Re: Betreuer, Therapie... Fortsetzung (Allgemein)

BigBird, Sonntag, 10.08.2008, 20:45 (vor 6364 Tagen) @ Astarte

Was ich mich bei der ganzen Sache frage: was willst DU eigentlich? Willst Du ihn zurück? Willst Du ihn bessern? Fühlst Du Dich für ihn verantwortlich?
Du hast hier im Forum so viel über ihn gejammert, und ihr seit ja anscheinend auch definitiv getrennt - was ist es, daß Du solche Verantwortung fühlst, Dinge richtig stellen zu müssen?
Viele Grüße,
Christine

Coabhängigkeit? *Hmmpff*
Hab mir auch viele Gedanken gemacht, was ich will, und es ist nicht leicht zu beantworten. Ich möchte auf jeden Fall Gerechtigkeit. Denn diese sehe ich nicht als gegeben: Denn wer hier gerade auf derbste Weise den ganzen Mist ausbaden muss, bin ich! Ich mußte deswegen (genauer: zum Wohle des Kindes) umziehen. Mein Studium habe ich nun abgebrochen. Ich mußte meine Freunde aufgeben. Meine so sehr geliebte Stadt. Die letzten paar Freiheiten, die ich noch hatte. Meine Unabhängigkeit. Alles das, was IHM nichts bedeutet, aber mir so unendlich viel. Er "genießt" nun seine Freiheit. Das macht mich wahnsinnig. Er sollte in dieser Situation hier sein, nicht ich! Wohne an dem für mich schrecklichsten, denkbarsten Ort. Ich kann hier nicht gesund werden. Mich zwar von IHM befreien, ziehe mir aber nachweislich viel schlimmere Wunden zu, und komme aus der Situation nicht mehr raus.
Die richtige bzw. ehrliche Antwort auf deine Frage lautet also: Er wäre das kleinere Übel. Punkt.
Was ich will? MEIN LEBEN ZURÜCK. Was immer das genau bedeuten soll. Das hier ist auf jeden Fall nicht mein Leben. Und ja, das ist der vielleicht alberne Punkt an all den Wirrungen: Ich will das ER mir mein Leben zurück gibt. Schließlich hat das ganze auch so verbockt. Das soll aber nicht heißen, dass er mir was abnehmen soll. Nicht weltlich. Aber im seelischen Bereich soll er mir diese Bürde, die mir die Trennung auferlegte, nehmen. Das könnte z.B. schon durch ein liebes Wort geschehen, dass ein paar Dinge ins richtige Licht rückt...
Ins richtige Licht rücken... das Leben der Wahrheit statt der Lüge... das ist es, was ich mir sowohl für ihn als auch für mich wünsche. Jetzt, nachdem er wieder ankam, zeigt sich auch, was ich die ganze Zeit mir schon dachte: Die aktue Psychose ebbte ab, und nun sieht er einiges wieder ganz anders und klarer. Ich habe ihm nicht wirklich geglaubt obwohl ich mich dazu zwingen wollte. Ich behielt recht, wie sich nun zeigt.
Oder noch anders formuliert: Man kann an der aktuellen Situation defakto nichts mehr ändern. Punkt. Aber heißt das, dass man vergessen und loslassen soll? Nein, die Frage ist noch immer, ob das hier eine Sackgasse oder ein Schritt auf dem Weg zum Ziel ist. Und das ist sehr essentiell wichtig für meine eigene Motivation, den Hintern hoch zu bekommen. Es ist ein Unterschied zwischen "alles aus sich selbst herausholen und kämpfen, kämpfen, kämpfen" oder "völlig aufgeben". Und diese Frage, diese grundlegende Frage, die allem anderen voran gestellt ist, ist noch nicht beantwortet.
Na ja, und dann noch ganz profan, so dass es selbstverständlich ist: Die Frage mit dem Umgang mit dem Kind ist noch nicht geklärt! Bis das sich eingependelt hat, ist klar, dass man sich damit noch beschäftigt. Zwar war sie zwischenzeitlich geklärt: "Kontaktverbot bis das..." , doch nun hat er alle Bedingungen erfüllt.
Und dann gibt es noch die lange Liste der Dinge, die ich definitiv nicht möchte. Das Pferd von hinten aufgezäumt. Ich möchte KEINE Freundschaft. Entweder/oder. Entweder ganz oder dass er für immer aus MEINEM Leben verschwindet, was aber wegen Kind nicht geht. Ich möchte dabei aber nicht die Dumme sein, die weiterhin WEGEN IHM in dieser Situation leiden muss, und ihm dann auch noch zuspielt und die eigene Psyche damit schädigt.
Und so weiter und so fort. Du siehst, so einfach ist die Frage gar nicht.
LG,
Astarte

Das alles, was Du hier beschreibst, hat aber mit seinem Messie-Dasein nichts zu tun. Das ist mindestens in 50% der Scheidungen ähnlich. Selbst da, wo man es nie vermuten würde, verwandeln sich vorher liebevolle Ehepartner in Monster.

Ich lese aus Deinen Zeilen so ein bischen den Wunsch nach Rache - keine direkte Rache, aber Gerechtigkeit in Deinem Sinne. Du bist zornig, weil ER Dein Leben zerstört hat. Das hätte aber auch auf andere Weise geschehen können. Wärst Du auch wütend auf ihn, wenn er gestorben wäre und Dich zurückgelassen hätte? Oder dann auf jemand anderen? Dein Leben wird jetzt - mit Kind - nie mehr so sein wie vorher. Aber Du kannst etwas daraus machen, wenn Du Dir bewußt wirst, daß Du es selbst in der Hand hast.

Du hast dich jetzt zu Deinen Eltern 'gerettet', weil das der einzige Platz war, der im Moment in Frage kam. Du wolltest eigentlich nicht da hin, und willst da nicht bleiben. Du hast die Möglichkeit, das zu ändern - nicht von Heute auf Morgen, aber es gibt Wege, wenn Du Dir Hilfe suchst. Dann wird Dein Lebhen wieder Dein eigenes, selbstbestimmtes sein.

Die entscheidende Frage ist: Sind andere schuld an meiner Lage? Oder habe ich die Möglichkeit, die Umstände selbst zu beeinflussen?

Viele Grüße,
Christine


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