Re: Wohngemeinschaft mit Kids - ein Trauerspiel? (Allgemein)
°°Hm, ich bin in einem absoluten Cleaniehaushalt groß geworden - daher dann auch erst Mal ein paar Jahre Revolution . . . . .später dann die Erkenntnis: ich habe es nicht gelernt Ordnung zu halten! Wenn ich von der Schule nach Hause kam, war aufgeräumt, mein Bett gemacht (faltenfrei) und geputzt. Ich habe meine Mutter nie GESEHEN, WIE sie es macht, geschweige denn, jemand hätte mich selber räumen lassen - ich hätte es nie gut genug machen können!
<font color="#008000">Meine Mutter -putzsüchtiger Cleanie- hat alles gemacht.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal altes Spielzeug oder Kleidung
aussortiert habe. Sie waren irgendwann weg. Ungefragt.</font>
[quote][quote]"Wenn ich der Großen sage: Mir ist wichtig, dass du dich in deinem Zimmer wohlfühlen kannst." und "Ich möchte nicht, dass deine Freunde schlecht über dich reden, nachdem sie dein Zimmer gesehen haben." und "Ich wünsche dir, dass du deine Freunde einladen kannst, sooft es dir gefällt." führt das eher zu spontanen Aufräumaktionen als die Sanktionen meines GöGa: "Wenn das KiZi bis zum Wochenende nicht aufgeräumt ist, darfst du nicht ausgehen." oder "Solange das KiZi so aussieht, bekommst du kein Taschengeld." [/quote][/quote]
Das ist ja spannend, liebe Fatima und liebe Sakem!
Als ich ein Kind war, herrschte in unserem Haushalt das absolute Chaos. Das entschwundene Archiv enthielt einige anschauliche Schilderungen unseres Überlebenskampfes unter widrigen Umständen.
Und nun sehe ich, dass wir alle drei unseren Kindern das geben wollen, was wir selbst so bitter vermisst haben - und jede unter der BEzeichnung "Liebevolle Unterstützung".
Eure Haltung (die ich als recht ähnlich erlebe) lese ich jetzt als: "Ich hätte mir als Kind so sehr gewünscht, dass meine Eltern mir zutrauen, meine Angelegenheiten selbst zu regeln. Ich hätte so gerne eine Chance bekommen, selbst zu lernen, wie ich aufräumen, sortieren und wegwerfen kann. Ich hätte es so gerne gemeinsam mit meiner Mutter ode rmeinem Vater gemacht. Und deshalb nehme ich meine Kinder jetzt in die Pflicht, damit sie rechtzeitig lernen, was ich erst viel später bzw. sogar zu spät gelernt habe."
Meine Haltung ist davon gar nicht so weit entfernt, nur dass meine Erfahrungen von Mangel und Fülle am anderen Ende der Skala lagen. "Ich hätte mir als Kind so sehr gewünscht, dass meine Eltern dafür gesorgt hätten, dass ich einen geeigneten, sauberen und trockenen Schlafplatz, Platz zum Spielen und Lernen, frei von Müll und schmutziger Wäsche gehabt hätte. Ich hätte so gerne eine Chance bekommen, an ihrem Vorbild zu lernen, wie ich aufräumen, sortieren und wegwerfen kann. Ich hätte es so gerne gemeinsam mit meiner Mutter oder meinem Vater gemacht. Und deshalb nehme ich mich selbst jetzt in die Pflicht, damit meine Kinder anhand meines Beispiels lernen können, was ich erst viel später bzw. sogar zu spät gelernt habe."
°°Hab ich auch schon alles durch. Ich bekomme dann zu hören: "Ich fühl mich wohl so wie es ist" - "meinen Freunden ist egal, wie mein Zimmer aussieht" (auerdem geht sie mit denen dann ins Wo- bzw. Esszimmer).
Die Freunde meiner Tochter haben in unserem Wohnzimmer nur nach vorheriger Absprache etwas zu suchen. Ihre Gäste kann sie in ihrem Zimmer beherbergen. Oder es ist ein bestimmter Anlass: z. B. dass wir grillen mit unseren Freunden und erlauben ihr, dazu auch ihre Freunde einzuladen. Dann steht der Grill und ein Tisch draußen und die Familie samt Besuch verteilt sich auf der Terasse und im Wohnzimmer an beiden Tischen, damit jeder einen Tisch vor sich hat. Ähnlich verlaufen auch Geburtstagsfeiern, nur das dann - ja nach Jahreszeit - ein SB-Buffet in der Küche steht statt des Grills draußen. Das WoZi ist unserer gemeinsamer Familienbereich wohin wir nur Gäste einladen, wenn alle damit einverstanden sind. Dafür ist ja das Kinderzimmer da, dass sie dort Musik hören können, die mir nicht gefällt und sich amüsieren können, ohne dass der Kleine alles mitbekommt.
