Konferenz der Innenpersonen - vorsichtig lang (Allgemein)

Astarte, Dienstag, 29.07.2008, 21:36 (vor 6375 Tagen) @ Xandria

es wäre schön, wenn du mir mehr über deine kreativen Dialoge erzählen könntest. Vielleicht magst du auch mal ein Beispiel posten? Würde mir zumindest weiterhelfen.
Danke Xandria

Ohje, das ist jetzt etwas schwierig. Aber ich will's versuchen.

In erster Linie handelt es sich um Selbstgespräche. Punkt. Ich stelle mir halt zum Beispiel wirklich vor, ich würde jetzt mit (m)einem Kind reden. Ich höre dann die Antworten in meinem Kopf. Da ich ein sehr fantasiebegabter Mensch bin, und ständig im Kopf mit mir selbst diskutiere, habe ich darin sehr viel Übung. Es ist ja auch nicht so, dass man sich die Antworten des "fiktiven Gesprächspartner" (hier: Das innere Kind) mühsam selbst ausdenkt. Sondern es läuft über die Kreativität, instinktiv.

Meine derzeitigen Dialoge sind hingegen wirklich etwas für Fortgeschrittene. Ich und meine Innenpersonen halten derzeit regelrechte KONFERENZEN! Da es selbst für mich unüberschaubar wird, schreibe ich es als eine Art Geschichte. Die Eingebungen kommen dann während dem Schreiben. Folgendes schrieb ich zum Beispiel vorgestern. Als Fremder wird man die ganzen Bedeutungen zwar nicht wirklich nachvollziehen können, aber für mich entstehen dann klare Bilder, mit denen ich direkt arbeiten kann...

Folgendes z.B. ist mein neuster "Wahn" der kreativen Innenarbeit. Aber man muss es ja nicht ganz so krass betreiben[image]. Aus dieser Episode (s.u.)die ich so in meinem Kopf sah und unbedingt schriftlich festhalten mußte, lernte ich z.B. dass mein Mitgefühl falsch gepolt ist, und verzweifelt Ausschau nach meinem Ex hält, statt sich um uns selbst zu kümmern. Ich hatte nun ein ernsthaftes Gespräch mit diesem Innenaspekt, und ... - holla! - ... seit dem habe ich einiges im ganz neuem, besserem Licht sehen können. Aber wie gesagt, ich glaube, dass ist dann schon eher was für Fortgeschrittene mit Mut zu einer kreativen Form der Schizophrenie [image])))


Folgende Innenpersonen treten auf:

Die verzeihende GÖTTIN: Kontakte zum höheren Selbst
Die Sternen-PRIESTERIN: Spiritualität
Der Krieger: Zorn, Wut, Verletzt-sein, verletzter Stolz
Der Vampir: Lebensfreude, Integration des eigenen Schattens
Die jungfräuliche HINGABE: Leidenschaft, Begeisterungsfähigkeit, Demut
Der verständige ALCHEMIST: Mein Grübel-Ich
Die mütterliche HEILERIN: sich selbst was Gutes gönnen, müttlerlichkeit
Die trauernde WITWE: spricht für sich selbst
Jungfer MITGEFÜHL:
Das hilflose OPFER: die frisch-verlassene jahrelang Messi-Angehörige-Gequälte
AKASHA: Mein Bewußtsein/Alltagsdenken

Ein heruntergekommenes Konferenzzimmer in einer altersschwachen Burg. Verschiedene alterschwachen Gewänder der einzelnen Persönlichkeiten und entsprechende Requisiten und Erinnerungsstücke lassen das Zimmer mehr wie eine Rumpelkammer wirken.

Auf einer zerschlissenen Couch liegt der leblose Körper des VAMPIRs, wird von der jungfräulichen HINGABE mit besorgter Miene umsorgt. JUNGFER MITGEFÜHL steht abwesend am Fenster und hält mit einem Feldstecher Ausschau nach IHM. Alle anderen sammeln sich am Tisch rund um die verwundete und verbundene AKASHA. Die PRIESTERIN und GÖTTIN halten sich im Hintergrund, der KRIEGER läuft unruhig umher, die Hand fährt immer wieder auf seinem Schwertgriff.

ALCHEMIST: „Und? Wie gehen wir weiter vor?“

KRIEGER: - knurrend - „Gar nicht!“

AKASHA: - befühlt stöhnend ihren Kopfverband -

HEILERIN: „Alles in Ordnung?“

AKASHA: „Nein. Ganz und gar nicht. Ihr macht mich wahnsinnig.“

JUNGFER MITGEFÜHL schaut kurz besorgt über die Schulter, späht dann weiter durch das Feldstecher.

