Re: Nur Mut. Du schaffst es. (lang, off-topic) (Allgemein)

Astarte, Freitag, 22.08.2008, 22:32 (vor 6348 Tagen) @ Sabine

Oh wei! Du machst mir Mut und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen [image]. Ich WEIß, dass Du vollkommen Recht hast. Aber ein kleines Etwas sperrt sich noch in mir.

Aber der Gedanke mit einem Attest in Studentensekteriat zu gehen, ist wirklich ein guter Tipp! Bisher dachte, wenn überhaupt, nur an die Ausrede "Zahlendreher".

Um mal auf die Messi-Komponente zurück zu kommen, die sich auch unter den ganzen "Noch-Aber"s versteckt, schließlich ist das ja ein Messi-Forum:

Ich habe nie gelernt einen Haushalt zu führen. Auch jetzt kümmere nicht ich mich darum, sondern meine (psychisch leider ebenfalls gestörte) Mutter, ein Cleanie. Das andere Extrem. Sie lässt mir keine Chance. Auch nicht beim Kind. Je schlimmer es in der alten Situation wurde, um so schlimmer wurde der eigene Mess. Wobei ich nicht der Sammler bin, sondern einfach absolutes Wohnchaos, Unordnung etc. Es wurde natürlich von Jahr zu Jahr schlimmer. Die letzten 2 Jahre litt ich unglaublich unter meiner alten Wohnung. Wirklich unglaublich!

Worauf ich hinaus möchte: Mein derzeit erklärtes Lebensziel ist momentan tatsächlich innerhalb der nächsten zwei Jahren zu lernen, wie man aufräumt und einen Haushalt führt! Und sonst nichts. Damit ich nie, nie wieder in so eine Situation komme. Das ist mir momentan wichtiger als alles andere. Das wird mit Studium nebenher nicht funktionieren, denn sobald ich an die Uni zurückkehre, dann stecke ich direkt im Prüfungsstress und anschließend 9 Monate Diplomarbeit. Da wird selbst der ordentlichste Haushalt zum Saustall.

Und dann eben der Ex in der gleichen Stadt, dazu schrieb ich schon: Es hat einfach keinen Sinn dank seines Messitums und PS, aber ich sehe die Gefahr, dass wir dort - entgegen aller Vernunft - wieder zusammen kommen. Nein, nein, nein. Nie wieder Messitum! Ich will das endlich, endlich hinter mir lassen.
Auf jede Fall werden wir uns NICHT aus dem Weg gehen können. Wir sind beide in der selben Szene unterwegs. Ich könnte nie ausgehen, und zur Entspannung die Freiheit nach getaner Arbeit genießen. Egal wenn ich in den Kreisen kennenlernen würde, unter Garantie hat er schon seine Finger dran. Ich hätte immer Angst, ihm zu begegnen. Obwohl er nicht studiert, macht er z.B. als externer am Uni-Theater mit. Und an Absprachen ist einfach derzeit defakto nicht zu denken. Die letzten zwei Wochen haben wir es wenigstens wirklich, wirklich versucht. Das ist so eine bescheuerte, nicht unbedingt rationale GANZ oder GAR NICHT-Situation.

Ich sollte noch erwähnen, dass zwischen meinen jetzigen Wohnort und dem Studiumort 350 km liegen. So einfach mal hingegen ist leider nicht.

Und da ist noch etwas anderes Emotionales (d.h. nicht unbedingt rational) bezüglich Studium und Ex, worauf ich jetzt gar nicht so detailiert eingehen möchte. Sagen wir es so: Viele fragten mich, woher ich denn die Kraft habe. Durch ihn. Trotz allen anderen Nachteilen. Es verging in 5 Jahren Studium kaum ein Tag, wo ich nicht das Bild meines Abschluss visualisierte, ihn an meiner Seite. Ich trage ja dank Ehe seinen Nachnamen, bis vor kurzen mit sehr viel Stolz. Seinen Namen und ein Doktor davor. Ihn bei der Doktortitel Verleihugn an meiner Seite. Exakt dieses Bild hat mir die Kraft gegeben und ist nun zerstört. Jetzt geht es nur noch "um einen Job". Damit die letzten Jahren eben nicht "sinnlos" waren. Das ist mir zu wenig für den ganzen Aufwand. Denn wie gesagt, wenn ich zurück zur Uni gehe, dann purzel ich direkt in den Abschluss: Stress! Stress! Megastress!