°°Die Sache mit dem Taschengeld zieht viel besser.
Bei uns nicht.
Neulich sagte sie mir ganz traurig: "Eigentlich wollte ich schon lange wieder aufgeräumt haben. Aber dann denkt 'der Alte', dass er mit seinen Scheiß-Erpresser-Methoden Erfolg gehabt hätte. Und das will ich auf gar keinen Fall!!!
Dabei finde ich es viel schöner, wenn es aufgeräumt ist." Darin habe ich mich sehr erkannt. Dieser kindische Trotz ist sozusagen der giftige Kern meiner selbstzerstörerischen Verhaltensweisen. Meinen Einwand "Ich will nicht, dass du so abfällig über Papa redest." tat sie mit einem traurigen "Ich wünschte, er würde sich nicht wie ein Arschloch benehmen, dann könnte ich ihm zeigen, dass ich ihn noch lieb habe. Im Moment kann ich das nicht." ab.
°° Aha. und wer erzieht hier wen? Ist das keine Erpressung, wenn ein Kind seinem Vater nicht zeigen will, dass es ihn lieb hat, nur weil Forderungen hat, die zum allgemeinen Hausfrieden beitragen würden? Das ist EMOTIONALE Erpressung - das finde ich persönlich schlimmer, als die Spielchen, die Eltern treiben, um ihre Kinder zur Arbeit zu bewegen.
Auf diesen Absatz hat Plüschdingens dir dies geantwortet und damit den Nagel auf den Kopf getroffen:
>Falsch, nicht, weil er Forderungen hat, sondern weil er diese in unangemessener Form durchsetzen will, noch dazu, obwohl andere, angemessenere Wege sich als erfolgreich erwiesen haben.
Weiter unten hast du an Plüschdingens geschrieben:
°° Und mal ganz ehrlich: wenn meine Tochter so über ihren Vater sprechen würde . . . . wär aber was los! Das dulde ich nicht. Und wenn ich zu meiner Dompteurspeitsche greifen müsste . Das ist absolut respektlos! Das würde sie sich aber auch nicht trauen, weil sie weiß, dass ihre Eltern zusammenhalten.
Er ist nicht ihr Vater. Das ist seit der Geburt ihres Halbbruders sehr, sehr deutlich geworden. Der Kleine Prinz ist Papas Augenstern, die große Stieftochter nur noch Anlass für Gemecker und Gemotze. Direkt von 0 auf 100 - ohne Vorlauf, ohne Eskalationsstufen, ohne freundliche Worte. Das tut mir in der Seele weh und es entfremdet mich meinem Mann.
Hier trifft Andreas Vermutung, dass fehlende Konsistenz im Wertesystem und im Verhalten der Eltern auf tiefgreifende Beziehungsprobleme zwischen den Eltern hindeutet und das Kind in diesem emotionalen Minenfeld nur wenige Möglichkeiten hat, sich so zu verhalten, dass beide Eltern zufrieden sind. Weil die grundlegende Unzufriedenheit der Eltern aus ganz anderen, tiefliegederen Quellen gespeist wird und das Kind nur immer wieder als "Blitzableiter" herhalten muss.
°° Es beginnt immer und überall (sicherlich auch bei dem Vater des Mädchens) mit der freundlichen Aufforderung und 'BITTE' - mehrmals . . . . . irgendwann dann ist es an der Zeit für verschärfende Massnahmen.
Schön wär's! Die Zeiten sind lange vorbei.
°° Ich musste diskutieren . . . . weil SIE hat ja schließlich keinen Führerschein, und ICH hab ja schließlich ein Auto usw. mit dem Erfolg dass ich es selber gemacht habe . . . . und immer noch mache . . . . .weil, SIE hat ja keine Zeit - muss lernen - Hobbies ausüben - Trainerstunden machen . . . .