GÖTTIN: „Verzeihung.“

KRIEGER äfft die Göttin nach und erntet einen bösen Blick, der ihn sofort zur Vernunft bringt.

HEILERIN: „Können wir irgendwas für Dich tun?“

AKASHA schüttelt den Kopf.

ALCHEMIST: - wälzt in seinen Unterlagen – „Also, ich bin sicher... die Antwort... steht irgendwo hier. Wir müssen nur,...“

WITWE: „Ach, lass gut sein. Das bringt doch eh nichts. Weg ist weg.“

ALCHEMIST: „Nein, das akzeptiere ich nicht. Wenn ich nicht aufgebe, solltest Du das auch nicht.“

OPFER: „Soll ER doch bleiben wo der Pfeffer wächst.“

KRIEGER: „Das wäre viel zu gut für IHN!“

HEILERIN: - zu AKASHA - „Ein neuer Mann vielleicht? Würde das helfen?“

AKASHA schaut sie wie eine Geisteskranke an.

OPFER: „Vergiss es! Ohne mich! Nie wieder!“

KRIEGER: - legt sanft die Hand auf OPFERs Schulter – „Keine Sorge. Ich beschütze Dich!“

OPFER: „Ach ja?! ACH JA? Und wo warst Du als ich Dich...“

JUNGFER MITGEFÜHL: - ohne hinzusehen - „Sssschtt! Ich kann mich nicht konzentieren! (-zu sich selbst -) Wenn ich nur wüßte, wie es ihm geht...“

KRIEGER: „Bah! Wie wäre es denn mal, wenn sich das werte Mitgefühl um SIE (- deutet auf AKASHA- ) kümmern würde, statt um diesen Bastard!“

GÖTTIN fixiert den Krieger bis er sich deutlich unwohl fühlt.

GÖTTIN: : „Du meinst in Selbstmitleid versinken?“ – deutet mit einer leichten Geste Richtung Opfer.

PRIESTERIN: - seufzt –

WITWE: „ER hat es nicht mit Absicht gemacht.“ – nickt dem Alchemisten zu -

ALCHEMIST: „Danke, genau das wollte ich auch gerade sagen.“

OPFER: „Das könnt Ihr mal gleich wieder vergessen. Nie wieder lass ich einen Mann so nahe an mich ran. Versucht es erst gar nicht!“

Alle Augen ruhen nun auf der WITWE.

WITWE: „Nun ja... ich... weiß nicht...“

KRIEGER rollt mit den Augen.

WITWE: „Ich meine, will sagen... ein bisschen Trost wäre schon ganz nett. Aber es wird halt niemals...“

WITWE beginnt leise zu weinen, AKASHA und ALCHEMIST tauschen verstehende Blicke.

AKASHA: „Es ist noch zu früh.“

ALCHEMIST: „Was wir brauchen ist eine Art Waffenstillstand.“

KRIEGER: - schnaubt –

JUNGFER MITGEFÜHL wird kurz hellhörig, der ALCHEMIST fordert sie auf, sich zu ihnen an den Tisch zu gesellen, aber sie schüttelt den Kopf, kann sich nicht vom Fenster losreisen.

ALCHEMIST: „Aber denkt ihr nicht auch, dass es uns allen helfen würde, wenn es zu einer Aussprache käme?“

JUNGFER MITGEFÜHL nickt entschieden hinter dem Feldstecher. Allgemeine Ausrufe der Empörung.

AKASHA: - zornig - „Du meinst, ich... ich meine ICH... soll ihm helfen, damit es IHM besser geht?“

HEILER: „Ruhig, nicht aufregen. Sonst platzt die Wunde wieder auf.“

PRIESTERIN: „Würde Dir es denn nicht auch helfen?“

AKASHA: „Aber es ändert nichts. Mein Leben bleibt immer noch genauso scheiße, nur dass er seine ...“ - verzieht verächtlich das Gesicht – „... Freiheit noch mehr genießen kann.“

OPFER: „Kommt nicht in Frage!“

KRIEGER: „Elendig verrecken soll er!“

OPFER: - sieht Krieger dankbar an –

GÖTTIN: „Hassen hilft uns auch nicht weiter.“

KRIEGER: „Mir schon!“

GÖTTIN: - lächelt milde – „Sei nicht trotzig.“

AKASHA: „Im Ernst. Das Opfer hat recht. Es kommt überhaupt gar nicht in Frage, dass wir IHM helfen, und selbst nichts davon haben. Das hat ER nicht verdient.“

WITWE: „Hatten wir nicht geschworen, IHN zu ehren und zu lieben, in guten wie in schlechten Tagen?“

HINGABE: - blickt skeptisch vom Krankenlager des Vampirs auf, verkneift sich aber ein Kommentar -

AKASHA: „Welchen Sinn sollte das jetzt noch haben? ER ist tot.“

WITWE: - senkt traurig den Blick –

ALCHEMIST: „Das sehe ich anders. ER ist krank. Von einem Wahn befallen, und...“

KRIEGER: - zückt sein Schwert - „Ich befreie IHN gerne davon!“

OPFER: - empört zu Witwe – „ER hat uns beinahe umgebracht! Wie kannst Du ihn da verteidigen?“

WITWE: „Aber nur beinahe!“

AKASHA: „Schlimm genug!“

JUNGFER MITGEFÜHL setzt sich endlich müde und nachdenkllich zu ihnen an den Tisch, reibt sich die Augen.