Da ist sogar noch ein ganzes anderes profanes wie dämliches Problem: Ich WILL therapeutische Hilfe. Unbedingt. Seit 1 bis 2 Jahren wollte ich das schon. Aber ich hatte doch keine Zeit dafür!!! Und wenn ich jetzt wieder zurück gehe, werde ich - siehe oben - garantiert keine Zeit für eine Thera nebenbei haben! Und ich möchte doch endlich was FÜR MICH tun.

Aber vielleicht sollte ich aufhören, mir Rechtfertigungen zu suchen. Es gibt keine wirkliche. Du hast mit allem, was Du sagst, Recht. Aber noch kann ich nicht über meinen Schatten hüpfen.

Mit der selfmade-Burnout-Diagnose wäre ich vorsichtig. Man könnte mir auch Depression unterstellen. Und Coabhängigkeit. Oder alles drei. Ich war mal eine zeitlang beim Uni-Psychologen, der ganz besonders für die spezielle Problematik geschult war. Der hat mir sehr viel Mut gemacht, und ist im Gegenteil der Meinung, dass da eher die Gesellschaft schuld sei, aber es "keinen inneren seelischen Konflikt" gebe. Ich kann mich nicht entscheiden ob ich es eher aus dieser Sicht sehe oder aus der anderen. Aber ich kann sagen, dass mir der Psychologe sehr, sehr geholfen hat und mich mit dieser anderen Sicht sehr viel besser fühle und es meine Stärken an die Oberflächen holt. Beispielsweise könnte ich nun in Thera rennen, weil mich die Trennung und die damit einher gehenden Veränderungen ÜBERFORDERE. Aber genauso gut wäre es ein Ansatz zu behaupten, dass mich die Leere und das Rumgehänge UNTERFORDERE. Von außen sieht es sehr ähnlich aus. Aber je nachdem, welche Perspektive ich wähle, fühlt es sich für mich gänzlich anders an. Vielleicht ist es besser, langsamer zu treten. Vielleicht wäre es für mich aber auch genau das richtige, mich gerade erst recht hineinzustürzen? Genau deswegen bin ich von selbstgemachten Fern- oder Selbstdiagnosen abgekommen.

LG,
Astarte

Das was Du da schilderst, klingt für mich sehr nach einem Burnout. Totale Erschöpfung nachdem man jahrelang über die eigenen Grenzen hinweg gepowert hat. Burnot trifft fast immer Menschen, die ihr Fach und/ oder ihren Beruf über alles lieben, die immer 200% geben, fast immer sind es die besten eines Faches. In der aktuellen Zeitschrift Neon steht ein Bericht über Burnout. Es kann jeden treffen, wenn man nur lang genug immer weiter macht und Warnsiganle ignoriert. Nach fest kommt ab. Und Du hast ja mit Studium, Kindererziehung und Deinem kranken Ex-Freund gleich eine mehrfache Überlastung gehabt. Aber es gibt Hoffnung: was ab ist, kann man auch wieder dranleimen.
Dazu brauchst Du professionelle Hilfe. Das geht in der Situation fast allen Betroffenen so. Es ist ein Zeichen von Professionalität, zu erkennen, wann man Hilfe von außen braucht und sich diese dann zu holen. Gehe am besten direkt nächste Woche zu Deinem Hausarzt und schildere ihm, wie sehr Du durch Deine Situation überlastet bist. Wenn Du ihm erzählst, wie sehr Du Dein Fach geliebt hast, und Dir jetzt alles gleichgültig erscheint, dazu noch von der Mühe mit der Kombination von Studium und Kindererziehung und dann dazu noch die Sache mit Deinem Ex. Dann wird der Arzt von selbst entweder die Diagnose Burnout oder Depression stellen. Dies ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens, damit Du danach die Behandlung bekommst, die Du brauchst. Der Hausarzt wird Dich an einen Spezialisten überweisen. Vielleicht bekommst Du auch eine Kur.
Diese Links habe ich zu Burnout gefunden: (ich weiß nicht , ob sie für Dich passen sind)<ul><li>http://www.hilfe-bei-burnout.de/</ul><ul><li>http://www.burn-out-forum.de/</ul><ul><li>http://burnout-infos.foren-city.de</ul>

