Re: @Astarte... meine Mom (lang) (Allgemein)

Astarte, Donnerstag, 28.08.2008, 20:17 (vor 6339 Tagen) @ Sabine

Grüß Dich!

Du, über meine Mutter möchte ich hier gar nicht so reden. Ich kann Dir aber versichern, dass ich schon oft versuchte mit ihr zu reden, dass ich an mir schon alles getan habe um loszulassen (bis hin zu Ahnenkarma und Familienaufstellunge). Ich kann definitiv sagen: Nein, mir liegt definitiv nichts mehr an einem besseren Verhältnis. Sie ist mir schlichtweg egal geworden. Das heißt auch nicht, dass ich wutentbrannt davon rausche und den Kontakt abbreche. Auch ihre gelegentlichen sehr harten Spitzen gehen mir so ziemlich am Hintern vorbei. Ich bin damals 350 km weitgezogen. Wir hatten dennoch Kontakt. Und ja, zu den Feiertagen und Ferien kam ich sogar sehr gerne hierher. Ich verbinde mit ihr einfach nichts.

Das einzige Problem ist, dass mich diese Notlage wieder hierher zurückbrachte. Und ich habe dazu wortwörtlich gesagt: "Lieber wäre ich tot als zurück zu ziehen!" Und das war - tragischerweise ernst gemeint. Aber ach, das Töchterchen...

Ich wollte halt nicht so weit gehen bzw. riskieren meine Tochter in eine Pflegefamilie geben zu müssen oder sie ganz wegzugeben, wenn hier liebende Verwandtschaft, eine leere Neubauwohnung etc. und sonst alles, was ein Kind so braucht, auf das Kind wartet...

Das Problem ist daher eigentlich "nur", dass sie halt bisweilen nicht aufhört, und wenn Dich einer anschreit, muss man wohl in den Moment reagieren. Salopp gesagt. Dann ist man natürlich auch gereizt und genervt, trotz aller Verarbeitung. Meistens gehe ich ihr aber zwanghaft aus den Weg, sag gar nichts und denk mir meinem Teil. Aber das Ziel ist es nicht, das Verhältnis zu verbessern. Vergebene Lebensmühe. Sondern so schnell wie möglich wieder auf eigene Füße kommen und hier weg. Das dies hier auch unabhängig von meiner Mutter kein Ort für mich ist.

Ja, Eifersucht ist im Spiel. Aber von ihrer Seite. Sie hasst wirklich alles, wenn es jemand wagt, es anders zu machen als sie. Und ja, ich weiß auch, warum sie so wurde, weiß von ihren Träumen. Auch heute noch versuche ich zu ermutigen sich mal wenigstens diesem und jenem Hobbie zu widmen z.b. in Form von entsprechenden Geschenken. Vergebens. Dieses Jahr zum Geburtstag habe ich ihr eine 50 Euro teure aryuvedische Massage geschenkt. Für mich viel Geld. Damit sie mal was für sich tut. Hat sie nur verächtlich angeschaut: "Was will ich mit dem Dreck? Zu so etwas geh nicht hin". Die Wahrheit dahinter ist wohl eine nicht eingestandene Sozialphobie. Sie traut sich nicht, gesteht es sich aber nicht ein.

Ja, sie liebt das Enkelkind abgöttisch. Zu sehr. Wenn ich nicht aufpassen würde, würde sie das Kind mit ihrer ÜBERANGST völlig verziehen. Und meine Süße ist ja auch gut geraten. Sie will aber, dass SIE die Lorbeeren dafür einheimst. Sie stellt sich als Mutter hin. Für eine unfähige Mutter hält sie mich übrigens nicht, sie ist lediglich "übereifrig". Das hat zwar eine Weile gedauert, sie zu überzeugen, dass ich weiß, was ich mit der Kleinen tue, und das Ergebnis gab mir recht. Sie versucht wenigstens teilweise meinen müttlerliche Regeln einzuhalten, aber gut, die Omi-Generation versteht das nicht immer. Aber immerhin. Dafür hab ich ja noch Verständnis.

Eifersucht äußert sich zum Beispiel so:

Nun wage ich mal selbst zu kochen. Wenigstens ansatzweise. So Anfängerzeug wie Sphagetti wie gestern. Natürlich kam sie dazu, gab ein paar Kommentare ab. Nicht etwa, wie unfähig wäre, aber sie findet dann irgendeinen Grund, wo man sich in die Haare bekommt. Beispielsweise weil mir der Satz rausgerutscht ist, dass mein Herd ja schon alt wäre, weil das Wasser 20 min braucht um zu kochen, was für eine Energieverschwendung in der heutigen Zeit, die Herdindustrie habe ja zwischendurch einen enormen Schub gemacht. Das war sowas wie ein Gesprächsbeginn. Ein ganz normale Feststellung. Ja, er ist 12 Jahre alt, wurde aber kaum benutzt. Schwupps, werde ich von jetzt auf sofort angeschrieen, dass ich ja überhaupt gar keine Ahnung hätte, was ein alter Herd sei, dass ich ja völlig spinne und ob ich nicht vielleicht in die Klapse gehöre, wenn ich so einen Mist sage. Sie hatten ihren alten Herd 30 jahre erdulden müssen, bevor die neue Küche kam!!! Wie gesagt, sie findet immer was, und das war sogar für ihre Verhältnisse noch sinnig. Sie hat mich sogar schon mal ernsthaft angeschrieen, dass ich etwas so und so machen muss, wegen Feuerschutz, für den Fall dass die Gewerkschaft in Haus käme! Gewerkschaft? Hä?! Na, da sagste nix mehr. Na ja, weiter zu Eifersucht. Über die Spaghetti hat sie nichts gesagt. Aber heute gab es den ganzen Tag über die absoluten Lieblingsgerichte für meine Süße, auf dass diese gar nicht auf Idee kommt bei Mama zu essen. Gestern war die Süße mal ausnahmsweise DEN GANZEN TAG nur bei mir, haben viel geknuddelt und gespielt. Heute sehe ich sie ganz ZUFÄLLIG den ganzen Tag nicht, Oma fährt ein riesen Unterhaltungsprogramm auf.

Na ja, wie gesagt, diese Frau ist nicht zu ändern. Wir versuchen es alle mit Fassung zu tragen. Der Kleinen geht es gut, das ist die Hauptsache. Und ansonsten zählt nur, so schnell wie möglich wieder bereit zu sein, hier wegzukommen. Ein besseren Grund als Studium gäbe es nicht, aber ich mag meine Kleine nicht zu lange alleine lassen. Nicht jetzt. Jemand muss doch auf die Oma aufpassen, dass sie das Kind nicht zu einem überängstlichen Psychotiker erzieht und auf eine ungute Art und Weise verwöhnt. Zwar kann ich sie mal kurze Zeit hier alleine lassen, früher in den Ferien oder so. Aber wenn ich manchmal nicht vermittel, geht das auch schief.

Vermutlich interessiert das außer Dich niemanden. Vielleicht sollte ich Dir lieber meine Emailadresse geben? Aber hoffe, die Beispiele haben Dir einen besseren Überblick verschafft. Ich hasse sie nicht. Ich hasse es nur, hier festzusitzen.

Gruß,
A.


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