JUNGFER MITGEFÜHL: „Glaubt ihr, dass er jetzt genauso dasitzt? Dass er auch so viele Persönlichkeiten hat.“

AKASHA: „Auf jeden Fall nicht bewusst!“

WITWE: „Ich bin sicher, er hat noch Gefühle für uns. Irgendwo tief in sich..“

ALCHEMIST: „Davon gehe ich auch aus. Alles andere wäre absurd.“

AKASHA: - genervt – „Und ich schätze, er hat all diese nervenden Innenpersonen kurzerhand vor die Tür gesetzt.“

PRIESTERIN: „Dann müssen wir sie ja nur noch finden.“

KRIEGER: „Und in IHN zurückstopfen!“

HEILERIN: „Als ob das so einfach wäre.“

ALCHEMIST: - zu Heilerin – „Also, im Grunde müßte wir nur...“

Er bricht ehrfürchtig ab, weil plötzlich die GÖTTIN hervor tritt und sich neben AKASHA stellt.

GÖTTIN: „Möchtest Du nicht lieber all dies hinter Dir lassen?“

AKASHA: - sieht auf – „Nein, ich denke nicht.“

PRIESTERIN: „Warum willst Du daran festhalten?“

AKASHA: „Du hältst doch selbst daran fest.“

PRIESTERIN: „Ich tue das, was die Göttin mir befiehlt. Aber in der Tat, ich finde dieses Ausgang mehr als bedauerlich. In Sternen stand anderes geschrieben.“

AKASHA: „Aber...?“

PRIESTERIN: „Ich wollte wissen, weshalb DU daran festhalten WILLST, obwohl es nicht nötig ist. Meine Gründe kenne ich. Was sind die Deinen?“

KRIEGER: - grinst – „Damit ich auch noch meine Chance bekomme!“

AKASHA: - grinst zurück - „Ja, vielleicht.“

OPFER: „Und was ist mit mir? Hältst Du das für fair?“

AKASHA: „Wie sollen wir Dich rächen, wie sollen wir Gerechtigkeit erlangen, wenn wir uns einfach davon schleichen wie ein häßlicher Troll in der Nacht?“

JUNGFER MITGEFÜHL: - widerspricht entschieden - „Ich will mich nicht rächen. Ich will IHM helfen.“

KRIEGER: „Hilf lieber uns!“

ALCHEMIST: - murmelt - „Irgendwas lässt sich bestimmt machen. Die Frage ist nur ... WIE?“

AKASHA: „Ich will UNS helfen. Was aus ihm wird, ist mir egal.“

WITWE: „Ich möchte nicht vergessen.“

AKASHA: „Sollst Du auch nicht. Niemand von uns soll vergessen! Auch wenn ich das Angebot von der Göttin zu schätzen weiß.“

HINGABE erhebt sich stolz und mit anklagendem Blick.

HINGABE: „Wir vergessen nicht.“ – deutet mit anklagender Finger auf den Vampir- . „Er braucht Blut.“

KRIEGER: „HA! Ich kann ihm welches besorgen. Ich weiß auch schon ganz genau wo...!“

HEILERIN: - brüskiert - „Willst Du den Vampir etwa noch mehr vergiften?!“

KRIEGER: - zieht eine Grimasse – „War doch nur ein Scherz.“

GÖTTIN: „Hingabe, komm her zu mir.“

Alle schweigen, während sich die HINGABE um den Tisch zur GÖTTIN begibt. Die GÖTTIN streicht ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht. Die PRIESTERIN lächelt.

GÖTTIN: „Was hältst Du von allem dem? Du bist so ruhig.“

HINGABE: „Ich mache mir Sorgen um den Vampir.“

...

Und so weiter und sofort. Damit verbringe ich seit 48 h meine Tage. Wenigstens hilft es mir. Bringt Ordnung in meine Gefühle! Manchmal lass ich sie sogar regelrecht abstimmen! Aber wie die Geschichte ausgeht, tja... das steht noch in den Sternen!

LG,
Astarte


gesamter Thread:

 

powered by my little forum