Damit habe ich im Umgang mit meinen beiden Kindern keine Probleme. Sie sind beide hilfsbereit und tun was sie können - sogar schon der Kleine im Rahmen seiner Möglichkeiten. Dr. Elliott Barker, der Direktor der Kanadischen
Gesellschaft für die Vermeidung von Kindesmisshandlung schreibt in Jan Hunts Buch<a href=http://www.anahita-verlag.de/leseproben/leseprobe_menschkind.pdf>'Mensch Kind'[/link]:
"Kinder, deren Bedürfnisse früh von liebenden Eltern erfüllt werden, sind vollkommen und absolut der strengsten Form der „Disziplin“ unterworfen, die man sich denken kann: Sie tun nicht, was du nicht möchtest, weil sie dich so sehr lieben!
Wenn du die Funkwellen zwischen dir und deinem Kind nicht mit tausend dummen „Neins“ verstopft hast, die sich um dein Royal Doulton Porzellan, den Nachtisch vor dem Hauptgericht, das Nichtaufessen des Spinats, dieses oder jenes nicht zu tun drehen, dann braucht man in den wenigen Situationen, wo angemessenes Verhalten wegen der Sicherheit oder der Sittlichkeit wirklich wichtig ist, nichts einzusetzen, das auch nur entfernt der Bezeichnung „Disziplinierung“
nahe kommt."
und Jan Hunt fügt hinzu
"Kinder sind nicht weniger menschliche Wesen als wir es sind. Sie verdienen es, mit Würde, Respekt, Verständnis und Mitgefühl behandelt zu werden. Wenn ihnen so begegnet wird, profitieren alle davon."
Und spricht mir damit aus der Seele.
°°MIR ist am wichtigsten, dass meine Tochter sich nicht durch unnötige Schlamperei ihre Zukunft verbaut oder versaut. Das ist mir wichtiger, als eine friedliche Beziehung! Dafür ziehe ich in den Kampf! Denn ich bin meinen Eltern heute noch bitterböse weil ihnen meine Zukunft *chei*egal war.
Womit du ein weiteres Beispiel für meine anfänglich geäußerte Vermutung lieferst, dass wir alle an unseren Kindern vor allem das gutmachen wollen, was unsere eigenen Eltern uns angetan haben, als wir noch Kinder waren. Und damit - in diese oder jene Richtung - wahrscheinlich übers Ziel hinaus oder an unseren Kindern vorbei zielen, weil unsere innere Not uns blind und taub macht für das, was unsere Kinder tatsächlich ganz konkret jetzt und hier brauchen. "Das 'Innere Kind' an die äußeren Kinder verfüttern." nannte es einer meiner Therapeuten. Es heilt nicht unseren Schmerz und missachtet die wahren Bedürfnisse unserer realen Kinder im Hier und Jetzt. Scheiß-Spiel - ich falle immer wieder drauf rein.
Sehe ich nicht so. Ich ringe darum, meine eigenen unzulänglichen Verhaltensweisen zzu ändern und weiß, dass in diesem Ringen ebensosehr ein Rollenmodell bin, wie in allen anderen Dingen. Allerdings kann ich nicht beeinflussen, in welchen Bereichen ich als positves Vorbild oder als abschreckendes Beispiel von meinen Kindern genutzt werde.
°°Dieses Ringen kann als Unsicherheit ausgelegt und ausgenutzt werden. Hab ich am eigenen Leib vielfach erlebt.
Es ist tatsächlich Ausdruck von Unsicherheit. Und es verunsichert Kinder und Jugendliche, die darauf angewiesen sind, dass ihre älteren Artgenossen wissen wo's langgeht und sich selbst angemessen verhalten, sodass sie als Vorbilder taugen. Und die dann solange an uns herumzerren und schubsen, bis wir wieder fest stehen und klar zeigen, dass wir selbst wissen, was wir wollen. Andrea gebrachte dafür das Wort Konsistenz. Es geht darum, dass Kinder existenziell von uns abhängig sind und unsere Unsicherheit in ihnen tiefe Ängste auslösen kann. So erlebe ich es derzeit bei unseren beiden Kindern.
Solange völlig unklar ist, wielange unsere Ehe noch hält und wie im Falle einer Trennung unser weiteres Leben aussehen wird, sind die Kinder - auch der Kleine schon - zutiefst verunsichert und fordern uns als Eltern mehr denn je.
°°Mittlerweile bin aber egoistischer geworden. Ich werde hier noch wesentlich länger wohnen als meine Tochter ...
Wer mit wem wo wielange wohnen wird ist bei uns derzeit noch völlig offen ... und da liegt auch der Hund begraben. Nicht im Kinderzimmer.
