Re: Ungenutzte Neuanschaffungen (Allgemein)

Nicole, Mittwoch, 20.08.2008, 23:59 (vor 6350 Tagen) @ Sakem

Moin, Sakem und Ihr anderen mit derselben Macke:

Etwas kaufen/anschaffen und dann nicht nutzen:

Bei schönen Heften, Blöcken, tagebuchähnlichen LeerseitenBüchern,
von denen auch ich "einige" im Urzustand besitze...,
habe ich immer Hemmungen gehabt, schon beim ersten Eintrag die
jungfräuliche Schönheit des Papiers zu versauen,
sowohl inhaltlich wie auch durch meine Schrift.

Die Angst, Fehler zu machen, Ansprüchen (auch eigenen)
nicht zu genügen, steckt klar dahinter. Bei mir jedenfalls.

Und dazu noch die Qual der Wahl: ist dieses Heft, dieser Block
nicht doch zu schön für triviale Eintragungen?
Welchen soll/darf ich wofür "entweihen"?
Ein überstrenges, autoritäres Über-Ich lässt da grüßen.

Schuhe: Als Kind bin ich aus Bewegunsgsdrang viel gestolpert,
was man meinen Schuhe ansah. Es gab immer Schelte dafür,
zumal Schuhe nicht nur teuer, sondern auch schwer erhältlich waren.

Wundert es da, wenn noch die erwachsene frau jahrelang befürchtete,
schon beim erste Anziehen und Benutzen könnten wieder Schrammen
ins Leder geraten?
Auch wenn sie längst nicht mehr durch die Gegend stolpert?

Kleidung: Wer zurückgezogen lebt, braucht eigentlich
kaum "feine" Kleidung.
Hier wittere ich im Neukauf die Illusion,
die neue Kleidung könnte die Brücke sein, die Brücke werden,
die Behausung endlich mal zu verlassen und sich
mal "sehen zu lassen".

Ist frau mit dem neuen Zeug dann zu Hause, kommen ihr Zweifel,
wohin sie denn so kostümiert überhaupt gehen und
was das für Folgen (Einladungen?!) für sie haben könnte.

Sie geht dann doch nicht unter Leute, obwohl sie es gern täte,
zieht aber die "guten, neuen" Sachen zu Hause auch nicht an.
Wozu auch? Dafür sind sie zu fein. Und es kuckt auch keine/r. [image]

Auch hier die Angst, durch tägl. Gebrauch würden sich die
Textilien abnutzen, anschmutzen und leiden.
Tun sie ja auch, aber was macht das schon!?

Alles widersprüchlich, alles zwischen unerfüllten Wünschen und
Ängsten verschiedener Art. Und dem Zwang, zum Beispiel dem zum Kaufen
solcher Dinge, den man lange nicht durchschaut.

Ich habe erst durch das Beispiel eines Freundes, der sich gern gut
anzieht gelernt, die Hürde zur Erstnutzung von Kleidung und Schuhen
zu überwinden und ziehe nun neue Schuhe und Klamotten sofort an,
außer dass ich Textilien immer erst mit Vorsicht wasche.

Bei Papierenem finde ich den ersten Satz, die erste Zeichnung noch
immer ziemlich schwierig.

Gruß Nicole


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