Re: Am Anfang war das Chaos oder Selbstbeobachtung im Kinderzimmer (lang!) (Allgemein)

Astarte, Mittwoch, 27.08.2008, 13:31 (vor 6344 Tagen) @ Katta

Hi!

Mich würde mal interessieren, wie alt die Kinder sind?

Die Dauerbaustelle Kinderzimmer kenne ich nur zugenüge, aber ich erlebe nach einem Umzug/Neustart gerade, dass es tatsächlich machbar ist, und erkenne, wie vieles trotz allem nur "Gewohnheit" war oder von mir selbst abhing. Jetzt funktioniert es einigermaßen, und das ist schön zu beobachten. Wenn ich da an früher denke *augenroll*

Als meine Kleine und ich uns mal zwischendurch der Dauerbaustelle Kinderzimmer annahmen, merkte auch ich, dass wenn ich nicht so genervt/frustiert bin, es durchaus klappen kann. Wie Du schon schreibst: Wenn man dem Kinder klare, kurze Anweisungen gibt. Dabei machte ich anfangs einen Fehler, und zum Glück gab mir die Süße das entsprechende Feedback: Meine Anweisungen erfolgten zu schnell hintereinander, was das Kind völlig verwirrt hat.

Greifen wir mal dein Beispiel auf: Ich sagte ihr, sie solle die auf dem Boden verstreuten Stifte zu ihrem Platz bringen. Das Kind sammelt sie auf und steuert Richtung Schreibtisch. Ich als Erwachsene denke mir: Okay, Aufgabe erledigt und gebe die nächste Anweisung. "Räum die Kuscheltiere weg." Und was machte das Kind? Steht bereits vor dem Schreibtisch, legt die Stifte SOFORT weg, d.h. auf dem Stuhl, dreht herum und fängt mit den Kuscheltieren an. Stand ich auch daneben: "Warum zum Kuckkuck legst Du sie dann nicht gleich auf dem Schreibtisch?" Fängt mein Kind zu heulen an, setzt sich in die Ecke und will erst mal gar nicht mehr. Dann erklärte sie mir, dass ich sie völlig wirr mache. Ich sage erst das, und wenn sie gerade noch dabei ist, dann sage ich was anderes, und sie weiß dann gar nicht mehr, was sie zuerst machen soll, und meckere ich auch noch rum, weil das erste nicht richtig erledigt ist!!!

Da ging mir ein Licht auf. Für mich als Erwachsene war es selbstverständlich, die Aufgabe "Stifte auf Schreibtisch" sei bereits erledigt, wenn sie bereits kurz vor dem Schreibtisch stehe. Für sie war dem allerdings nicht so.

Seit dem warte ich explizit bis eine der klaren Anweisungen vollendet ist. Lass es in ihrem Tempo machen. Ich mache es mittlerweile so, dass ich ihr EINE Anweisung gebe, und ihr dann sage, wenn sie fertig ist soll sie zu mir kommen, und sich die Nächste abholen. Seit dem funktioniert ist. Immer öfters gehe ich dabei sogar aus dem Zimmer. "Räum mal die Ecke da auf, soweit wie Du kommst. Wenn Du nicht weiter weißt, ruf mich, ich helf dann beim Rest. Und dann sag ich Dir, wie es weitergeht." Das ist eine Kombination aus Anweisungen und Selbstständigkeit.

Nebenbei begriff ich in diesen Moment, was ich beim gemeinsamen alltäglichen Haushalten mit dem ADS-Messigemahl immer falsch gemacht habe. Ich bin/war wohl eine so typische Frau, dass ich, wenn ich bei einer Sache war, bereits in Gedanken die nächste Sache plante ("Wenn ich das fertig habe, dann kommt das und das dran...") und dabei "selbstversunken" meine Anweisungen gab, quasi laut dachte, zwischendurch - wenn ich Hilfe brauchte - mal wieder Mann oder Kind aus ihren Aufgaben raus riss ("Komm mal kurz her und stell das mal da oben hin, ich komm nicht dran), und dann bereits die übernächste Anweisungen gab ("Wenn Du damit fertig bist, dann...")
Ich bin dankbar, dass mir mein Kind (damals 6!) mir meinen Fehler so erklären konnte. Mein Ex war dann immer nur völlig genervt, und konnte es aber nicht erklären, was oft zu Trotz, Blocken und Streit führte.

Weiß natürlich nicht, wie es bei Dir so ist. Sollte nur ein kleines Beispiel dafür sein, wie wichtig es gerade für Kinder bei diesem Thema ist, dass man es sie in IHREM Tempo machen lässt und dass das, was uns als Erwachsene als "klare Anweisung" erscheint, nicht zwangsweise auch für die Kleinen "logisch" und "klar" ist. Ich glaub, das hat auch weniger mit ADS zu tun, sondern liegt einfach daran, dass es noch Kinder sind.

Für mich als Erwachsene ist z.B. normal, dass mir während dem Aufräumen gleich zehntausend Sachen auffallen, die auch noch gemacht werden müssen. "Und dies...und dann das... und das auch noch...". Auch für Erwachsene heißt es: "Eines nach dem anderem!", nur dass sie halt oftmals am Ende es einen schon das Nächste planen. Bei Kinder scheint mir das nicht so zu sein. Sie machen eine Sache. Dann halten sie inne. Drehen sich im Zimmer um, und fragen sich erst dann: "Und was als nächstes?". So zumindest konnte ich es beobachten.

Viel Erfolg!

Astarte


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