Danke euch allen für eure Anstöße!
glg Schlumpfine
gesamter Thread:
- Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? -
Fatima,
24.09.2008, 09:12
- Re:Regeln@Fatima -
Sakem,
24.09.2008, 09:44
- Re:Regeln@Sakem -
Fatima,
24.09.2008, 13:57
- Re:Regeln@Fatima -
Sakem,
24.09.2008, 14:44
- Re:Regeln@Sakem - Schlumpfine, 24.09.2008, 18:30
- Re:Regeln@Sakem - Fatima, 24.09.2008, 20:51
- Re:Regeln@Fatima -
Sakem,
24.09.2008, 14:44
- Re:Regeln@Fatima -
Andrea,
26.09.2008, 19:27
- Re: Regeländerungen - Sakem, 27.09.2008, 09:13
- Re:Regeln@Sakem -
Fatima,
24.09.2008, 13:57
- Re: Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? - Odille, 24.09.2008, 10:02
- Re: Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? -
Mila,
24.09.2008, 10:16
- Re: @Mila:Das kann ich nicht -
Fatima,
24.09.2008, 13:26
- Stinkfaul???! -
Astarte,
24.09.2008, 21:57
- Re: Stinkfaul???! -
Fatima,
24.09.2008, 22:49
- Eher im Gegenteil -
Astarte,
24.09.2008, 23:26
- Re: @Astarte -
Fatima,
25.09.2008, 14:22
- Re: @Astarte - das fehlt natürlich Hallo und Pfiad di ;-) (n/t)
-
Fatima,
25.09.2008, 15:21
- Re: @Astarte - das fehlt natürlich Hallo und Pfiad di ;-) (n/t)
- Re: @Astarte -
Fatima,
25.09.2008, 14:22
- Eher im Gegenteil -
Astarte,
24.09.2008, 23:26
- Re: Stinkfaul???! -
Fatima,
24.09.2008, 22:49
- Stinkfaul???! -
Astarte,
24.09.2008, 21:57
- Re: @Mila:Das kann ich nicht -
Fatima,
24.09.2008, 13:26
- Re: Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? -
Schlumpfine,
24.09.2008, 11:03
- Wohngemeinschaft mit Kids (lang)@Schlumpfine -
Sakem,
24.09.2008, 12:43
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids (lang)@Schlumpfine -
Schlumpfine,
24.09.2008, 13:41
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - ein Trauerspiel? -
Fatima,
24.09.2008, 14:48
- Re: ´natürliche´ Konsequenzen - Sakem, 24.09.2008, 15:37
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - ein Trauerspiel? -
Plüschdingens,
25.09.2008, 09:44
- Re: @Plüschdingens -
Fatima,
25.09.2008, 13:57
- Re: @Plüschdingens -
Plüschdingens,
25.09.2008, 19:03
- Re: @Plüschdingens - Fatima, 25.09.2008, 23:48
- Re: @Plüschdingens -
Plüschdingens,
25.09.2008, 19:03
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - ein Trauerspiel? -
Andrea,
25.09.2008, 14:54
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - zu kompliziert - Fatima, 25.09.2008, 15:36
- Re: Ordnung ist dann fest mit der Erinnerung an Druck und Erpessung verknüpft - Schlumpfine, 25.09.2008, 21:04
- Re: @Plüschdingens -
Fatima,
25.09.2008, 13:57
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - ein Trauerspiel? -
Schlumpfine,
25.09.2008, 21:03
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - und Stiefvater . . . . - Fatima, 26.09.2008, 00:36
- Re: Be- / Er-ziehung... - Siebenschläfer, 25.09.2008, 15:41
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids @Schlumpfine/Sakem -
Snorkfräulein,
26.09.2008, 08:55
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids @Snorkfräulein - Sakem, 26.09.2008, 20:53
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids - ein Trauerspiel? -
Fatima,
24.09.2008, 14:48
- Re: Wohngemeinschaft mit Kids (lang)@Schlumpfine -
Schlumpfine,
24.09.2008, 13:41
- Re: role-model und Absichten - Fatima, 24.09.2008, 13:43
- Wohngemeinschaft mit Kids (lang)@Schlumpfine -
Sakem,
24.09.2008, 12:43
- Re: Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? -
albatros,
25.09.2008, 00:08
- Re: Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? -
Andrea,
26.09.2008, 18:36
- Re: OT: Thomas Gordon - Fatima, 26.09.2008, 20:22
- Re: Wie bringt man Kindern Ordnung bei, wenn man selber Probs damit hat? -
Andrea,
26.09.2008, 18:36
- Re:Regeln@Fatima -
Sakem,
24.09.2008, 09:44