Re: OT: Was erwarten Männer in einer Beziehung? (Allgemein)

Paladin, Donnerstag, 13.08.2009, 18:32 (vor 5996 Tagen) @ Xandria

Moin Xandria,

Da sprichst du eine wahres Wort gelassen aus. RESPEKT. Natürlich sehr wichtig. Für mich ist die einfachste Form des Respekts die Ehrlichkeit! Was den Respekt gegenüber der "Schrullen" des anderen angeht - denke ich ist das einer der häufigsten Punkte, an denen eine Beziehung scheitert. Die meisten schaffen es ja noch nichtmal die eigenen "Schrullen" zu respektieren, geschweige denn anzunehmen.[image] Beim Lesen deiner Antwort - hat sich das nämlich bei mir bemerkbar gemacht!

Ich glaube, da liegt auch ein Kernproblem: Wenn man es nicht schafft, seine eigenen "Schrullen" anzuerkennen, dann wird man es erst recht nicht bei Dritten tun. Aber gerade das Annehmen dieser Eigenheiten macht das Dasein doch erst eigentlich interessant und um vieles Bunter

Da musste ich jetzt doch schmunzeln!!! Nicht falsch verstehen! ICH hätte nämlich sowas von überhaupt KEIN PROBLEM damit, mit einem langhaarigen, berockten Mann durchs Leben und durch die Straßen zu gehen. 1. Ich steh auf langhaarige Männer - wenn die Mähne denn zum Träger passt und gepflegt ist. 2. Als berockter Mann, fällt man sicherlich auf und ich habe gerne Menschen um mich, die auffallig sind. (Besonders groß/klein, stark tätowiert oder eben mit einem schicken Rock bekleidet). Ich falle durch meine Behinderung auch schon mal auf, d. h. die Menschen gucken. Da muss ein eventueller Partner mit umgehen können und wenn er das schon von sich aus kennt, um so besser.......

Und da liegt IMHO ein weiterer Knackpunkt... Sehr viele Menschen haben offenbar das Bedürfnis, möglichst wenig aufzufallen, und da stört natürlich eine Begleitung, die dieses Nichtauffallenwollen erheblich stört. Das würde im Umkehrschluß bedeuten, daß sich Partner, die per se beide auffallen in welcher Beziehung auch immer, eigentlich gut zusammenpassen müßten. Man hat kein Problem mit der Auffälligkeit des anderen und da einem selber die Auffälligkeiten nicht stören, paßt dann wieder alles.

Da habe ich mal eine Frage: Was ist eher das Problem, dass du als Mann gerne Röcke trägst oder dass du damit auffällst?

Für mich persönlich ist beides überhaupt kein Problem. Nach fast 30 Jahren Rocktragen hast du genug Routine entwickelt, daß du das Auffallen gar nicht mehr wahrnimmst.

Womit hat deine Partnerin das Problem.

Das geht bei ihr in die Richtung, wie ich es oben schon beschrieben hatte. Sie will möglichst nicht auffallen, also soll sich ihr Partner auch möglichst unaufällig verhalten. Zuhause in der Wohnung stört sie das nicht, nur wenn ich damit raus gehe, jedenfalls solange wir zusammen unterwegs sind. Anfangs war es sogar so, daß ich auch solo nicht mit Röcken rausgehen sollte. Dazu sagte sie mir als Begründung, daß mein Verhalten dann auf sie zurückfallen würde. Das ist natürlich blanker Unsinn: Für mein Handeln bin nur ich verantwortlich und sonst niemand. Also kann das nur auf mich zurückfallen, und das ist mir egal, sonst würde ich es ja nicht tun.

Kuriosum am Rande: Wenn ich Strumpfhosen trage, egal ob Fein- oder Strickstrumpfhosen, dann hat sie damit komischerweise überhaupt kein Problem. Habe ich keine Erklärung dafür, warum das geht, obwohl es nun doch eine auffällige Angelgenheit ist. Nun gut, eine hautfarbene Feinstrumpfhose am rasierten Bein fällt aus der Entfernung nicht wirklich auf, aber wenn es bunt wird, dann schon doch recht stark, und ich mag es gerne bunt

Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass meine Behinderung an sich erstmal kein Problem darstellt. Die Probleme fangen erst dann an,wenn die Männer merken, dass sie mit mir dadurch mehr oder weniger auf dem Präsentierteller liegen. Wenn dann das Umfeld (Freunde,Verwandte etc.) Fragen stellen, die der Mann gar nicht beantworten kann (die wenigsten, die mich kennenlernen, fragen mich direkt - sondern meistens meine Freunde, ist das Thema Partnerschaft schon vorbei, bevor es angefangen hat.

Im Prinzip der gleiche Mechanismus wie ich ihn auch von meiner Frau kenne. Aus meinen Erfahrungen mit der modischen Emanzipation des Mannes kenne ich eine ganze Menge Leute, die auch Röcke tragen. Aus Diskussionen in diversen Foren oder auch Treffen haben sich recht interessante Dinge herauskristallisiert
Rocktragende Männer haben recht häufig das Problem, daß die Partnerinnen den Rock nicht respektieren. Es hat deswegen auch schon Scheidungen gegeben. Fragt man die Partnerinnen den mal von dritter Seite heraus, so kommt sehr oft eine inhaltsgleiche Antwort: Ja, das sieht ja schon ganz gut aus, aber nicht bei meinem Mann... Was denn nun? Erst Ja, dann aber, dann NEIN! Auch das ist für mich ein Indiz, daß es genau darum geht, nicht aufzufallen. Daher dürfen andere Männer gerne im Rock rumlaufen.

Einen ähnlichen Grundtenor bekommst du, wenn du Männer danach fragst. Bei Treffen oder auch so wird man schonmal darauf angesprochen. Häufig ist es denn so: Naja... Sieht eigentlich ganz gut aus, aber für mich wäre das nichts. Auch hier sehe ich wieder als Grund, daß auch Männer offenbar nicht gerne im Rampenlicht stehen. Hier kommt nach meinen Beobachtungen aber noch ein anderer Effekt hinzu: Der Gruppenzwang. Die Angst, sich vom Freundes- oder Bekanntenkreis auszugrenzen. Frauen sind, glaube ich, in der Beziehung nicht ganz so pingelig... [image]

Oder mal zusammenfassend gedacht: Im Grunde ist es vollkommen egal, womit du auffällst, ob Behinderung, Mann im Rock, lange Haare oder nur eine Warze an der falschen Stelle: die Mechanismen sind immer die gleichen
Im grunde genommen wäre alles ganz einfach, wenn sich die meisten Menschen klarmachen würden, daß es nicht schlimm ist aufzufallen. Im Gegenteil, daß es eine Bereicherung des Lebens ist. Ich möcht nicht wissen, womit ich inzwischen alles auffalle, aber ich mach mir auch keinen Kopf darum
LG vom Paladin


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