Re: Angst vor dem was wir getan haben (Angehörige)

Sigrun, Montag, 26.05.2008, 00:24 (vor 6435 Tagen) @ Katta

Hallo Sigrun,
ich kann mir gut vorstellen, daß dein Vater ziemlich erschrocken sein wird, wenn er die Veränderung sieht.
Aber, den Auftrag das Zimmer freizumachen hattet ihr schon von euren Eltern bekommen, wenn ich das richtig verstanden habe!?
Offensichtlich hat er ja nicht völlig jede Hilfe von "außen" ausgeschlossen.
Vielleicht ist es auch eine Chance ins Gespräch zu kommen.
Wenn du es ihm so erklärst, wie du es hier erzählt hast, wird er vielleicht auch nachvollziehen können,
wie es dazu kam, daß ihr "mehr" gemacht habt als gewünscht.
Er sollte in jedem Fall wissen, daß es dir leid tut und daß du versuchst ihn zu verstehen.
Ich sehe manchmal mit Schaudern diese Fernsehsendungen, in denen jemand mit einer neu renovierten
oder neu eingerichteten Wohnung "überrascht" wird.
Ich glaube, es gibt nur wenige Menschen, egal ob Messies oder nicht, denen es nichts ausmacht,
wenn jemand in ihrer Abwesenheit und ohne konkreten Auftrag etwas in ihrer Wohnung verändert.
Mir würde das auch nicht gefallen, auch wenn ich kein Messie mit "Sammelzwang" bin.
Ich habe auch zeitweise eine Haushalthilfe, das ist für mich völlig ok., auch z.B. "Kühlschrankdurchsicht".
aber Dinge wir Haushaltsgegenstände oder Möbel entsorgen ohne mein Zutun wäre absolut ausgeschlossen.
Ich denke, dir selbst würde das auch nicht passen, wenn jemand über deinen Kopf hinweg deine Lieblingsklamotten aussortiert,
(weil sie ja schon sooo "alt" sind) und dir dafür neue besorgt.
Ich finde das Beispiel Kleidung sehr passend, denn fast jeder hat so ein paar uralte Lieblingsstücke,
die für jeden anderen eindeutig Müll wären, für den Besitzer aber nun mal nicht.
Oder die Lieblingstasse, die keinen Henkel mehr hat, das abgeliebte Kuscheltier usw.
Für den einen alter Krimskrams, für den anderen aber wichtig.
Aber wer kann das schon besser entscheiden als der Besitzer selbst.
Für deinen Vater hat sich wahrscheinlich überdurchschnittlich viel "wichtig" angefühlt und dieses Gefühl
mag dir sehr seltsam oder auch krank erscheinen - es ist aber da und sollte nicht einfach übergangen werden.
Er muß sich selbst damit auseinandersetzen und das kann niemand für ihn erledigen.
Auch ob und wann diese Auseinandersetzung erfolgt, kannst du wahrscheinlich kaum beeinflussen.
Versuche ihm zu sagen, daß du immer für ihn bzw. sie da bist.
Ich wünsche dir und der ganzen Familie alles Gute und daß ihr im Gespräch bleibt,
das ist für den Moment sicher am wichtigsten.
Gruß Katta


Hallo Katta,

vielen Dank für Deinen netten "Brief". Heute abend sind meine Eltern wieder nach Hause gekommen! Mein Vater hatte Angst davor, das hab ich ihm angemerkt. Zuerst haben wir auf der neu renovierten Terasse Kaffee getrunken und haben über die vergangene Zeit gesprochen. Dabei sagten wir unserem Vater auch, daß wir in unserem Eifer etwas zu tun einfach viel zu viel gemacht haben und daß uns das leid tut. Wir wollten ihnen etwas Gutes tun und wir hoffen, daß er uns verzeihen kann.
So langsam traute mein Vater sich schließlich die Veränderung anzuschauen und sagte auch, daß er versteht, daß wir sehr viel Arbeit hatten und daß wir es gut gemeint haben - er müsse sich erst mit der neuen Situation abfinden- das ginge nicht so schnell.
Ich hoffe sehr, daß es ihm morgen früh gutgeht, wenn ich ihn wieder besuche und ihm meine Hilfe anbiete (egal bei was).

LG Sigrun


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