Zweitens hilft Dir ein Attest vom Arzt, beim Studierendensekretariat zu erkären, warum Du erst jetzt kommst. Mit einem Attest hast Du ein starkes Argument. Gerade jemand mit Burnout oder Depression ist meistens nicht mehr in der Lage, sich rechtzeitig um Organisatorisches zu kümmern. Mit dem Attest kannst Du gleichzeitig Dein Urlaubssemester begründen.

Du schreibst mehrfach, wie begeistert Du von Deinem Fach und von Deinem Studium bist:

Denn ja, in meiner Grundsituation, dass man sich überhaupt darauf einlässt, kann überhaupt nur eines dahinter gestanden haben: Idealismus und Leidenschaft. Sonst fängt man in so einer Situation gar nicht erst an. Und jeder, der schon mal meine leuchtende Augen gesehen hat, selbst in der größten und dunkelsten Krise, weiß dass Uni und ich zusammen gehören.
Ich studierte ausschließlich aus Leidenschaft und Idealismus, mit dem ich auch meine Kommilitionen ansteckte.


Die Begeisterung ist immer noch da, tief in der drin. Dass Du sie jetzt aktuell nicht mehr spüren kannst, liegt an Deiner Überlastungssituation. Du brauchst jetzt Ruhe, Erholung und Unterstützung. Das kann durchaus ein halbes Jahr dauern, das ist gerade typisch bei Burnout. Und ich kann Dich beruhigen: die Begeisterung wird zurückkommen. Jetzt ist sie noch verschüttet. Sobald Du Dich wieder erholt hast, wird sie wieder da sein.

Klingt albern, ich weiß. Aber das wäre jetzt der einzige Balsam für mein "geschundenes Herz". Und meine emotionale Logik ist dabei recht profan

Auch das läßt sich wieder reparieren. Ich muss da an ein Lied denken, dass Anfang der 90er oft im Radio lief: 'Ein Herz das kann man reparieren'

Jetzte zu Deinen Abers:
Deine Tochter weiß, dass Du sie lieb hast. Es wird immer noch zu oft Müttern eingeredet, dass ein Studium oder Beruf eine Vernachlässigung gegenüber dem Kind bedeuten würde. Warum wirft man dies nur Müttern, aber nicht den Vätern vor? Warum ist Studium und/ oder Beruf immer noch so schlecht kombinierbar mit Kindererziehung? Sind die Leute, die Dir ein schlechtes Gewissen einreden wollen, nicht möglicherweise neidisch?
Egal ob man sich für Fulltime-Kindererziehung oder für die Kombination Studium/Beruf und Kindererziehung entscheidet, beides ist richtig und gut. Mit einer Entscheidung für Studium/Beruf und Kindererziehung gibst Du Deiner Tochter ein positives Vorbild, dass es sich lohnt in Bildung zu investieren, dass Bildung und ein Beruf Spaß machen können. Wichtig ist ja auch weniger, wie viel Zeit Du mit Deiner Tochter verbringst, sondern wie Du die Zeit, die Du hast, zusammen mit ihr gestaltest. Vor längerer Zeit hat Helga-Maria hier im Forum ein Buch vorgetellt, in dem beschrieben wurde, dass die Berufstätigkeit der Eltern gut ist für das Kind. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.
Zu Deinem zweiten Aber: Dein Ex-Freund. Auch in einer kleineren Studentenstadt kann man sich, wenn man will, aus dem Weg gehen. Vielleicht kannst Du mit ihm verabreden, dass ihr Euch für eine bestimmte Zeit (1 Jahr, 2 Jahre?) nicht seht. Vielleicht gibt ihm das den kleinen Schubser, an sich zu arbeiten.
So wie es Dir jetzt geht, kannst Du nichts für ihn tun. Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es Dir selbst wieder besser geht.

