewachsen fühlst. :-(

Vielleicht kannst du selber auch eine Klinik besuchen, wenn du den Umzug endlich hinter dir hast und deine Eltern in der Zeit auf die Kleine aufpassen? Es gibt auch Kliniken, wo man das Kind mitbringen kann. Einfach, um zur Ruhe zu kommen, das Ganze zu verarbeiten und eine neue Perspektive zu kriegen und dir klar zu werden, wie es weitergehen soll.

Zur Scheidung und zur Situation mit deinem Mann:
einerseits könnte man abwarten, was die Therapie für ihn bringt. Es schadet ja nichts, wenn ihr die Scheidung noch vertagt. Andrerseits zeichnet sich aus den Worten deines Mannes schon ein bisschen ab, dass er gar nicht mehr wirklich will. Die ganzen Argumente sind weniger ernstzunehmen als seine Gefühle, sein Handeln.

E nützt oft nichts, in einem Partner nur das Potential zu sehen, was dieser eventuell entwickeln könnte - wichtiger ist, was er jetzt ist und was er jetzt tut.

Der Durchbruch war sicher da, wie du sagst, aber das war anscheinend nichts von Dauer, d.h., die Tür, die kurz aufging, fällt schnell wieder zu.

So sehr und so stark kann sich ein Mensch eh nicht ändern. Das schafft auch keine Therapie. Und auch falls einiges anders wird, ist es leider so, dass viele Männer dieses "neue Leben" dann auch mit einer "nneuen Partnerin leben wollen, allein schon,um nicht mehr an ihre alten "Schulden", ihre alten Versäumnisse und ihren alten Zustand erinnert zu werden. Leider!

Liebe Grüße

Olivia

Re: Der Durchbruch war kein wirklicher

Astarte, Samstag, 19.04.2008, 16:35 (vor 6473 Tagen) @ Olivia

Hallo!

Zur Scheidung und zur Situation mit deinem Mann:
einerseits könnte man abwarten, was die Therapie für ihn bringt. Es schadet ja nichts, wenn ihr die Scheidung noch vertagt. Andrerseits zeichnet sich aus den Worten deines Mannes schon ein bisschen ab, dass er gar nicht mehr wirklich will. Die ganzen Argumente sind weniger ernstzunehmen als seine Gefühle, sein Handeln.
E nützt oft nichts, in einem Partner nur das Potential zu sehen, was dieser eventuell entwickeln könnte - wichtiger ist, was er jetzt ist und was er jetzt tut.

Tja... was tut er denn? Nichts. Sich einfach nur abschotten, bis zum Klinikaufenthalt in seiner Bude sitzen, gar nichts mehr wissen, sich nicht mal mehr artikulieren zu können und tag und nacht zu heulen, u.a. weil er uns so vermisst. Mir fällt gerade der richtige Ausdruck nicht ein, aber er scheint hinten und vorne nicht zu wissen, was er tut oder was er will. Es besteht keine Konsenz zwischen Handlung und Gefühl. Hat - zumindest im Moment und aus meiner Sicht - fast schon was Borderline-mässig: "Hau ab. Ich liebe Dich!".

Aber nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich mache mir keinerlei Hoffnung, dass das noch mal etwas wird. Es gibt genug Gründe die gegen eine Beziehung mit einem Messi sprechen.

Für mich ist eine der großen Frage, wie zurechnungsfähig er in dieser akuten Krise ist.

Der Durchbruch war sicher da, wie du sagst, aber das war anscheinend nichts von Dauer, d.h., die Tür, die kurz aufging, fällt schnell wieder zu.

Mir zumindest war von Anfang an klar, dass es immer wieder Rückschritte geben wird. Ich denke, dass weiß jeder, der mit irgendeiner psychischen Krankheit direkt oder indirekt zu tun hatte. An einem Rückschritt sehe ich also nichts schlimmtes. Auch nicht daran, dass Ängste hoch kommen. Es gibt so viele reinigenden Krisen. Aber was ist was?

Ich wäre ziemlich naiv gewesen, hätte ich geglaubt, dass die positiven Veränderungen nun ultimativ immer so bleiben. Auch mein Psychologe hat mich diesbezüglich schon damals gelobt, wie realistisch ich sei.

So sehr und so stark kann sich ein Mensch eh nicht ändern. Das schafft auch keine Therapie. Und auch falls einiges anders wird, ist es leider so, dass viele Männer dieses "neue Leben" dann auch mit einer "nneuen Partnerin leben wollen, allein schon,um nicht mehr an ihre alten "Schulden", ihre alten Versäumnisse und ihren alten Zustand erinnert zu werden. Leider!
Liebe Grüße
Olivia

Ja, da befürchte ich auch. Und der Gedanke macht mich wahnsinnig. Da wird man selbst 12 Jahre zum Versuchskanischen und Dummi, hält den Kopf hin, leidet, damit der Herr langsam was lernt, und den Nutzen hat dann eine andere? Aber man weiß ja nie. Ich weiß, wie er zu einer neuen Beziehung steht, was sein fester Glauben seit Jahren ist. Dadurch, dass wir sehr offen waren ("polyamor") hat er sich genug andere Frauen "angeschaut". Aber zum einem weiß man nie. Zum anderen neigt er ja in psychotischen Schüben sehr gerne dazu, seine Meinungen öfters als die Unterhosen zu wechseln, was ihm ja auch schon die Diagnose Schizophrenie einbrachte. Wiederum anderseits gibt es da einen "wahren" Gemahl und den Psychotischen. Nach 12 Jahren kann ich sicherlich sehr gut beurteilen, was er wirklich selbst ist und was nicht.

Mit anderen Worten: ich zweifle weder das Band noch die Liebe zwischen ihm und mir an. Sobald er wieder zu sich gefunden hat, wird er mich doch sehr vermissen und sich nie verzeihen, so eingebildet bin ich. Aber ich sehe auch die Gründe, wieso es trotzdem nicht funktioniert, auch wenn wir für den Rest unserem Lebens zwanghaft nie wieder Kontakt haben werden und uns nacheinander die Augen ausheulen...

Als "richtig" und "gut" würde ich das nie ansehen. Außer eben, wie schon geschrieben, dass es etwas gibt, dass stärker als alle Liebe auf der Welt ist: Das Messi-Syndrom. Zumindest wenn es so stark ausgeprägt ist. Trifft natürlich auch auf andere schwere psychische Erkrankungen zu.

Gruß,
Astarte

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