Ich kann es verstehen, dass es Dir schwer fällt, Deiner Freundin von Deiner Studienunterbrechung zu erzählen. Gerade weil sie Dich immer so begeistert gesehen hat. Und genau deshalb wird sie es verstehen und sehen dass Du in höchster Not bist. Stell Dir einfach in Gedanken vor, wie Du es Ihr erzählst und wie sie Dich dann tröstend in den Arm nimmt und was sie alles liebes sagen wird. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie groß die Erleichterung ist, ES (was auch immer es ist) endlich erzählt zu haben und dann den Trost zu bekommen, den man in einer solchen Situation braucht.

Du möchtest Dich jetzt treiben lassen. Das ist in Deiner jetzigen Situation absolut richtig und wird mit zu Deiner Erholung beitragen. Damit Du Dich ruhigen Gewissens treiben lassen kannst, ist es wichtig, dass Du jetzt Gleitschienen und ein Fangnetz aufbaust, um Dich vor dem Wasserfall zu schützen und Dich in ruhige und friedliche Gewässer zu leiten.
Gleitschienen heißt, dass Du Dich in ärztliche Behandlung begibst (wenigstens wegen dem Attest) und/ oder Dir Beratung holst. Und als Fangnetz brauchst Du das Urlaubssemester.
Du hast es ja selbst schon angesprochen, dass Du daran denkst. Und das ist ein Zeichen, dass es schon langsam wieder aufwärts geht:

Langsam "erhole" mich, und je mehr ich mich erhole, um so mehr drängt es auch mich danach es in ein "Urlaubssemester" umzuwandeln.
Im Grunde bin ich derzeit eine kleine Prinzessin auf der Erbse, die gerettet werden möchte. Ich will und brauche jemanden (im Bekanntenkreis meiner Lieben), der mir zeigt, dass es ihm oder ihr wichtig ist. Jemanden, der vielleicht so ein guter Freund ist, dass er mich zum Studentensekteriat prügelt.

Hier lese ich ganz deutlich den Wunsch, dass Du zu einem späteren Zeitpunkt weiter studieren möchtest. Vielleicht findest Du eine gute Freundin oder einen guten Freund, die bzw. der Dich zum Studierendensekratirat begleiten kann. Gehe am besten noch nächte Woche hin. Jetzt ist es auf jeden Fall noch rechtzeitig. Jetzt wird es sich noch recht einfach in ein Urlaubssemester umwandeln lassen können. Mit Attest bist Du auf der sicheren Seite.
Hiermir gebe ich Dir einen liebevollen Schubs und schicke Dir ganz viel Energie rüber: [image][image][image]
Auf, auf, zum Arzt! [image][image][image] Und Auf, auf, zum Studierendensekretariat. [image][image][image]
In Gedanken gehe ich mit und bin ich bei Dir. Danach, wenn Du das erledigt hast, kannst Du Dir einen Tee [image] und ein Eis [image] gönnen. Und Dich treiben lassen und Dich erholen.
Nur Mut, Du schaffst es. Alles wird gut. Und schau: die Sonne wird wieder scheinen: [image][image][image]
Grüße, [image]
Sabine


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